„Bams“ vom Internet-Fieber gepackt

Viel Aufregung um den Fall der Sängerin Nadja Benaissa, deren Anwalt sich mit „Bild“ um Persönlichkeitsrechte und Pressefreiheit zofft. Dann war da „Abendblatt“-Chefredakteur Claus Strunz, der sich selbst auf der Erfolgsspur sieht, und der Väterstolz bei Gruner + Jahr angesichts des neuen Zeitschriften-Babys „Nido“. Sowas hat ja in diesem Jahr Seltenheitswert. Und was niemand ahnte: Die ehemalige „Tomorrow"-Redaktion hat offenbar die „Bams“ verhext - sie bringt jetzt Web-Tipps auf dem Titel.

Anzeige

Fangen wir mal mit dieser Kleinigkeit an, die vom vergangenen Osterwochenende übrig blieb. Da machte die „Bild am Sonntag“ auf mit dem Thema „Die 100 besten Internet-Adressen für Frauen“. Nanu. Wurde „BamS“-Chefredakteur Walter Mayer vielleicht von der Redaktionen der eingestellten Internet-Illu „Tomorrow“ chloroformiert und entführt? Aber mal im Ernst: Ist das ein Titel-Thema für eine große Sonntagszeitung mit Millionen-Auflage (immerhin noch 1,6 Mio.)? Löst sowas einen Kauf-Impuls aus? Im 1. Quartal ist die Auflage der „BamS“ um 3,6 Prozent gesunken. Mal abwarten, ob die Online-Offensive auf dem Titel was bewirkt. Pikant: Bei der bewussten Geschichte wurden dann ausgerechnet drei Springer-Websites allen voran ausgiebig vorgestellt: Jolie.de, goFeminin und Bildderfrau.de. Das riecht dann doch sehr streng nach Eigenwerbung. Vielleicht nimmt der eine oder andere Käufer dieses Odeur ja auch wahr…

Die tägliche „Bild“ war in dieser Woche in gewisser Weise auch mit Eigenwerbung beschäftigt, allerdings mit ganz ehrenhafter. Es geht um die Pressefreiheit. Der Fall des gefallenen No-Angels Nadia Benaissa zog und zieht Kreise. „Bild“ hat sich unbeeindruckt über eine Einstweilige Verfügung des Berliner Landgerichts hinweggesetzt und berichtet weiter über die Pop-Sängerin, gegen die wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt wird, weil sie trotz HIV-Infektion ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt haben soll. Ihr Anwalt Christian Schertz, meldet sich unterdessen selbst regelmäßig mit Pressemitteilungen zu Wort. Er ist halt Medienprofi.

Axel Springer zum dritten: Medienjournalist Stefan Niggemeier nennt den Chefredakteur des „Hamburger Abendblatts“, Claus Strunz, nur noch den „Strunzer“. Grund ist Strunz‘ bisweilen überschäumende Vorliebe für Eigenlob und Wortgeklingel. Nach einem halben Jahr Amtszeit beim „Abendblatt“ wähnt er seine Zeitung im Kreis der Top vier der deutschen Qualitätsblätter neben „FAZ“, „Süddeutscher“ und „Welt“. Gerüchte über eine engere Verzahnung von „Abendblatt“ und der Hamburger „Welt“-Ausgabe hat er im MEEDIA-Interview aber doch recht deutlich dementiert. Strunz wörtlich: „Es wird keine Fusion der Redaktionen geben. Wir nutzen aber dort Synergiepotenziale, wo es für beide Titel aus journalistischer und organisatorischer Sicht sinnvoll ist, um die Qualität zu steigern.“ Das kann man sich vielleicht mal auf Wiedervorlage legen.

Noch was Positives zum Schluss: Es ist…eine Zeitschrift! „Nido“ hat das Licht der Welt erblickt und alle freuen sich. Vor allem Großpapa und G+J Großvorsitzender Bernd Buchholz wird milde lächeln angesichts der 25 Anzeigenseiten in der ersten Ausgabe. Die nächste Testausgabe kommt im Oktober, dann wird geschaut, wie oft sich „Nido“ verkauft hat. Drücken wir „Nido“ trotz aller mäklerischen Bedenken die Daumen. Allzu viele Zeitschriften-Geburten werden wir dieses Jahr nicht mehr erleben dürfen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige