Aprilscherz 2.0: Die skurrilsten Fälle

Es ist eine lieb gewonnene Medien-Tradition: Für ein paar Zeilen Spaß, pfeifen am 1. April fast alle Redaktionen auf ihre Seriosität und nehmen ihre Leser einmal so richtig hoch. Die Gefahr, dass ein Aprilscherz jedoch nicht als solcher erkannt wird, war noch nie so groß. Mittlerweile könnte jede News doch echt sein. Denn, warum sollte Springer Twitter nicht wirklich kaufen, warum sollte ein Scheich nicht wirklich eine deutsche URL für 15 Mio. Dollar kaufen. MEEDIA zeigt die besten Scherze des Tages.

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Wirklich große Mühe mit seinem Jux gab sich heute Peter Turi. Um die Zeile „Überraschung im Valley: Springer kauft Twitter“; zu halten, legte der Frühaufsteher und Branchenblogger extra ein – angebliches – Zwitscher-Account der Axel Springer AG an. Ließt man nur den Text, würde die Fälschung kaum auffallen: „Axel statt Google: Das derzeit begehrteste Start-up der Welt fällt in deutsche Hände – die Axel Springer AG kauft für 1,5 Milliarden Dollar den Kurznachrichtendienst Twitter. Dies bestätigte der Medienkonzern am frühen Mittwochmorgen durch einen Twitter-Eintrag“. Dem nicht genug, produzierte Turi gleich noch einen eigenen Videobeitrag.
Auch schön: „Gimahhot schließt 2-jährigen Werbevertrag mit Ex-Pornostar Michaela Schaffrath ab / Ziel ist weitere Steigerung der Markenbekanntheit insbesondere in der Zielgruppe der 30- bis 50-Jährigen“ Besonders gelungen dabei das Beweisfoto von der Vertragsunterschrift.

Gewohnt klamaukig spielen die Privatradios mit dem 1. April. Der Hessische Marktführer FFH verschickte die Pressemitteilung: „Bundeskanzlerin Merkel ist schwanger“. Weiter heißt es: “ Ein Kanzlerinnen-Baby! Nach Informationen von HIT RADIO FFH erwartet Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Kind. Sie sei in der 15. Schwangerschafts-Woche, heißt es gegenüber dem hessischen Privatsender aus Regierungskreisen. Bürger würden am Bundeskanzleramt Schnuller ablegen“.

Eine lange Scherz-Tradition pflegt das Google-Watchblog, das heute, zur Feier des Tages Yahoo-Watchblog heißt. Meldung des Tages bei den Suchmaschinen-Experten: „Microsoft wird heute bekannt geben, dass es seine Suche live.com einstellen wird.“ Stattdessen nutzen Steve Balmer und Bill Gates nun doch lieber den Google-Index.

Via Twitter verbreitet sich gerade dieser Scherz rasend schnell durch Netz: Die Seite Lila-plakette.de informiert über die neu Park-Plakette für Frauen: “ Das EU-Gleichstellungsgesetz zwingt alle Kommunen in Deutschland, bis zum Jahr 2011 die Hälfte aller Parkplätze für Frauen zu reservieren. Deshalb wird in allen bundesdeutschen Städten mit über 25.000 Einwohnern zum 1. August 2009 eine Lila Plakette für Autofahrerinnen eingeführt.“ Lustig, der kleine Zusatz: „Zudem darf die Gesellschaft „Lila-Plakette GmbH“ zu Beginn des Anmeldezeitraums (1. April) auch eine Anzahl von 100.000 Plaketten an männliche Bewerber verlosen.“ Wer hinter dem Scherz steckt, ist noch unklar.
Hinter der Lila Plakette verbirgt sich eine Koalition von 28 Radiosendern. Die Konzeption stammt von Radio ffn und den Frühstyxradio-Comedians rund um Sabine Bulthaup, Dieter Wischmeyer, Oliver Kalkofe, Oliver Welke und Co.
Viele Hören nahmen die Aktion ernst und wollten bei ihrer Stadtverwaltung eine entsprechende Plakette zu beantragen. Die Stadt Und die Stadt Lüneburg gab gar eine Pressemitteilung heraus: „Auch bei der Hansestadt Lüneburg klingelten am Mittwoch morgen schon Bürgerinnen und Bürger, um sich wahlweise über die neue Sonderregelung zu echauffieren oder eben eine solche Plakette zu beantragen. Schließlich soll es sie Medienberichten zufolge nur heute (1. April) kostenlos bei den Behörden geben. Doch trotz einer täuschend echt gemachten Internetseite zum Thema – diese Plakette ist frei erfunden.“

Einen typischen Beitrag aus der Kategorie könnte Wahr sein, liefert die Unister GmbH aus Leipzig. Aber wenn nicht, wird es irgendwann peinlich. Mit Sperrfrist für den 1. April verkündete man stolz den Verkauf der Domain Preisvergleich.de. Für 15 Millionen Dollar soll ein Investor aus Dubai zugeschlagen haben. Erste Journalisten-Frage: Warmer Petro-Dollar-Regen oder Aprilscherz? Die Story klingt unwahrscheinlich, könnte aber doch stimmen. So weit so lustig.

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