„Die meisten Journalisten sind Pudel“

Publishing Viele finden Don Alphonso, bürgerlich Rainer Meyer, derbe, laut und oftmals bis zur Unerträglichkeit arrogant. Das Erstaunliche: Wie weit er sich auch aus dem Fenster zu lehnen scheint, oft behält er recht. Was der Bayer in der Blogosphäre anfasst, wird ein Erfolg. Aktuelles Projekt ist das FAZ-Blog „Stützen der Gesellschaft“. Im ersten Teil des MEEDIA-Interviews analysiert "der Don" die aktuelle Situation der Medienhäuser und sagt voraus, dass die Online-Redaktionen die Sparwelle zuerst spüren werden.

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Welche Auswirkung wird die Wirtschaftskrise auf die Medienindustrie haben?
Die Einnahmen und Auflagen brechen weg. Anders als viele glauben, liegt die Zukunft aber nur bedingt im Internet. Bis auf wenige Ausnahmen verdient kein Verlag im Web Geld und das wird sich auch nicht ändern. Die ersten, denen es wegbröseln wird, sind die Online-Redaktionen.

Demnach war es auch ein Fehler, dass Verlage massive im Start-ups investierten, wie es beispielsweise Holtzbrinck mit StudiVZ machte?

Die meisten Verlagsmanager verstehen das Internet nicht. Sie sind aber getrieben von der Angst, etwas zu verpassen, deshalb investieren sie. Das allermeiste von dem Zeugs, was sie im Web so alles angestellt haben, ist schlicht nicht refinanzierbar. Die Medienunternehmen sollten sich einzig auf das konzentrieren, was sie wirklich können: Inhalte erstellen und verkaufen.
Wenige Tage bevor Stefan von Holtzbrinck weite Teile seiner Print-Beteiligungen an seinen Bruder verkaufte, sagten sie bereits einen solchen Schritt voraus. Bei so viel Weitblick: Was kommt als nächstes?
Holtzbrinck war nur die Ouvertüre. Es werden noch mehr Medienunternehmen ernsthafte Probleme bekommen. Alle Konzerne, die nicht renditestark oder größtenteils schuldenfinanziert sind, bekommen große Probleme.
Jetzt müssen Sie mindestens ein Beispiel nennen?
Fox bzw. News Corp.. Murdoch Investiert seit Jahren nur auf Pump. Der Kauf des „Wall Street Journals“ war völlig überteuert und dazu fast ausschließlich kreditfinanziert.
Trifft es auch deutsche Verlage?
Garantiert. Unklar ist beispielsweise die Lage bei der Südwestdeutsche Medien Holding. Der Kauf des Süddeutschen Verlages war noch kurz vor der Krise, also völlig überteuert und möglicherweise weitestgehend auch kreditfinanziert.
Was müssen die Verlage machen, um die Krise zu überstehen?
So eine Krise wird auch ihr gutes haben. Wir werden viele richtig spannende Neuentwicklungen sehen. Es ist doch so: In der Krise wird man besser. Bislang war es doch so: viele Zeitungen hatten nur noch Text, um den Platz zwischen den Anzeigen zu füllen. Wer aber keine Anzeige mehr hat, kann wieder anfangen, wirklich spannende Inhalte zu produzieren. Viele Zeitungen werden sterben. Es werden die überleben, die Qualität liefern und Haltung zeigen. Medien sind eine Pudelzucht. Die heutigen Journalisten sind Schosshündchen, sehen alle schick aus und sind gut dressiert. Die Leser wollen aber Wölfe anstatt Pudel.
Splitten sich die Zielgruppen nicht derart auf, dass es für Generalisten wie die „FAZ“ immer schwerer werden wird?
Sie müssen in ihren Angeboten schon spitzer werden. Dürfen aber auch nicht die Hauptmarke vernachlässigen. Neben dem Mutterschiff muss es viele kleine spezialisierte Beiboote geben. Diese müssen zu einer Spielwiese für Qualität werden.
Würden Sie für Content zahlen?
Wenn die „New York Times“ sagen würde, wir brauchen Geld, sonst machen wir dicht, schicke ich sofort hundert Dollar. Die sind so gut, die müssen überleben.
Welche Angebote wachsen trotz Krise?
Alle, die Spaß machen. Egal wie schlimm es mit der Wirtschaftskrise noch wird. Die Leuten haben irgendwann genug und sagen sich: Was auch immer morgen ist, ich will jetzt meinen Spaß haben. Diese Einstellung müssen sie bedienen. Die Menschen wollen schon bald endlich wieder fressen, schlemmen und Lust haben.

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