Elke Heidenreich schimpft aufs iPhone

Literaturkritikerin Elke Heidenreich wagt sich einmal mehr mit einer ungewöhnlichen Meinung vor. In ihrer Stern.de-Kolumne verkündet sie: Mit dem iPhone zu spielen sei bei ihr zu Hause verboten. Dabei hätten alle ihre Freunde so ein "unsägliches" Gerät. Warum dieser Hass auf ein Telefon? Leute, die ein iPhone haben, würden nicht mehr lesen, mutmaßt Elke Heidenreich. Offenbar schreibt sie da, ähnlich wie bei der Debatte über Qualität im TV, über ein Thema, von dem sie nicht viel Ahnung hat.

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Heidenreichs unreflektiertes und von Sorge um den eigenen Sendeplatz geprägtes Geschimpfe auf die TV-Macher im allgemeinen und beim ZDF im besonderen, hat sie ihre Büchersendung im ZDF gekostet. Ihre aktuelle Tirade gegen das iPhone wird weniger folgenreich sein, allerdings ist sie auch nicht klüger als ihr Beitrag zur TV-Qualitätsdebatte.

„Blöde Glasplatte, blöde. Leute, die so was haben, lesen auch nicht mehr“, schimpft die Heidenreich übers iPhone. Und E-Books findet sie im selben Atemzug auch ganz furchtbar: „Wie fühlt sich das denn an! Wie sieht das denn aus! Was soll das denn für ein Buch sein, ist das noch ein Buch? Natürlich nicht, pah!“ Allerdings vergisst sie auch nicht, zu erwähnen, dass in den Vertrag zu ihrem neuen Buch womöglich E-Book-Rechte hineingeschrieben werden. Könnte also passieren, dass künftig jemand ein Heidenreich-Werk auf einem E-Book oder, Gott bewahre, gar auf dem iPhone liest.

Denn, wie Kundige wissen, gibt es bereits zahlreiche E-Book-Programme für das iPhone, die sich bei der Nutzerschaft des Telefons großer Beliebtheit erfreuen. Von wegen, iPhone-Nutzer lesen nicht! Elke Heidenreich scheint ihre etwas verquere Argumentation während des Schreibens ihrer Kolumne selbst aufgefallen zu sein, rudert sie doch mitten während der Technik-Polemik gleich wieder ein gutes Stück zurück.

Das Faxgerät habe sie ja auch nicht aufhalten können. Und die Eisenbahn sei anfangs auch von Technik-Feinden kritisiert worden, wird heutzutage aber sogar von Frau Heidenreich gerne genutzt: „Ich sah schon erste E-Book-Leser im Zug, ich habe ihnen verächtliche Blicke zugeworfen und beklommen an meinen Vertrag gedacht.“ In Wahrheit wird wohl auch Elke Heidenreich ganz froh sein, dass niemand so richtig auf sie hört.

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