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ARD und ZDF räumen beim Grimme-Preis ab

Die Privaten waren beim bei den diesjährigen Wettbewerb um den Grimme-Preis ohne Chance: Schon in der Endauswahl konnten sich nur sieben Beiträge unter den 65 Nominierungen platzieren. Am Ende holte nur RTL mit der Comedy "Doctor's Diary" den Preis in der Kategorie Unterhaltung. Alle anderen Ehrungen gingen an öffentlich-rechtliche Sender. Bei den Darstellern wurden Katja Riemann und Hannah Herzsprung sowie Matthias Brandt und Maria Popistasu ausgezeichnet. Die Preise werden am 3. April in Marl übergeben.

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Katja Riemann und Hannah Herzsprung setzten sich bei dem zum 45. Mal durchgeführten Wettbewerb mit ihren Rollen in dem Fernsehfilm „Das wahre Leben“ durch. Die ARD-Produktion holte drei Grimme-Preise für die beste Regie, das beste Drehbuch und die besten Darsteller. Brandt und Popistasu überzeugten die Jury als ungleiches Paar in der ARTE-Produktion „Die zweite Frau“. Weitere Preise gingen an die Gemeinschaftsproduktion „Teufelsbraten“ von NDR, WDR und ARTE sowie an den ARD-Amokspielfilm „Ihr könnt euch niemals sicher sein“. Eine Auszeichnung heimste das ZDF mit „Wholetrain“ über die Graffiti-Szene in der Kategorie Fiktion ein, der Spezialpreis für Unterhaltung ging an das NDR-Satiremagazin „Extra 3“.
Grimme-Award für Schul-Drama
Der Grimme-Preis in der Rubrik Fiktion ging an das Schul-Drama „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“. Die Entscheidung für die ARD-Produktion war schon vor dem Winnender Amoklauf gefallen. Trotzdem begründet die Jury ihr Urteil folgendermaßen: „Für Lehrer, Kollegien und Schulleitungen“, so die Jury, „ist die Frage nach der Berechenbarkeit ihrer Schüler zur Überlebensfrage geworden und Risikoabschätzung zur Grundlage des Fachunterrichts. Doch nicht etwa der Schüler läuft hier Amok, sondern seine Umgebung, die ihn mit kopfloser Angst vorsorglich kriminalisiert.“

Bei der Kategorie Information & Kultur standen die Themen Globalisierung und Krieg im Vordergrund. Hier gewannen „Losers and Winners“, ein Film über den Abbau einer Dortmunder Kohlefabrik und die Verschiffung nach China, sowie „Leben und Sterben für Kabul“ über den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan.

Favoriten gingen leer aus

Der Direktor des Grimme-Instituts Uwe Kammann bescheinigte den Arbeiten eine beachtliche Qualität: „Auch der aktuelle Jahrgang bestätigt: Viele Fernsehfilme haben in Deutschland ein sehr hohes Niveau“. Einschränkend fügt er hinzu: „Leider gilt weiter: In der Unterhaltung gibt es nicht viel Neues oder Innovatives.“Insgesamt waren aus 695 eingereichten Vorschlägen in den drei Wettbewerbskontingenten des Adolf-Grimme-Preises durch die drei Vorauswahl-Kommissionen in mehrwöchigen Sitzungen insgesamt 65 nominierte Beiträge ausgewählt worden, die in der Endrunde um die zwölf Preise konkurrierten.

Leer ausgegangen sind erfolgreiche RTL-Formate wie „Raus aus den Schulden“ oder „Rach, der Restauranttester“ sowie die ambitionierte Fernsehproduktion „Mogadischu“ oder auch „Menschen bei Maischberger: Helmut Schmidt“ sowie der dreimal nominierte Tatort.

Kleber und Slomka erhalten Ehrenpreis

Zwei Preisträger standen bereits vorher fest: Die „heute journal“-Moderatoren Marietta Slomka und Claus Kleber erhalten in diesem Jahr die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) als Stifter des Grimme-Preises „für die Vermittlung des komplexen Nachrichtengeschehens auf hohem professionellen Niveau und mit persönlicher Handschrift“. Im immer bunteren Geschäft der deutschen Fernsehnachrichten stehen Marietta Slomka und Claus Kleber für die Kunst, das aktuelle Tagesgeschehen prägnant zu präsentieren, die Geschehnisse gekonnt und verständlich einzuordnen, die ausgewählten Informationen plausibel darzustellen und ihnen erkennbare Konturen zu geben“, lobt der Ausschuss die Arbeit der „heute journal“-Moderatoren weiter. Im vergangenen Jahr waren Schauspielerin Iris Berben und Entertainer Hape Kerkeling ausgezeichnet worden.

Entscheidungen jenseits der Realität

Die Auswahl der Gewinner verwundert. Keiner der sicheren Favoriten gewann. Die hochgelobte TV-Comedy „Switch Reloaded“ ging leer aus und nur einer der drei nominierten Tatorte wurde ausgezeichnet. Der Hamburger Tatort „Auf der Sonnenseite“ erhielt den Publikumspreis der Marler Gruppe. Die harte Fernsehrealität, Quoten und Reichweite, scheinen im beschaulichen Städtchen Marl keine Rolle zu spielen. Faz.net-Autorin Heike Hupertz, in diesem Jahr selbst Teil der Jury „Fiktion“, beschreibt diesen Effekt als „Marler Blase“: „Raum und Zeit werden bedeutungslos, das „Draußen“ ist so weit weg wie der Mars und unabweisbare Realität gewinnt nur noch der Bildschirm mit seinen möglicherweise preiswürdigen Erzeugnissen.“ Diese Blase scheint jetzt geplatzt zu sein.

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