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„Die Zeit“ wird zum Auflagen-Phänomen

Während überall im Land Auflagenverluste gemeldet werden, die große Printkrise ausgerufen wird oder Papier-Produkte gleich ganz beerdigt werden, geht es der "Zeit" so gut wie selten zuvor. Mit einer verkauften Auflage von 505.765 Stück meldete die Hamburger Wochenzeitung vorab die zweithöchste IVW-Zahl aller Zeiten. Nur vor 18 Jahren gab es mal ein Quartal, in dem noch mehr "Zeit"-Exemplare abgesetzt wurden. "Die Zeit" zeigt damit: Print ist noch lang nicht tot.

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So ungewöhnlich die Jubelmeldung ist, die rund zehn Tage vor Veröffentlichung der IVW-Quartalsauflagen per Werbe-Branchendienst „new business“ bekannt gemacht wurde, so ungewöhnlich ist auch die Erfolgsgeschichte der „Zeit“. Vor Jahren noch als etwas onkelige Zeitung für verkopfte Studienräte abgewertet, gelang es Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, dem Blatt behutsam ein neues, moderneres Image zu verpassen. Neue, junge Leser wurden gewonnen, ohne das Stamm-Publikum zu verlieren. Die kleine Auflagenkrise, in die das Blatt Ende der 90er und Anfang des neuen Jahrtausends schlidderte, scheint vergessen.

Anfang der 90er hatte „Die Zeit“ ihre bis dahin erfolgreichste Phase, die im ersten Quartal 1991 im noch heute geltenden Rekord von 513.513 verkauften Exemplaren gipfelte. Auch zwei Jahre später wurde die 500.000er-Marke noch einmal geknackt, doch dann begann allmählich ein kleiner Abschwung. Zwischen dem ersten Quartal 1999 und dem vierten Quartal 2002 rutschte die Wochenzeitung sogar unter 450.000 Verkäufe. Im zweiten Quartal 2005 durchbrach man unter dem 2004 angetretenen Chefredakteur di Lorenzo dann aber wieder die 480.000er-Marke, im zweiten Quartal 2007 die 490.000er-Marke und im vierten Quartal 2008 die 500.000, die im ersten Quartal 2009 nun also mit 505.765 bestätigt wurde.

Gewonnen hat „Die Zeit“ dabei insbesondere bei den Abos und zuletzt auch wieder im Einzelverkauf. So lag die Einzelverkaufsauflage im vierten Quartal 2008 mit 125.964 Stück auf dem höchsten Niveau seit drei Jahren. „Die Zeit“ zeigt damit, dass die Zeitungskrise gar keine ist, sondern allenfalls eine Tageszeitungs- oder Regionalzeitungskrise. Neben der „Zeit“ gewinnen nämlich auch andere Wochen- oder Sonntagszeitungen seit Jahren hinzu. Insbesondere die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ meldet Quartal für Quartal neue Rekorde. Im vierten Quartal 2008 – neuere Zahlen liegen dort erst nach Ostern vor – wurde sie 341.430 mal verkauft. Im 5-Jahres-Vergleich gab es Zuwächse von 9% im Einzelverkauf und 26% bei den Abonnenten. Die Antwort auf das Internet scheint also klar, wenn man „Die Zeit“ und die „F.A.S.“ als Beispiel nimmt: Lesevergnügen statt Info-Häppchen. Ausgeruhte Artikel statt Teilnahme an der Nachrichtenhatz, die das Netz längst gewonnen hat.

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