Test: Die besten Handycams für Redakteure

Der amerikanische Journalist und Blogger Jeff Jarvis erzählte „Bild“-Chef Kai Diekmann vor einiger Zeit vom neuen Trend in den USA: Handycams. Einige Monate später stand der "nächste Schritt in der Medienevolution" vor der Tür und die Bild.de-Cam in den Lidl-Regalen. Seitdem rüsten immer mehr Verlage auch ihre Redakteure mit den ultrakompakten Camcordern aus. Die neuesten Modelle nehmen sogar im HD-Standard auf. MEEDIA hat einige Modelle für sie getestet.

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Die Bild.de-Cam hat seit ihrer Veröffentlichung etliche Nachfolger bekommen. Zugegeben: Der Kampfpreis von 70 Euro für einen Taschen-Camcorder ist unschlagbar. Doch die Technik der Blog-Cam des Hardware-Herstellers Creative ließ zu wünschen übrig. Mit einer Auflösung von 640×480 Pixeln langt die Qualität der Aufnahmen allemal für YouTube und Co. Die Bild.de-Cam selbst ist in alle Lidl-Filialen ausverkauft. Wer dennoch eine möchte, kann beispielsweise bei Amazon die „Creative Vado“ bestellen. Sie ist baugleich mit der Bild.de-Kamera, lediglich das Markenbranding unter der Linse fehlt.

Verbesserte Bild.de-Cam: Creative Vado HD

Eben diese Kleinstkamera hat jetzt einen hochauflösenden Nachfolger bekommen. Netzwelt stellte einige Modelle vor. Wir konnten Sie testen. In die Vado HD ist schon ein acht Gigabyte großer Flashspeicher, wie bei USB-Sticks verwendet, eingebaut. Ein Pluspunkt: Der Akku des Gerätes ist austauschbar und soll laut Creative bis zu zwei Stunden Aufnahmen und Wiedergabe ermöglichen. Dieser Wert hängt aber davon ab, wie lichtstark ihr Motiv ist und wie viel sich vor der Kameralinse bewegt. Bei geringerer Auflösung von 640 x 480 Pixeln soll die Laufzeit sogar acht Stunden betragen, so der Netzweltbericht. Weil der Camcorder aber auch mit 1280X720 Pixeln, dem so genannten 720p-Standard, aufzeichnen kann, legt Creative ein HDMI-Kabel bei. Die Daten werden per USB übertragen. Preis: Rund 230 Euro.

Die Urmutter der Kompakt-Cams: Die Flip

Die amerikanische Firma Pure Digital erfand die Sparte der Ultrakompaktcamcorder neu. Die Flip war die erste so genannte Pocketkamera. Den Namen verdankt sie dem aufspringenden USB-Anschluss, der sich im Gehäuse der Kamera versteckt. Auch die Flip Mino hat jetzt einen Nachfolger bekommen, die Flip Mino HD. Sie verfügt über vier Gigabyte und kann laut Herstellerangaben bis zu 60 Minuten aufnehmen. In der Praxis beschränkten sich Akkuleistung und maximale Aufnahmedauer auf knapp unter einer Stunde. Der Bildschirm ist allerdings etwas zu klein geraten. Die Schärfe lässt sich damit nur schwer messen. Das ist aber auch nicht Sinn dieses Geräts, denn wichtige Funktionen wie Blende und Fokus regelt die Flip automatisch.

Nach etlichen Tests bei Dunkelheit und Interviewsequenzen fällt das Fazit mehr als gut aus. Die Bildqualität der Flip ist schlichtweg überragend im Vergleich zur Größe des Geräts. Lediglich beim Ton muss der Anwender Abstriche machen. Durch die Kugelcharakteristik des integrierten Mikrophons nimmt die Kamera mehr auf als unbedingt notwendig. Also auch störende Hintergrundgeräusche. Der Interviewpartner sollte deswegen nicht weiter als 1,5 Meter von der Kamera entfernt stehen. Die Flip gibt es mittlerweile bei Amazon für rund 119 Euro. Die hochauflösende Flip Mino HD muss allerdings noch aus den USA importiert werden. Kostenpunkt: Rund 230 Euro inklusive Zollgebühren.

Es geht auch günstig: Technaxx HD Pocket DV

Auch Deutschland versucht eine Firma, im hartumkämpften Kleinstkameramarkt mitzumischen. Die Frankfurter Firma Technaxx sagt den Konkurrenten mit rund 85 Euro für ihren Technaxx HD Pocket DV den Kampf an. Der nur 64 Megabyte große interne Speicher kann (und sollte) durch SD- oder SDHC-Speicherkarten erweitert werden. Die Speicherkapazität für SDHC-Karten liegt derzeit bei 32 Gigabyte.

Für alle, die auch noch gute Fotos schießen wollen

Neue Kompaktmodelle bei den Fotokameras werden auch zunehmend zur Wollmilchsau mit HD-Videofunktion. Wer gute Fotos schießen und die Familienfeier hochauflösend filmen will, dabei aber trotzdem auf Mobilität legt, sollte sich die DSC-T500 von Sony genauer anschauen. Bilder nimmt die Kamera mit 10,1 Megapixel auf, Videos mit 1.280 x 720 Pixeln und 30 Bildern pro Sekunde. So viele Funktionen haben dann auch ihren Preis. 380 Euro lautet die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers.

Rund 260 Euro kostet die Casio Exilim EX-FC100. Für diesen Preis kann der passionierte Hobbyfilmer Aufnahmen im Zeitlupenmodus drehen. Videos werden, wie bei allen vorgestellten Kameras, mit 30 Einzelbildern pro Sekunde in HD-Auflösung aufgenommen. Bei richtigen Zeitlupenaufnahmen speichert der Alleskönner bis zu 1000 Bilder pro Sekunde. Darunter leidet allerdings die Auflösung. Konrad Lischka von Spiegel Online testete die Kamera. Sein Fazit: Formvollendete Naturaufnahmen in Zeitlupe sind damit nicht möglich. Gelegenheitsnutzer, die in erster Linie die Automatik-Funktion ihrer Kamera nutzen, treffen mit der Casio allerdings eine gute Wahl.

Fazit: Viele Vorteile, geringe Nachteile und ein Tipp

In der Sparte der Ultra-Kompakten hat sich in den letzten Monaten viel getan. Die Qualität kann in den meisten Fällen überzeugen. Die geringe Größe und das geringe Gewicht birgt jedoch andere Gefahren: Je kleiner die Kamera, desto unkontrollierbarer wird das Endergebnis. Die Aufnahmen der Kleinstkameras wirken oft zittrig und verwackelt. Was fehlt, ist ein gut funktionierender Bildstabilisator.

Solange der noch fehlt, führt ein simpler Trick zu guten Ergebnissen: Halten Sie die Kamera nicht allzu verkrampt in der Hand und stabilisieren Sie Ihren Arm, indem Sie ihn an den Brustkorb lehnen. Um auch noch in der Horizontalachse das Wackeln zu verringern, können Sie (als Rechtshänder) mit der linken Hand Ihren rechten Arm am Ellbogen stabilisieren, indem Sie ihn Richtung Körper ziehen. So sollten dem eigenen kleinen Film in High-Definition nichts mehr im Wege stehen.

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