US-Zeitungen verlieren auch online

Es ist keine echte Überraschung: Auch das Wachstumssegment Internet muss im Zuge der ausufernden Medienkrise Federn lassen. Im vierten Quartal des letzten Jahres brachen die Online-Werbeeinnahmen der US-Zeitungen um mehr als 8 Prozent ein. Deutlich stärker kamen die Print-Ausgaben unter die Räder. Um zu überleben, müssten sich die großen Printmarken im Internet zu Netzwerken zusammenschließen und verstärkt aggregieren, glauben Medienexperten. Ob das reicht?

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Die Versuche werden immer verzweifelter. Die einen Zeitungsverlage wie der „Seattle Post-Intelligencer“ geben ihr Printgeschäft auf, um ihre Inhalte ausschließlich ins Internet zu verlagern. Andere, wie der „Printed Blog“ gehen den umgekehrten Weg und recyceln den Inhalt ausschließlich aus Blogs, um die dann als Gratis-Zeitung anzubieten. Allgegenwärtig ist zudem die Diskussion „Paid Content“, die derzeit von fast allen Verlagen geführt wird.

Die Aufregung  kommt nicht von ungefähr: Die Finanzmarktkrise, die längst zur Medienkrise ausgewachsen ist, hatte den Abwärtstrend der ohnehin schon kriselnden Zeitungsbranche noch einmal massiv beschleunigt. Dieses Ergebnis ist nun auch in nackten Zahlen nachzulesen.

Schwindsüchtige Printbranche: 21 Prozent Minus der Werbeeinnahmen 

Wie der „FAZ“-Netzökonom Holger Schmidt unter Berufung auf die „Newspaper Association of America“ vorrechnet, sind die Werbeeinahmen auf dem US-Zeitungsmarkt mit der Verschärfung der Finanzmarktkrise im vierten Quartal letzten Jahres  erheblich zurückgegangen.

Im notorisch schwindsüchtigen Printsegment brachen die Werbeerlöse zwischen Oktober und November  um happige 21Prozent ein, was die jüngst veröffentlichten Quartalszahlen der New York Times, Washington Post, oder McClatchy-Gruppe bestätigen. 

Auch Internet-Einnahmen schrumpfen

Besorgniserregend allerdings: Auch das Wachstumssegment Online, dessen Anzeigenerlöse in den ersten drei Monaten 2008 noch zulegen konnten, gab im vierten Quartal um deutliche acht Prozent nach.

Der Mythos, dass das Zukunftsmedium Internet die Verluste des schwindsüchtigen Printsegments auffangen könne, wird damit im Licht der gegenwärtigen Finanzkrise entzaubert. Netzökonom Schmidt folgert: „Print verliert sehr schnell, aber das Internet kann bisher nicht in gleichem Ausmaß davon profitieren.“

Steven Johnson, CEO des New Yorker Startups Outside.in, glaubt unterdessen, dass sich die Zeitungsverlage im Internet-Zeitalter entsprechend gehörig umorientieren müssen, um langfristig Erfolg zu haben. Das News-Aggregieren und der Verbund in Netzwerken wären das Business-Modell der Zukunft, mutmaßt Johnson.

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