Ideenlos: Strunz-Kritik an Verlagsmanagern

Das Motto fürs Podium war Programm: „Hurra, wir leben noch“ betitelten die Organisatoren des Lead Award-Symposiums in Hamburg den hochkarätig besetzten Future Roundtable Zeitungen. Mit „SZ“-Chefredakteur Hans Werner Kilz, „Tagesspiegel“-Chef Stephan-Andreas Casdorff und Claus Strunz („Hamburger Abendblatt“) waren verschiedene Blattmacher-Generationen vertreten. Einhelliges Fazit: Journalismus ist durch nichts zu ersetzen. Strunz übte wegen fehlender Online-Erlösmodelle Kritik an Verlagsmanagern.

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Diese, so der seit Oktober amtierende „Abendblatt“-Chefredakteur, „haben anders als wir bisher keine Antworten auf die Herausforderungen des Internets gefunden.“ Stattdessen hätten die Manager in den vergangenen Jahren nur lamentiert: „Sie haben auf den Podien nur rumerzählt, dass sich Online nicht monetarisiert.“ Im Gegensatz zu den Journalisten („Auch wir haben uns schwer getan“), die ihre Lektion im Internet gelernt hätten, seien die Experten fürs Geschäftliche Vieles schuldig geblieben, „wie zum Beispiel die simple Frage, wie man Traueranzeigen kostenpflichtig im Internet anbieten kann. Deshalb liegt der Ball zunächst bei den Verlagskaufleuten. Wo ist eigentlich deren Leistung?“

Strunz wandte sich auch gegen übertriebenes Krisengerede: „Geben wir zu, das Gejammer ist ein relatives.“ Regionalzeitungen verdienten immer noch „gutes Geld“, auch wenn die Rekorde früherer Jahre nicht mehr zu erreichen seien. Für das „Abendblatt“ kündigte der 42-Jährige einen Relaunch der Print-Ausgabe, ein „Update“ des Webauftritts Abendblatt.de sowie die Schaffung einer Meinungsseite noch für dieses Jahr an: „Alle Maßnahmen verschreiben sich unserer Qualitätsoffensive, und ich bin übrzeugt, dass die Inhalte des ‚Hamburger Abendblatts’ danach von mehr Menschen als je zuvor konsumiert werden.“

Hans Werner Kilz, seit 1994 Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ und inzwischen 66 Jahre alt, nannte das von ihm vor langem eingeführte Konzept der „Wochenzeitung in der Tageszeitung“ als wichtige Voraussetzung für das Überleben der Qualitätszeitungen. Kritisch sieht er die Praxis vieler Medien, „Nachrichten nur zu verbreiten, anstatt ihnen nachzuspüren.“ Dabei sei Recherche „der Urstoff dessen, was Journalismus ausmacht. Davon ist leider im Mediengeschäft viel verloren gegangen.“ Die Bedeutung von Relaunches hält er für überschätzt: „Bei der ‚Süddeutschen’ haben wir in den letzten Jahren keinen einzigen Leser verloren, weil wir nicht drei- oder viermal relauncht haben.“

„Tagesspiegel“-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff, 50, wandte sich gegen die Tendenz der „Trivialisierung“ der Zeitungen: „Es gibt ein paar Gesetze beim Blattmachen. Das wichtigste lautet: Nimm den Leser ernst. Wir dürfen das Vertrauen nicht verspielen.“ Als Mittel gegen die prekäre Finanzlage einiger Titel sieht Casdorff nach dem Modell des britischen „Guardian“ eine unabhängige Stiftung, die einen Fonds zur Stützung defizitärer Blätter auflegen könne. „SZ“-Chefredakteur Kilz glaubt, dass die großen Qualitätszeitungen für die Demokratie „essenziell“ seien: „Wenn eine Zeitung wie die ‚FAZ’ oder die ‚Süddeutsche’ wegfallen würde, dann gäbe es in Deutschland eine gewisse Panik.“

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