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„Don Alphonso ist dümmer als ich“

Zweiter Teil des Interviews mit Don Alphonso. Rainer Meyer spricht über seine Kunstfigur und verrät, warum seine Texte fast immer erfolgreich sind. Unter den boomenden "FAZ"-Blogs gelten seine "Stützen der Gesellschaft" als Klick-Bringer. In dem Blog berichtet er – auf Augenhöhe – über die Sorgen des Großbürgertums. Eine Sichtweise, die ihm auch einen sehr individuellen Blick auf die deutsche Bloglandschaft erlaubt: "Viele Blogger sind am Ende ihrer Möglichkeiten".

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Wer ist Don Alphonso?
Eine Kunstfigur. Don Alphonso ist dümmer als ich und sagt oft Sachen, die ich so nie sagen würde.
Wir wissen längst, dass Don Alphonso gerne mit Schaum vor dem Mund über andere Blogger, PRler, Werber und Medienmacher herzieht. Oftmals am Rande zur Beleidigung. Einzig: Wie hart der Ton auch immer ist, in der Sache liegt er oft richtig. Was ist sein Geheimnis?
Die Leute legen schon Wert darauf, mit einer Kunstfigur zu reden. Ich lege jedoch größten Wert darauf, immer die richtige Mischung aus Fiktion und Authentizität zu wahren.

Warum lesen die Leute ihr Texte so gerne?
Ich stehe immer wieder vor der Frage: Was kann man den Lesern zumuten? Was mich wirklich überrascht, ist, dass Blogs funktionieren, obwohl sie sich mit nichts Relevantem beschäftigen. Journalisten müssen sich langsam mal fragen: Was wollen unsere Leser wirklich. Warum wird ein Blog-Text oftmals häufiger gelesen und kommentiert, als ein Nachrichten-Artikel?

Warum?

Ich weiß es auch nicht. Aber ich habe ein Problem mit Relevanz. Ich glaube, dass jedes Thema relevant ist. Die Kunst ist nur, im Kleinen das Große zu finden.
Was wissen Sie über Ihre Leser?
Sicher ist: Blog-Leser sind Fans.
In Ihrem „FAZ“-Blog schreiben Sie aber über eine ganz bestimmte Klientel, die gerade Sie besonders gut kennen sollten.
Dieses Blog ist ein echtes Wunschprojekt. Ich beschäftige mich mit den Menschen, die in einer 6000 Seelen-Gemeinde die „oberen Zehntausend“ genannt werden. In England spricht man von der „Upper Middleclass“. Ich kenne diese Schicht, ich gehöre ihr selbst an, ich weiß, wie sie wirklich ist.
Wie denn?
Sie will unter sich bleiben und hofiert werden. Schauen sie: Zu meinem Haus führt ein Weg, der sich bereits auf unserm Grundstück befindet. Trotzdem schickt die Stadt jedes Frühjahr einen Gärtner-Trupp, der an den Seitenrändern des Weges Blumenbeete anlegt. Oder: Oberhalb des Tegernsees gehen von der Bundesstraße lauter Wege zu diversen Villen ab. Die meisten Straßen sind mit einem Schild „Privatweg“ gekennzeichnet. Das ist absolut illegal. Diese Schilder wurden einfach von den Besitzern angebracht. Bei der Stadt traut sich aber keiner, die Schilder abzunehmen. In einer halben Stunde in einer Bäckerei in Tegernsee lernen Sie mehr über diese Schicht als in jeder Metropole.
In der Verlagswelt gilt das Großbürgertum als höchst attraktiv.
Ha! Aber keiner erreicht sie, weil sie keiner kennt. Ob „Vanity Fair“ oder „Park Avenue“. Alle diese Hefte sind beim Versuch gescheitert, die Oberschicht anzusprechen.
Liest diese Schicht denn Ihr „FAZ“-Blog?
Dann hätte ich ja geschafft, was den erfolgslosen Heften nicht gelang. Aber im Gegensatz zu denen will ich den Lesern auch nichts verkaufen. Oftmals scheinen die Journalisten ja nur noch dazu da zu sein, um die Lücken zwischen den Anzeigen mit möglichst seichten Inhalten zu füllen.
Ihr „FAZ-Blog“ ist ein voller Erfolg. Wie bewerten Sie die generelle Situation in der deutschen Blog-Welt?
Wenn wir ehrlich sind, muss man sagen: Wir hatten ein Jahr der Blogstagnation. Man stürzte sich auf Twitter, was nur beweist: Viele Blogger sind am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt. Doch dem Wahljahr sei dank, wittern einige jetzt wieder Morgenluft und wanzen sich wieder an die Verlage und Parteien ran.
Ist die Bundestagswahl ein Jungbrunnen für die Blogosphäre?
Es scheint wirklich Leute zu geben, die glauben, Barack Obama hätte die Wahl im Web gewonnen. Das ist natürlich Schmarrn. Ich glaube nicht, dass Angela Merkel irgendjemanden zusätzlich mobilisiert, wenn sie twittert.
Ihre Lieblingsfeinde in der Blogwelt scheinen vor allem die arrivierten Top-Blogs, von Spreeblick bis zu allen Töchtern des Schweizer Blogwerk-Verlages, zu sein.
Die sind schon engagiert und geben sich auch Mühe. Aber es funktioniert vor allem finanziell einfach nicht richtig. Erst wenn die Luft brennt, war es richtig gut.
Was heißt in diesem Fall funktionieren?
Dass man davon anständig leben kann. Und damit meine ich nicht irgendein Souterrain-Büro-Leben in Berlin Mitte. Mit einem Monatseinkommen von 2000 bis 3000 Euro haben Sie keine anständige Absicherung und stehen immer kurz vor dem Absturz. Da kann man nicht von Leben sprechen.

Gibt es denn nach dieser Definition funktionierende Blogs?
In den USA schon.
Sie sagten eben, viele Blogger gehen wieder auf Verlage zu. Warum sollten Verlage überhaupt auf Blogs setzten?
Weil sie eine gute Ergänzung zur Leserbindung sein können. Unser Problem ist doch, dass sich die meisten Blogs mit denselben Themen beschäftigten. Der Fokus ist viel zu eng. Gerade in Blogs wollen die Leute auch Abseitiges lesen.

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