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Kirch: Niederlage im Milliarden-Prozess

Im mit Spannung erwarteten Prozess zwischen Leo Kirch und der Deutschen Bank musste der einstige Medientycoon eine Schlappe hinnehmen. Das Landgericht München I wies heute eine Schadensersatzklage von 17 ehemaligen Firmen des Kirch-Konzerns (KGL Pool) gegen die Deutsche Bank zurück, da zwischen den Kirch-Gesellschaften und dem Dax-Konzern keine Vertragsbeziehung bestanden habe. Dem 82-jährigen Kirch geht es um späte Gerechtigkeit – und um viel Geld.

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Es hätten die teuersten Worte der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden können. 29 sind es an der Zahl, geäußert vom damaligen Deutsche Bank-Vorstand Rolf E. Breuer am 4. Februar 2002. Gesagt hat Breuer dies auf dem Finanznachrichtensender Bloomberg: „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

Rund zwei Monate später gingen für den einst wertvollsten deutschen Medienkonzern dann die Lichter aus. Kirch machte darauf hin die Deutsche Bank und ihren damaligen Vorstandschef Rolf E. Breuer für die darauf folgende Insolvenz verantwortlich – und klagte.

Vor mehr als drei Jahren sprach der Bundesgerichtshof Kirch das Recht auf Schadenersatz zu (AZ: XI ZR 384/03). Im Mai 2007 folgte für die entstandenen Schäden der Kirch-Tochter PrintBeteiligungs GmbH eine Leistungsklage gegen die Deutsche Bank.

Kirch: Forderungen von 3,5 Milliarden Euro in zwei Klagen

Über die Höhe der Schadenersatzansprüche wurde nun heute in der ersten der zwei Klagen entschieden. Kirchs Forderungen beliefen sich auf insgesamt 3,5 Milliarden Euro, wobei es sich nur um eine erste Forderung handele, wie der Kirch-Anwalt Franz Enderle betonte.

Im heutigen Zivilprozess des KGL Pools ging es um mehr als zwei Milliarden Euro. Richterin Brigitte Pecher erklärte allerdings, zwischen den 17 klagenden Kirch-Gesellschaften und der Deutschen Bank habe keine Vertragsbeziehung bestanden – und wies die Klage ab. Kirch-Anwalt Enderle erklärte umgehend, man werde „höchstwahrscheinlich“ in Berufung gehen. Die zweite Klage wird im Mai weiterverhandelt.

Der 2006 aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank ausgeschiedene Rolf E. Breuer versteht Kirchs Vorwürfe bis heute nicht.  „Ich hätte nie gedacht, dass eine zutreffende Bemerkung, die ja nur wiedergab, was längst in der Öffentlichkeit bekannt war, so einen juristischen Rachefeldzug auslöst“, wunderte sich der 71-jährige Deutsch-Banker bis zuletzt über Kirchs verbitterten Kampf. „Lästig ist das schon. Aber ich wache nachts nicht auf und denke: „‚Herr Kirch, Herr Kirch'“.

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