Schwarzer Freitag für die Medienbranche

Schlechte Nachrichten en masse zum Wochenende. Online-Primus Google will 200 Jobs bei Marketing und Verkauf streichen. Bertelsmanns Druck-Tochter Prinovis meldet Kurzarbeit an, Heidelberger Druckmaschinen wollen wegen der Printkrise jede vierte Stelle streichen, bei der „New York Times“ gibt es Gehaltskürzungen und Kündigungen, die „Washington Post“ plant Aufhebungsverträge und sogar Shooting-Star Facebook sucht händeringend Frischgeld.

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Dass sich Facebook und Google in den Reigen der schlechten Freitags-Nachrichten einreihen, überrascht am meisten. Bisher galten beide Firmen als Profiteure der allgemeinen Entwicklung hin zum Online-Geschäft und Web2.0. Dabei ist die aktuelle Ankündigung bei Google bereits die dritte Entlassungswelle in diesem Jahr. Im Januar wurden 100 Jobs in der Personalabteilung gekürzt, im Februar wurde das Experiment mit Radiowerbung beendet, was 40 weitere Stellen kostete. Bei den rund 20.000 Google-Mitarbeitern insgesamt sind das noch kleine Dimensionen, in der Vergangenheit machte Google aber stets Schlagzeilen durch seine massiven Einstellungen und nicht durch Stellenabbau.

Noch beängstigender ist der plötzliche Bedarf von Facebook an Frischgeld. Laut „Business Week“ braucht das weltweite Soziale Netzwerk Nummer 1 dringend 100 Millionen Dollar, um neue Server zu finanzieren. Facebook ist in der Zwickmühle: Das Netzwerk wächst mit ungebremster Geschwindigkeit, die Mitglieder stellen eine gigantische Zahl an Fotos und Videos online. Das treibt die Server-Kosten nach oben. Gleichzeitig verlangsamt sich das Wachstum der noch schwachbrüstigen Anzeigen-Erlöse bei Facebook wegen der allgemeinen Werbe-Zurückhaltung. Will heißen: Bei Facebook wachsen die Kosten weit schneller als die Umsätze. Wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg das Problem lösen will, ist noch unklar. Entweder er findet jemanden, der ihm das Geld gibt (schwierig, in der aktuellen Lage) oder er nimmt in Kauf, dass die Facebook-Performance schwächelt und sich das Wachstum verlangsamt (gefährlich).

Mit ganz anderen Problemen kämpft im badischen Städtchen Wiesloch der Druckmaschinen-Hersteller Heidelberger Druckmaschinen. Wegen der weltweiten Krise der Printmedien wird weniger gedruckt und Verlage schieben den Kauf neuer Druckmaschinen auf, weil ihnen die Erlöse wegbrechen. Der Druckmaschinen-Hersteller verschärft darum sein Spar-Programm drastisch und will doppelt soviele Stellen abbauen, wie geplant: nämlich 5.000 von weltweit 20.000. Das schließt auch Kündigungen ein, weshalb das Management den aktuellen Tarifvertrag aufgekündigt hat, der eine Job-Garantie bis 2012 einschloss. Die Gewerkschaft IG Metall geht bereits auf Konfrontationskurs und fordert Kurzarbeit statt Kündigungen. Laut Heideldruck-Management gibt es aber keine Aussichten, dass sich die Auftragslage auf absehbare Zeit bessert. Düstere Aussichten.

Kurzarbeit gibt es bei der Druckerei-Tochter von Bertelsmann, Prinovis. Für 1300 von 3.700 Mitarbeitern hat der Konzern Kurzarbeit angemeldet. An Prinovis ist neben den Bertelsmann-Firmen Gruner + Jahr und Arvato auch die Axel Springer AG beteiligt. Prinovis, von Bertelsmann einst als Hoffnungs- und Umsatzträger geformt, hat die Erwartungen der Manager noch zu keinem Zeitpunkt erfüllt. Der Druck-Riese hat es noch kein einziges Mal geschafft, die geforderten 8 Prozent Umsatzrendite zu erwirtschaften.

Und auch am Ende der Print-Nahrungskette, bei den Zeitungen, gibt es neue bad News. Die „New York Times“ muss 100 Mitarbeiter entlassen, alle anderen müssen auf fünf Prozent ihres Gehalts verzichten. Die „New York Times“ spart auch an Produktionskosten. So wurde u.a. das ausführliche Inhaltsverzeichnis zu Beginn des ersten Buches gestrichen und Ressorts wurden zusammengelegt. Dadurch spart die Zeitung an Umfängen und damit an Druckkosten.

Bei der Verlust schreibenden „Washington Post“ will man der Misere aktuell mit Aufhebungsverträgen und Abfindungen begegnen. Das Management schließt aber auch hier Entlassungen für die Zukunft ausdrücklich nicht aus. Es ist überall das selbe Phänomen: „Die Online-Umsätze steigen, aber sie steigen nicht schnell genug, um die Rückgänge der Print-Umsätze auszugleichen“, schrieb Katharine Weymouth, Verlegerin der „Post“ den Mitarbeitern. Die Medienkrise hat weltweit die gleichen Ursachen. Nur die Wirkungen sind in den USA ungleich dramatischer als in Europa. Noch.

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