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Philipp Welte: Burdas „Erster Sanierer“

Erst seit vier Monaten ist Philipp Welte bei Burda im Amt. Es waren harte Monate. Der 47-Jährige muss in der Krise sozusagen als Erster Sanierer des Hauses unpopuläre Maßnahmen treffen und Unternehmensgruppen restrukturieren. Ihm blieb es vorbehalten, Mitarbeiter über den Wegfall ihrer Jobs zu unterrichten. Er wickelte „Tomorrow“ ab, „Young“ und jetzt die „Amica“. Nicht was er entschied oder verkündete, überrascht dabei, sondern die Art, wie er es tat. Selbst Konkurrenten zollen ihm Respekt.

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Erst seit vier Monaten ist Philipp Welte bei Burda im Amt. Es waren harte Monate. Der 47-Jährige muss in der Krise sozusagen als Erster Sanierer des Hauses unpopuläre Maßnahmen treffen und Unternehmensgruppen restrukturieren. Ihm blieb es vorbehalten, Mitarbeiter über den Wegfall ihrer Jobs zu unterrichten. Er wickelte „Tomorrow“ ab, „Young“ und jetzt die „Amica“. Nicht was er entschied oder verkündete, überrascht dabei, sondern die Art, wie er es tat. Selbst Konkurrenten zollen ihm Respekt.
„Stärker durch Integration“ überschrieb Welte seine Mail an die Redaktionen, die künftig unter dem Dach der neugeschaffenen Burda Style Group zusammengefasst werden. Die Burda People Group und der Verlag Arabellastraße gehen darin auf, und wie in solchen Fällen üblich bleiben dabei Jobs und auch ein Magazin auf der Strecke: die „Amica“ wird im Mai letztmals am Kiosk liegen.
Man mag die Wortwahl Weltes eigentümlich finden, man kann sich fragen, wem es nützt, wenn er die Frauenzeitschrift quasi posthum zu einem der „schönsten Fashion-Magazine“ erklärt und damit die lange Leidensgeschichte des Titels verklärt. Wichtiger aber ist: Der Vorstand tritt auf als einer, dem das Produkt am Herzen liegt, der jenseits von individuellen und kollektiven Härten das Ende einer Printmarke betrauert.
Die Worte Weltes, der wie kaum einer in seinem Rang das Marketing auch schwieriger Verlagsprozesse zu beherrschen scheint, sind vor dem Hintergrund zu sehen, dass bei Burda wie in vielen anderen Häusern auch derzeit gebündelt und gestrafft wird. Gestaltet, zumindest im Produktbereich, wird später. Jetzt ist es Zeit für einschneidende Maßnahmen. Die trifft Welte, und er kommuniziert sie konsequent. Und das macht er, wie ein Konkurrent anerkennt, „angenehm geräuschlos“.
Zwar haben Mediendienste, auch MEEDIA, schon vor Monaten über eine mögliche Einstellung der „Amica“ spekuliert. Die Nachricht kam aber für alle überraschend. Selbst auf den Redaktionsfluren war im Vorfeld nichts durchgesickert. Das spricht für funktionierende Hierachien, aus denen während der Entscheidungsfindung nichts nach außen dringt, was den Schaden am Ende noch gemehrt hätte.
Welte vertraut darauf, dass er durch die im Grunde unausweichlichen Einschnitte und Umstellungen auf Sicht die „publizistische Schlagkraft erheblich erhöht“. Dabei ist er darauf angewiesen, dass der Verlag und die Mitarbeiter diese Überzeugung teilen, damit Motivation und Leistung nicht leiden. Das scheint dem extrovertierten Vorstand bislang zu gelingen. Die nächsten Monate, vielleicht auch Jahre werden zeigen, ob dies von der „Nachhaltigkeit“ sein wird, die Welte so oft beschwört.
Der Manager, der zuvor bei Springer eher glücklos agierte, scheint im neuen Job angekommen zu sein. Während die Berliner viele Entscheidungen und Pläne Weltes unter Nachfolger Peter Würtenberger revidierten, scheint er für Burda in der Krise genau der Richtige zu sein: erfahren im Umgang mit den Produkten des Hauses und den Protagonisten.
Gespannt sein darf man auf Weltes Politik gegenüber dem Einflussbereich seines Vorstandskollegen Helmut Markwort. Bei dessen „Focus“-Gruppe sowie der von Markwort geführten Verlagsgruppe Milchstrasse sowie dem „Playboy“ gibt es ebenfalls Erneuerungsbedarf. Nachdem der Neu-Vorstand Welte zuletzt öffentlich den Schulterschluss mit Markwort demonstrierte, ist davon auszugehen, dass alle Maßnahmen in dessen Hohheitsgebiet sowie die anstehende Nachfolgeregelung nur mit Billigung Markworts erfolgen werden.
Wer die Position des inzwischen 72-jährigen „Ersten Journalisten“ bei Burda übernimmt, ist noch nicht entschieden. Wie man hört, ist die Nachfolge-Diskussion aber bereits im Gange. Von Insidern wird auch über Namen spekuliert: Genannt werden Ex-„WamS“-Chefredakteur Christoph Keese, Claus Strunz („Hamburger Abendblatt“), aber auch Gabor Steingart („Spiegel“) sowie der Namen eines G+J-Chefredakteurs. Wie gesagt: bisher alles nur Spekulation.

>> Burda stellt Frauen-Zeitschrift „Amica“ ein

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