Pocher witzelt ab Herbst bei Sat.1

Wenn zwei Sender sich streiten – freut sich der dritte. Im Buhlen um die Gunst des Anarcho-Komikers Oliver Pocher hat weder die ARD noch RTL gewonnen, sondern der angeschlagene Privatsender Sat.1. Dort bekommt Oliver Pocher einen Drei-Jahres-Vertrag, eine wöchentliche Late-Night-Show ab Herbst, ein Fußball-Casting-Format und er soll Events moderieren. Produziert wird von Spiegel TV Infotainment. Pocher fällt damit als Jungbrunnen für die ARD aus.

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ARD-Programmdirektor Volker Herres soll noch am Mittwochmorgen davon ausgegangen sein, dass Pocher nach dem Ende von „Schmidt & Pocher“ dem öffentlich-rechtlichen Senderverbund erhalten bleibt. Die ARD hat ihm laut Presseberichten einen Zwei-Jahres-Vertrag und eine regelmäßige Sendung am späten Samstagabend angeboten. Das RTL-Angebot erstreckte sich offenbar zunächst nur auf acht bis zehn Sendungen.

Das Sat.1-Paket war für Pocher letztlich in der Summe das attraktivste. Er bekommt wahrscheinlich einen Sendeplatz um 22 oder 23 Uhr an einem Wochentag und wird zu einem Sendergesicht von Sat.1 aufgebaut. Der Sender, der in jüngster Zeit nur durch finanzielle Probleme und den ungeliebten Umzug von Berlin nach München-Unterföhring auf sich aufmerksam machte, kann Pocher als Zugpferd gut gebrauchen.

Bei der ARD dürfte Pocher auch den absehbaren Dauer-Streit mit den notorisch erregten Fernsehräten gefürchtet haben. Bei „Schmidt & Pocher“ gab es öfters Zoff, u.a. weil Pocher in Wehrmachtsuniform eine Parodie auf Tom Cruise in seiner Rolle als Stauffenberg hinlegte. Der Komiker hat mit der Pocher Entertainment GmbH nun, wie es sich gehört, eine eigene Produktionsfirma gegründet. Der Sat.1-Produktionsauftrag wird aber an Spiegel TV als ausführende Firma weitergereicht.

Dass einer wie Pocher in der deutschen TV-Landschaft so heiß gehandelt wurde, ist bezeichnend. Er hat unbestrittene Qualitäten und Talent als Komiker und Parodist, ist aber nicht immer hundertprozentig geschmackssicher und ihm fehlt die Souveränität jahrelanger Erfahrung. Der Aufstieg vom jungen Talent zum umworbenen Moderator und Comedy-Star ging bei Pocher im Raketentempo. Die traurige Wahrheit: Es ist außer ihm weit und breit kein Junger zu sehen, der wenigstens ein bisschen Moderationstalent und Witz hat. Pocher war die einzige Option der Sender auf ein neues Gesicht.

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