Web-Strategie von Holtzbrinck kein Fehler

Publishing StudiVZ ist das Symbol des Versagens: Zuletzt war Holtzbrinck ein gespaltener Verlag. Für die Print-Leute stand die Regentschaft von Stefan von Holtzbrinck immer unter dem Motto: Das Geld wird mit Zeitungen verdient und im Web verpulvert. Der bekennende Internet-Enthusiast hat weit über hundert Millionen Euro in Netz-Projekte, Zukäufe und Neugründungen gesteckt. Nicht alle Unternehmung sind gescheitert, denn unter dem Strich schreiben die Web-Firmen zusammengenommen schwarze Zahlen.

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Im Interview mit dem Handelsblatt antwortet Stefan von Holtzbrinck auf die Frage, ob er sich mit Internet-Investitionen verhoben haben: „Nein, wir sind im letzten Jahr trotz vielfältiger Herausforderungen mit unseren Internetmedien um 42 Prozent auf 250 Millionen Euro gewachsen. Unsere wesentlichen strategischen Beteiligungen, zu denen StudiVZ, Parship, myPhotobook und andere gehören, schreiben zusammengenommen schwarze Zahlen.“

Heißt: Ein paar Investments wie die Partnervermittlungs-Plattform Parship.de, der Buchversender Bol.de, das Handwerkerportal MyHammer.de oder der Mietanbieter Erento.com verdienen im Web so viel, dass sie die Verluste von StudiVZ & Co. auffangen können.

Vor allem das Studentenverzeichnis ist für viele Beobachter das Symbol es Scheiterns von Stefans von Holtzbrinck Strategie. Für 85 Millionen Euro kaufte der das Start-up. Der Preis war vor allem eine Wette auf die Zukunft, dass Social Networks bald wichtiger sind als die meisten traditionellen Medienangebote. Schnell wuchs die Community und die SchuelerVZ- und MeinVZ-Erweiterungen erwiesen sich als Erfolgsgeschichten. Doch seit Monaten sind die Klickzahlen rückläufig, während die Rivalen Facebook und RTLs Wer-kennt-wen boomen.

Neben einer hohen Fluktuation an Geschäftsführern, leidet die VZ-Gruppe vor allem an seinem schlechten Image und der schleppenden Vermarktung des Angebotes. Dem hauseigenen Vermarkter GWP und jetzt auch dem Neugegründeten IQ Media, gelang es bislang nie, genügend Werbung für die Plattform zu verkaufen.
Weitere Web-Investments von Stefan von Holtzbrinck, denen gute Zukunftsaussichten eingeräumt werden, sind die Kunstgewerbe-Plattform Dawanda.de, das Best Ager-Portal Platinnetz.de, die Frage- und Antwort-Site Gutefrage.net oder der Shopping-Club Brands4Friends.de. Selbst wenn diese Dienste noch keinen Gewinn erwirtschaften sollten, bewies der Schwabe bei ihnen ein gutes Gespür.

Der 45-Jährige gehört zu den Web-Enthusiasten der ersten Stunde. Nachdem er als Assistent der Geschäftsführung bei der Kirch Media-Gruppe erste Business-Erfahrungen sammelte, übernahm er bereits 1992 in der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, den von ihm selbst gegründeten Bereich Neue Medien. Auch bei seinem nächsten Karriereschritt blieb er im E-Business. Denn ab 1997 kletterte Stefan beim Holtzbrinck-eigenen Verlagshaus Macmillan Limited in London auf den Posten des Director Electronic Publishing der Nature Publishing Group.

Noch Ende 2008 hielt Stefan von Holtzbrinck an seien ehrgeizigen Web-Plänen fest. Bis 2011 sollte etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes der Mediengruppe im Internet erzielen werden. Dabei zeigt er nach außen hin immer eine demütige Zurückhaltung: „Die moderierende, leise Art meines Bruders ist ein Credo, dem ich gerne nachleben möchte.“

Als Start-ups-Flops erwiesen sich die wieder eingestellten Netz-Projekte Zoomer.de und Watchberlin.de. Das sich unter den über 50 Web-Investments, an denen die Verlagsgruppe über diverse Töchter noch beteiligt ist, so manch eine Niete versteckt ist, kann man dem 45-Jährigen kaum vorwerfen. Unter Risikokapitalgebern gilt die Formel, dass sich eins von fünf Investments richtig lohnen muss. Ob Stefan von Holtzbrinck auf diesen Schnitt kommt, lässt sich aktuell noch nicht seriös abschätzen.

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