Verzockte der MDR Rundfunkgebühren?

Die Wellen schlagen hoch: Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat Rundfunkgebühren in Aktien und Rentenpapieren angelegt – und muss jetzt mit massiven Verlusten infolge der weltweiten Finanzkrise rechnen. Eine Rüge des Sächsischen Landesrechnungshofes hat der Sender dafür schon kassiert. Jede Menge Schelte von "Bild" bis Spiegel Online ebenso. Laut "FAZ" hatte der MDR in Spezialfonds "erhebliche stille Reserven“ gesammelt – die laut Landesrechnungshof einen "deutlichen Rückgang" verbuchen mussten.

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Die „Bild“-Zeitung spricht davon, dass der öffentlich-rechtliche Sender Ende 2005 knapp 537 Millionen Euro in Fonds an der Börse angelegt hatte, 138,64 Millionen Euro sollen davon laut „FAZ“ stille Reserven gewesen sein. Im Bericht des Landesrechnungshofes heißt es jetzt: „Aufgrund der sich seit Mitte 2008 verschärfenden Finanzkrise verzeichnete […] der MDR erhebliche Bewertungsabschläge auf die in den Fonds gehaltenen Aktienbestände und damit einen deutlichen Rückgang stiller Reserven.“

Über die Höhe des Verlustes kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Tatsache ist, dass der MDR schon im Jahr 2000 1,3 Millionen Euro durch Ecuador-Anleihen hatte einbüßen müssen.

Im aktuellen Fall wird der Sender außerdem dafür gerügt, dass MDR-Fonds Währungsspekulation betrieben und damit Verluste gemacht haben und ein Fonds unerlaubter Weise 49,82 Prozent seiner Rücklagen in „risikobehaftete Geldanlagen“ investiert habe. Erlaubt sind nur 35 Prozent.

Der MDR weigert sich bisher, den Wertrückgang, den die Fonds erlitten haben, zu offenbaren und zu beziffern. Schon Mitte 2008 wurde der Sender aufgefordert, seine stillen Reserven aufzulösen und „zur Erfüllung des Rundfunkauftrages einzusetzen“.

Der MDR hatte zwischen 1994 und 1999 insgesamt sieben Spezialfonds angelegt. Ende 2000 kamen sie auf einen Wert von knapp 625 Millionen Euro. Kursverluste verringerten den Wert bis 2002 auf 465 Millionen Euro. Danach erholten sich die Fonds wieder.

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