„Auto Test“: Springers unbekannter Erfolg

Eine wenig bekannte Größe: „Auto Test“ ist Deutschlands Nummer drei bei den Autozeitschriften und Marktführer unter den monatlichen PS-Titeln. Am heutigen Mittwoch erscheint die 150. Ausgabe. Pünktlich zum Jubiläum wurde das Magazin optisch und inhaltlich überarbeitet. Im MEEDIA-Interview verrät Chefredakteur Olaf Schilling, wie er der Stiftung Wahrentest wieder die Namensrechte für das Wort „Test“ abluchsen konnte und was die Abwrackpärmie für sein Magazine bedeutet.

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150 Ausgaben „Auto Test“. Woraus sind sie besonders stolz?
Seit dem ersten Erscheinen im September 1996 haben wir den Titel kontinuierlich weiterentwickelt und uns einen festen Platz im Markt erarbeitet. Wir sind Marktführer unter den monatlichen Autotiteln und seit Herbst 2007 die Nummer drei im Gesamtmarkt der Autozeitschriften. „Auto Test“ orientiert sich sehr am Servicegedanken und ist damit eine ideale Ergänzung des Portfolios der „Auto Bild“-Familie. Als Deutschlands Kaufberater Nummer eins sind wir der beste Weg zum neuen Auto.

Warum ist ihre erfolgreiche Position im Markt weitgehend unbekannt?

Die Media-Planer wissen um unsere Stellung im Markt. Für die Konsumenten hingegen haben zugegebenermaßen die mehrfachen Namensänderungen in den letzten Jahren nicht unbedingt zur Markenbildung beigetragen. Die Namensänderung in „Auto Test“ und die Anpassung des Logos sind nun der  Abschluss. Wir sind sicher, dass der Titel im Bewusstsein der Leser einen festen Platz hat und diesen jetzt noch besser ausbauen wird.
Pünktlich zum Jubiläum heißt Ihr Magazin wieder „Auto Test“? Ist der Rechtsstreit mit der Stiftung Wahrentest endgültig beigelegt?
Ja, das Kammergericht Berlin hat in der Berufung die Klage von Stiftung Warentest in allen Punkten abgewiesen. Zur Urteilsbegründung erklärte das Gericht, dass der Begriff „Test“ Inhalte beschreibt und somit keine Verwechslungsgefahr zwischen den Titeln „test“ und „Auto Test“ besteht. Die Revision zum Bundesgerichtshof wurde vom Kammergericht nicht zugelassen.

Zweites Geburtstagesgeschenk: Sie haben dem Heft einen Relaunch verpasst. Was ist neu an „Auto Test“?

Zum einen haben wir das Logo und das Layout überarbeitet. Ziel war, noch mehr Infos und Tipps unterzubringen, ohne dass die Leserführung leidet. Zum anderen wurde das Testschema optimiert und durch eine Umweltnote des unabhängigen Instituts Öko-Trend sowie eine Kundenzufriedenheitsnote ergänzt. Alle Neuerungen sollen dem Leser den Autokauf erleichtern und noch mehr Transparenz bieten. Das gilt auch für die neue Bestenliste und den permanenten Neuheiten-Kalender. Außerdem haben wir erstmals eine DVD als zusätzlichen Leserservice.
Wo liegen die Stärken und Alleinstellungsmerkmale von „Auto Test“?
„Auto Test“ ist der einzige wirkliche Kaufberater unter den Autozeitschriften. In jeder Ausgabe gibt es bis zu drei große Kaufberatungen. Hier testen wir alle Karosserieversionen, Motoren und Ausstattungen einer kompletten Modellreihe. Dabei sind wir so detailliert wie kein anderer Titel und berichten zum Beispiel auch über Polsterfarben oder ähnliches. Darüber hinaus testen, vergleichen und fahren wir in jeder Ausgabe mindestens 40 Autos. Dank des bewährten Ampel- und Notensystems erkennt der Leser auf einen Blick, wo die Stärken und Schwächen des jeweiligen Modells liegen.
Welche Auswirkungen hat die aktuelle Krise auf Ihr Magazin? Die Hersteller müssen dringend Autos verkaufen. Sie müssten also eigentlich Ihr Heft mit Anzeigen überschwemmen.
In der Tat haben wir eine sehr erfolgreiche Vermarktungsstrategie. Unser Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf sehr individueller Beratung. Einfühlungsvermögen in die Vorstellungen und Wünsche der Kunden wird in der Kommunikation mit den Konsumenten immer wichtiger. „Auto Test“ erfüllt die Funktionen eines taktischen Mediums, denn der Titel ist ein Berater-Medium, das preissensible und dialogfähige Leser bedient.
Welche Auswirkungen hat die Abwrackprämie auf „Auto Test“?
Das Thema verlangt nach Kaufberatung und Hilfe für den Autokauf, also exakt unser Revier. In der aktuellen Ausgabe haben wir beispielsweise alle 241 Modelle bis 15.000 Euro durchleuchtet. Neben konkreten Tipps für den Kauf erfährt der Leser auch sämtliche Rabatte, Lieferzeiten und Überführungskosten.
Hätten Sie vor Monaten gedacht, dass das Wort „Abwrackprämie“ solch eine Bedeutung für eine ganze Branche bekommen könnte?
Das haben wahrscheinlich nur die wenigsten gedacht oder gar geträumt. Allerdings braucht der Markt weitere Impulse und auch mehr Planungssicherheit. Die neue Kfz-Steuer ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur der erste.

Wie wird sich die Krise langfristig auf das Marktsegment der Autozeitungen auswirken?
Autos bleiben weiterhin der Deutschen liebstes Kind und damit einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Titel wie „Auto Test“ profitieren jetzt natürlich von ihrer Beratungskompetenz, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sehr wichtig ist. Generell registrieren wir eine Trendverschiebung in Richtung Ökologie und alternative Antriebe, Kraftstoff sparende Autos und gestiegene Preissensibilität.

Wir rüstet sich „Auto Test“ für die kommenden Herausforderungen?
Wir beobachten weiter den Markt und analysieren aktuelle Trends. Wichtig ist, dass wir konsequent auf Leserbedürfnisse reagieren. Um dem wachsenden Interesse an der Umweltthematik gerecht zu werden, haben wir jetzt zum Beispiel mit dem unabhängigen Umweltinstitut Öko-Trend einen weiteren Kompetenzpartner. Außerdem wird künftig die Leser- und Kundenmeinung fester Heftbestandteil. Beim ZF-Praxistest entscheidet der Leser, welches das beste Auto ist. Und durch die Kooperation mit motortalk.de, Europas größter Auto- und Motor-Community, fließt quasi Volkes Meinung in unsere Berichterstattung ein.
 
„Auto Test“ scheint im Internet nicht stattzufinden. Wird sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern?
Autobild.de ist die größte redaktionelle deutsche Automotive-Site. Dort ist „Auto Test“ als monatlicher Kaufberater natürlich integriert. Von unseren großen Kaufberatungen gibt es mittlerweile immer eine spezielle Online-Version. Außerdem arbeiten wir daran, den Kaufberatungsservice kontinuierlich auszubauen.

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