Renner wechselt von Springer zu Springer

Brisanter Kolumnisten-Transfer: Medienautor Kai-Hinrich Renner scheidet bei der Welt-Gruppe aus und wechselt zum „Hamburger Abendblatt“. Seine letzte Kolumne „Menschen und Medien“ erscheint in der heutigen „WamS“. Ab kommenden Sonnabend ist er mit „Medien-Macher“ im „Abendblatt“ vertreten. In Berlin hatte man den Vertrag schon vor längerer Zeit gekündigt, um Kosten zu sparen. Der neue „Abendblatt“-Chefredakteur Claus Strunz treibt mit der Verpflichtung seine Qualitäts-Offensive voran.

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Brisanter Kolumnisten-Transfer: Medienautor Kai-Hinrich Renner scheidet bei der Welt-Gruppe aus und wechselt zum „Hamburger Abendblatt“. Seine letzte Kolumne „Menschen und Medien“ erscheint in der heutigen „WamS“. Ab kommenden Sonnabend ist er mit „Medien-Macher“ im „Abendblatt“ vertreten. In Berlin hatte man den Vertrag schon vor längerer Zeit gekündigt, um Kosten zu sparen. Der neue „Abendblatt“-Chefredakteur Claus Strunz treibt mit der Verpflichtung seine Qualitäts-Offensive weiter voran.

Mit Wirkung zum 31. März kündigte „Welt“-Chefredakteur Thomas Schmid den hochdotierten Pauschal-Vertrag mit dem 47-Jährigen. Eine Entscheidung, die schon vor einiger Zeit getroffen wurde, die sich wegen der langen Vertragsfristen aber erst jetzt auswirkt. Renner fängt nur eine Woche später in gleicher Funktion beim „Abendblatt“ an. Dessen Chef Claus Strunz verfolgt das Ziel, die Metropolen-Zeitung als überregionales Medium zu profilieren. Dabei scheint die Verpflichtung des renommierten Medienjournalisten ein weiterer Baustein zu sein.

Bei der „Welt“ hingegen war nach zwei Jahren Schluss: Zum 1. April 2007 hatte Renner seine Tätigkeit für die „Welt“ & Co. in Berlin gestartet. Zuvor war er beim Branchendienst „Werben & Verkaufen“ sowie dem „Kontakter“ ein unermüdlicher Rechercheur und Enthüller gewesen. Über seinen Neustart bei Springer schrieb Medienjournalist Peter Turi damals: „Wer ist Kai-Hinrich Renner? Einer, der dahin geht, wo’s anderen zu weh tut, der auch am schönsten Medienbuffet zwischen Lachs-Schnittchen und Rinds-Carpacchio dem Herrn Vorstandsvorsitzenden noch eine exklusive News aus den Rippen leiert, zudem Kontakt zu Betriebsräten und der Medienbasis hält. Dass es Verlage gibt, die Kai gern auf der dunklen Seite des Mondes sähen, ist ein Satz, den offiziell niemand in Hamburg so sagen würde. Zusammen mit Ulrike Simon, die schon jetzt bei der ‚Welt’ eine Menge guter Geschichten schreibt, ist das ein starkes Duo. Auf die Ausweitung der ‚Welt’-Medienseite (derzeit nur eine schwache halbe Seite) warten wir geduldig.“

Das Experiment glückte nur zum Teil. Ulrike Simon, die vom eher linken „Tagesspiegel“ kam, wurde mit Springer nie warm und verließ den Verlag im Streit. Renner machte sein Ding, aber das war der „Welt“ nicht genug: Das Herumstochern in Medien-Interna, so offenbar die Überzeugung der verantwortlichen Chefredakteure, war für die Zielgruppe zu spitz. Die jüngere Generation der Medienjournalisten verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und widmet sich primär den großen Themen und weniger den Hakeleien im operativen Geschäft.
Zudem hat der glänzende Rechercheur Renner seine Qualitäten bei den zeitlichen (wöchentliche Kolumne) und unternehmenspezifischen (bei Springer musste er viele Rücksichten nehmen) Rahmenbedingungen nicht voll ausspielen können. Und in diesen Zeiten ist einer, der den großen Playern oft so gnadenlos Contra gab, vielleicht auch nicht mehr so attraktiv für ein Medium, das selbst den eisigen Wind der Krise spürt.

Und spätestens mit Ahnung der aufziehenden Anzeigenkrise war klar, dass es andere Prioritäten gab. Die Mediengeschichten bei „Welt“, „WamS“, „Welt kompakt“, Welt.de und „Berliner Morgenpost“ werden künftig von Redakteuren aus dem Kultur- und Wirtschaftsressort zugeliefert. Einen Nachfolger wird es auf absehbare Zeit nicht geben.

Was bedeutet die Personalie? Der Wechsel von Springer zu Springer zeigt, das Claus Strunz den Mut hat, Dinge anders zu bewerten als „Welt“-Chefredakteur Thomas Schmid, der bei Vorstandschef Mathias Döpfner höchstes Ansehen genießt. Und der „Abendblatt“-Chef manifestiert seinen Mut mit einem nahtlosen Anschlussvertrag. Ob der Wechsel im Detail abgesprochen war und harmonisch erfolgt, ist unklar. Vielleicht klärt Kai-Hinrich Renner dies ja in seiner Kolumne auf. Stay tuned, es lohnt sich.

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