Anzeige

‚Stromberg‘-Star Mädel ist ‚Der kleine Mann‘

„Normal ist das neue Hip“: Bjarne I. Mädel alias Ernie aus „Stromberg“ ist Held der neuen ProSieben-Serie „Der kleine Mann“ von Ralf Husmann („Stromberg“, „Dr. Psycho“). Als Rüdiger Bunz wird Mädel über Nacht zum Werbestar für eine Schnapsmarke, was sein Leben heftig durcheinander wirbelt. Husmann liefert erneut nicht nur ein ausgefeiltes Sittenbild der „einfachen Leute“, sondern nimmt diesmal auch die achso hippe Medienbranche aufs Korn.

Anzeige

Elektro-Fachverkäufer Rüdiger Bunz (Bjarne I. Mädel) mag es gerne ruhig in seinem Leben. Für seine Frau kocht er am liebsten Gulasch und alten Damen repariert er selbstverständlich kostenlos den Staubsauger. Als Bunz zufällig durch die Werbe-Agentin Lydia (Karoline Eichhorn) von der Straße weggecastet wird, ist es mit der Ruhe jedoch schnell vorbei.

Für die geschäftige Business-Frau ist er aufgrund seiner Durchschnittlichkeit („ein Mann wie’n Opel Corsa, wie Braten mit Soße!“) die perfekte Besetzung für einen Werbespot der Schnapsmarke  „Der kleine Mann“. Als neue Reklame-Ikone, die allabendlich über den Bildschirm flackert, bekommt Bunz jedoch auch schnell die Schattenseiten seines plötzlichen Ruhms zu spüren.

Denn jeder, so scheint es, will ein Stück vom Kuchen: Sein griesgrämiger Chef Herr Gumbrecht (grandios: Karl Kranzkowski) hofft durch Rüdigers Berühmtheit den Umsatz zu steigern, sein verschlagener Arbeitkollege Jürgen (Florian Lukas) drängt sich als Manager ins Rampenlicht und Rüdigers Ehefrau Silvia (Christina Große) sehnt sich schon lange nach einem neuen Kleinwagen.

„’Der kleine Mann’ wirft einen spöttischen Blick auf den gesamt- gesellschaftlichen Trend, ‚berühmt werden’ als Lebensziel, Ausbildungsersatz und Behelfsreligion zu sehen“, so Autor Husmann über sein neues Format. Und tatsächlich fühlt man sich bei Rüdiger Bunz schnell etwa an Singstar Paul Potts oder an Schäfer Heinrich aus „Bauer sucht Frau“ erinnert. Naiv, blass und ein wenig tollpatschig torkelt Bunz durch die schöne neue Medienwelt, nicht ohne dabei fortwährend für heftiges Fremdschämen beim Zuschauer zu sorgen. Etwa wenn ihm bei einer Werber-Party seine psychosomatischen Magen-Darmprobleme wieder mal zu schaffen machen und er sich über seinen Bauchladen übergeben muss. Oder als er verzweifelt versucht, sein Promi-Image auszunutzen, um im angesagten In-Restaurant einen Platz für sich und seine Liebste zu ergattern.

Bjarne I. Mädels schauspielerische Leistung ist tadellos, dennoch kann der „Kleinbürger“ Bunz nicht mit einem Stromberg oder einem Dr. Psycho mithalten. Er ist einfach nur normal – und das ist sein Problem: Im fehlt der für Husmann-Figuren typisch neurotische Charakter. Wenn Bunz mit permanenter Off-Stimme in Sendung-mit-der-Maus-Manier dem Zuschauer sein Leben erklärt, wird es zuweilen ein wenig eintönig. Glücklicherweise sorgen dafür alle anderen Charaktere für den feinen, intelligenten Humor, der Husmann-Serien auszeichnet.

Besonders witzig wird es, wenn Gestalten aus der Parallelwelt in Bunz kleines Universum eindringen. Die gesamte Werbe- und Medienbranche bekommt dabei ihr Fett ab. Dass Werber zuweilen jedes rassistische Tabu vergessen, wenn es um den Erfolg der Kampagne geht, zeigt Lydias Plan, Roberto Blanco für „Negerkuss“-Werbung zu buchen. Und auch der ganze unsägliche Hype der Kochshows wird kräftig durch den Kakao gezogen („Köche sind die Frisöre der 90er“). Grandios: Sarah Wiener spielt Sarah Wiener – arrogant, erfolgsgeil und egozentrisch. Soviel Selbstironie hätte man der Frau gar nicht zugetraut.

ProSieben setzt, nach dem gefloppten „Dr. Psycho“, nicht viel Vertrauen in die Serie: Bislang sind nur acht Folgen produziert und mit 22.40 Uhr wird  das Format auf einem späten Sendeplatz ausgestrahlt. Ohne Zweifel: „Der kleine Mann“ hat so manche Macke. Weder bezaubert das Format durch eine einzigartige Atmosphäre wie im Strombergschen Großraumbüro, noch durch unsagbar witzige Dialoge wie auf Dr. Psychos Polizei-Revier. Dennoch zählt die Serie mit Sicherheit zu dem Besten, was deutsche Fernsehunterhaltung derzeit zu bieten hat. Den Ralf Husmann gelingt etwas, das sonst nur gute, US-amerikanische Serienunterhaltung auszeichnet: Eine gelungene Mischung aus Qualität und Unterhaltung.

„Der kleine Mann“ läuft dienstags um 22.40 Uhr bei ProSieben

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige