Aleksander Ruzicka soll 13,5 Jahre in Haft

Im Ruzicka-Prozess hat Staatsanwalt Wolf Jördens 13 Jahre und sechs Monate Haft für den ehemaligen Manager der Media-Agentur Aleksander Ruzicka gefordert. Er blieb damit nur knapp unter der möglichen Höchststrafe für Veruntreuung von 15 Jahren. Ruzicka soll über Jahre hinweg für Freispots kassiert und über ein kompliziertes Firmengeflecht in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Ruzickas Aussagen bezeichnete der Staatsanwalt als „den größten Blödsinn, den ich je in einem Gerichtssaal gehört habe“.

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Ruzicka und seine Verteidigung stellten sich bis zuletzt auf den Standpunkt, dass er stets im Interesse von Aegis Media gehandelt habe. Mit immer neuen Beweisanträgen wurden die Schlussplädoyers stets aufs Neue hinausgezögert. Nun nähert sich das Ende des Mammut-Wirtschafts-Prozesses, der die gesamte deutsche Werbe- und Medienlandschaft erschüttert hat.

Staatsanwalt Jördens bescheinigte Ruzicka eine „erhebliche kriminelle Energie“, um seinen gehobenen Lebensstandard zu sichern. Ruzicka residierte bei Wiesbaden in einem Schloss und unterhielt u.a. ein repräsentatives Gut in Südafrika. Den Schaden, den Ruzicka mit seinem Treiben angerichtet habe, bezifferte er auf 49 Millionen Euro. Die hohe Strafforderung begründet die Staatsanwaltschaft damit, dass Ruzicka während des gesamten Prozesses nicht kooperativ gewesen sei und versucht habe, die tatsächlichen Vorgänge zu verschleiern.

Sein geständiger Mit-Angeklagter David Linn kommt bei den Anklägern besser weg. Für ihn forderten sie zwei Jahre Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 30.000 Euro. Der Grundvorwurf an Ruzicka: Er soll bei Unternehmen für Freispots, die von großen TV-Vermarktern als Naturalrabatte gewährt wurden, abkassiert und in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Die Affäre sorgte dafür, dass das ganze System der Freispot-Rabattierungen bei der TV-Werbung neu geregelt wurde.

Die Abrechnung wurde laut Anklage u.a. über die Wiesbadener Werbeagentur Zoffel Hoff Partner (ZHP) abgewickelt, bei der der ehemalige hessische Europaminister Volker Hoff einer der Partner war. Ruzickas Verteidigung plädiert am 27. April. Ein Urteil wird für die erste Maiwoche erwartet.

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