Tomorrow Focus: Krise frisst Gewinne

Keine Entwarnung aus München: Die Tomorrow Focus AG hat bei Vorlage ihrer Bilanz eine "unbefriedigende Umsatz- und Ergebnisentwicklung" verbucht. In nackten Zahlen entspricht dies einem Einbruch des Konzernergebnisses um 73 Prozent, während der Umsatz leicht zulegte. Vor allem das Portalgeschäft bleibt ein Sorgenkind: Nicht mit redaktionellen Inhalten, sondern mit E-Commerce-Angeboten wie HolidayCheck und ElitePartner verdient die ToFo ihr Geld.

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Es gibt eine gute und eine ziemlich schlechte Nachricht aus München. Die gute: Die Tomorrow Focus AG beendet das Geschäftsjahr in den schwarzen Zahlen. Die schlechte: Je nach Lesart sind die Gewinneinbrüche sehr erheblich.

So brach das operative Konzernergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) krachend von 11,7 auf  5,7 Millionen Euro ein – ein Minus von mehr als 50 Prozent, obwohl die Umsätze auf 77,1 Millionen Euro sogar leicht anstiegen (plus 3 Prozent). Das eigentliche Konzernergebnis des Geschäftsjahres 2008 sackte gar auf 2,3 Millionen Euro zusammen, nachdem im Vorjahr noch 6,3 Millionen Euro verdient worden waren, 2,4 Millionen Euro davon allerdings auch durch Sondereffekte wie dem Verkauf der Anteile an der Bellevue & More GmbH. Die Umsätze von 77,1 Millionen Euro stiegen sogar leicht an (plus 3 Prozent).

„Rezessionsbedingt eine unbefriedigende Umsatz- und Ergebnisentwicklung“

Die 2008er-Konzernbilanz der Tomorrow Focus ist keine bahnbrechende Überraschung und doch ein eher unerfreulicher Anblick: Die vorläufigen Unternehmenszahlen des Münchner Internet-Unternehmens für das abgelaufene Geschäftsjahr offenbaren nämlich einmal mehr, wie schwer es doch ist, mit originären Inhalten im WWW Geld zu verdienen.

„Rezessionsbedingt“ sei im Portalsegment – also bei den redaktionellen Online-Aktivitäten von „Focus „, „TV Spielfilm“, „Amica“ & Co – „vor allem im vierten Quartal 2008 eine unbefriedigende Umsatz- und Ergebnisentwicklung zu verzeichnen“ gewesen, teilte das im Prime Standard gelistete Internet-Unternehmen heute Mittag per Ad-hoc-Meldung mit.

Traurige Erkenntnis: Mit redaktionellen Inhalten wird weiter Geld verloren

Während die genaue Aufschlüsselung nach Unternehmenssegmenten noch bis zum 30. März auf sich warten lässt, macht das ungewöhnlich deutliche Statement zwischen den Zeilen klar, wie sich die Lage darstellt: Mit redaktionellen Inhalten wird beim einst als Content-Provider gestarteten Gemeinschaftsunternehmen der Hamburger Tomorrow Internet und Münchner Focus Digital AG sieben Jahre nach der Fusion weiter Geld verloren.      

Bereits im November musste die Burda-Tochter bei Vorlage der 9-Monatszahlen im Portal-Bereich ein happiges Minus von fast 2 Millionen Euro ausweisen.  Der Zusatz „rezessionsbedingt“ lässt für das vierte Quartal massive Einbrüche im Portalgeschäft vermuten.

„Personalanpassungen bei der Tomorrow Focus Portal GmbH“:  Erneute Kündigungsrunde angekündigt

Fast reflexartig greift das an der Börse nur noch mit rund 100 Millionen – zu Hochzeiten brachte es allein die Tomorrow Internet AG einst auf mehr als 1 Milliarde Euro – bewertete Online-Unternehmen zu entsprechenden Gegenmaßnahmen.

Zum wiederholten Male seit der Fusion wird entlassen. In der Pressemitteilung formuliert es der Internet-Dienstleister wie folgt: „Gleichzeitig werden derzeit Lösungen erarbeitet, um in unrentablen Bereichen Prozess- und Kostenoptimierungsmaßnahmen umzusetzen. Dies beinhaltet auch Personalanpassungen bei der TOMORROW FOCUS Portal GmbH.“

Wie hoch die „Personalanpassungen“ in der Praxis ausfallen werden, konkretisierte das Dot.com-Unternehmen gegenüber der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX: „Es wird im ganzen Haus geschaut, wo man Kosten sparen kann“, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Nach dpa-Informationen werden voraussichtlich im Portalgeschäft 10 bis 20 von 170 Stellen wegfallen.

HolidayCheck rettet wieder einmal die Bilanz

Dass die Tomorrow Focus AG 2008 nicht wieder in die roten Zahlen zurückgefallen ist, hat das Unternehmen maßgeblich ihrer E-Commerce-Sparte zu verdanken – namentlich den Filetstücken HolidayCheck und ElitePartner. Die Erwartungen an das E-Commerce-Segment wären trotz der schwierigen Wirtschaftslage „voll erfüllt“ worden, hieß es.

Dieser Trend setzte sich weiter fort: „Das Geschäftsjahr 2009 hat für das Segment E-Commerce in Summe erfreulich begonnen. ElitePartner und HolidayCheck wachsen im Jahresvergleich weiterhin deutlich“, erklärte die Tomorrow Focus AG. Entsprechend soll auch im laufenden Jahr „umsichtig“ in die Internationalisierung des Hoffnungsträgers HolidayCheck investiert werden – während in der Online-Redaktion der Burda-Tochter die Sparmaßnahmen greifen.

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