G+J: Umsatz und Gewinn geben nach

Keine positive Überraschung aus Hamburg: Wie schon in der Vorwoche bei der Bilanzvorlage der Konzernmutter Bertelsmann angekündigt, beendet die Verlagstochter Gruner + Jahr das Geschäftsjahr 2008 mit einem Gewinnrückgang von 15 Prozent. Die Erlöse konnten die Vorjahresvorgaben mit einem Minus von zwei Prozent knapp behaupten. Das Ergebnis sei "ordentlich", findet G+J-Vorstand Bernd Buchholz, der nach Bertelsmann-Vorbild 2009 auf sämtliche Bonuszahlungen verzichten will.

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Die Finanzkrise hat ihren Niederschlag in der Konzernbilanz von Europas größtem Zeitschriftenverlag gefunden, wie Vorstand Bernd Buchholz heute bei Vorlage der Unternehmensbilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr zugeben musste: „Die konjunkturell rezessive Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte hinterließ auf allen europäischen Anzeigenmärkten und damit auch in Umsätzen und Ergebnissen von G+J deutliche Spuren“, erklärte Buchholz heute in Hamburg.

Insgesamt verzeichnete G+J einen Rückgang der Umsatzerlöse um 2,2 Prozent auf 2,77 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,83 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen ging im Berichtszeitraum auf 225 Millionen Euro (Vorjahr: 264 Millionen Euro) zurück. Die Umsatzrendite von G+J lag bei 8,1 Prozent (Vorjahr: 9,3 Prozent). Das EBIT (Ergebnis vor Steuern und Zinsaufwendungen)
brach gar um 25 Prozent von 226 auf 170 Millionen Euro ein. Maßgeblichen Anteil hatten daran Restrukturierungskosten und Abfindungen, die allein mit 35 Millionen Euro zu Buche schlugen.

„Erste Auswirkungen der Rezession in allen westeuropäischen Märkten bemerkbar“

Dabei sei das erste Halbjahr 2008 noch „befriedigend“ verlaufen, teilte G+J mit. Der Einbruch erfolgte synchron zur ausufernden Finanzkrise in der zweiten Jahreshälfte.  „Erste Auswirkungen der Rezession machten sich in allen westeuropäischen Märkten – wenngleich in unterschiedlicher Intensität – für die Verlagsgeschäfte bemerkbar“, kommentierte die Bertelsmann-Tochter das Ende des Wachstums.  Demgegenüber stehen „weiterhin erfreuliche Zuwächse“ in China und den osteuropäischen Ländern, die  die „teilweise deutlichen Rückgänge der Anzeigenumsätze“ indes nicht vollständig kompensieren konnten.

Die verschiedenen Konzern-Segmente entwickelten sich laut G+J-Pressemitteilung wie folgt:

• G+J Deutschland

Trotz des sich im zweiten Halbjahr 2008 drastisch verschlechternden Anzeigenmarktes konnten die Umsatzerlöse von G+J Deutschland im abgelaufenen Geschäftsjahr nochmals gesteigert werden.

Die wesentliche Basis für den Markterfolg von G+J Deutschland bildeten erneut die starken und etablierten Medienmarken. Trotz der sehr angespannten Situation auf dem deutschen Anzeigenmarkt konnten Titel wie GALA, BRIGITTE WOMAN, DOGS, NEON, ESSEN UND TRINKEN, HEALTHY LIVING und P.M. ihre Anzeigengeschäfte im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Die Vertriebsumsätze von G+J Deutschland blieben im Vergleich zum Vorjahr durchweg stabil.

Der Bereich Corporate Publishing und der Online-Vermarkter G+J Electronic Media Sales (EMS) konnten in 2008 ihr Wachstum fortsetzen.

• G+J International
Die Geschäfte in den Ländern des Unternehmensbereiches G+J International wurden unterschiedlich stark von der weltweiten Rezession in Mitleidenschaft gezogen. Nach signifikantem Wachstum in den Vorjahren waren Umsatz und operatives Ergebnis in 2008 erstmals rückläufig. Das gilt auch für die G+J-Tochter in Frankreich, die ein rückläufiges Anzeigen- und Vertriebsvolumen zu verkraften hatte. In Spanien sah sich G+J International 2008 mit einer verschärften krisenhaften Entwicklung vor allem im Automobilsegment konfrontiert; der Titel „Motorpress Ibérica“ musste entsprechend  „signifikante Umsatzeinbrüche“ hinnehmen.

• Bereich Zeitungen

Die G+J-Beteiligungen am Dresdner Druck- und Verlagshaus, deren Haupttitel die SÄCHSISCHE ZEITUNG, die DRESDNER MORGENPOST und die CHEMNITZER MORGENPOST sind, entwickelten sich nach Verlagsangaben in 2008 insgesamt erfreulich. Umsatzrückgänge im Zeitungsgeschäft konnten erfolgreich durch den Ausbau von neuen Geschäftsfeldern kompensiert werden. Wesentlicher Bestandteil des Neugeschäftes ist das Postgeschäft.

• Bereich Druck

Zum Sorgenkind entwickelte sich das darbende Druckgeschäft. So wurde gleich zu  Beginn des Jahres 2008 beim Tiefdruck-Joint Venture Prinovis, an dem neben G+J und arvato auch Axel Springer beteiligt ist, die Schließung des Standortes Darmstadt notwendig. Der Margenverfall der europäischen Druckindustrie schwächte sich im Jahresverlauf deutlich ab. Während Prinovis Liverpool durch die planmäßige Erhöhung der Auslastung eine erfreuliche Verbesserung von Umsatz und Ergebnis verzeichnen konnte, wurde die US-Druckerei Brown Printing schwer von der Finanzmarkt- und der Zeitungskrise gebeutelt. Die Auslastung  verschlechterte sich im zweiten Halbjahr „drastisch“.
Buchholz zieht positive Bilanz: „Gelungen, ein ordentliches Ergebnis zu erwirtschaften“

Trotzdem zog Bernd Buchholz ein positives Fazit des abgelaufenen Geschäftsjahres: „Trotz des negativen Einflusses der bereits im zweiten Halbjahr spürbaren Wirtschaftskrise ist es Gruner + Jahr gelungen, 2008 insgesamt ein ordentliches Ergebnis zu erwirtschaften. Durch unser vorausschauendes, konsequentes Gegensteuern ist Gruner + Jahr mit seinen starken Medienmarken in gesunder und robuster Verfassung „, erklärte der G+J-Vorstandsvorsitzende auf der Bilanzpressekonferenz in Hamburg.

Für die Zukunft sieht Buchholz G+J dennoch gut gerüstet: Der Verlag stemme sich  „erfolgreich gegen die Krise auf den Märkten“, bilanzierte Buchholz das Ergebnis. „Wachstumsfelder sehen wir in internationalen Märkten, in unserem ‚Expand your Brand‘-Prozess und in einer weiteren Diversifizierung unserer Geschäfte im Corporate Publishing oder in der digitalen Vermarktung“.
Einen Ausblick wollte der 47-Jährige aber nicht abgeben. „Als Orakel vom Baumwall will ich mich nicht betätigen.“ Buchholz selbst kündigte an, im laufenden Geschäftsjahr auf Bonuszahlungen, die etwa die Hälfte seines Gehaltes ausmachen, verzichten zu wollen.  

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