Relaunch-Desaster: Facebooks Riesenfehler

Auch eine Woche nach Facebooks Relaunch haben sich die Wogen nicht geglättet. Im Gegenteil: Die Verärgerung der Nutzer wächst und wächst. Erstaunliche 94 Prozent der User sprechen sich in einer Umfrage auf Facebook gegen das neue Design aus: Zu unübersichtlich, zu sehr an den Nutzer-Bedürfnissen vorbei, zu sehr an Twitter angelehnt, lauten die scharfen Vorwürfe. Mark Zuckerberg will davon nichts wissen und läuft nun Gefahr, die Mitglieder ernsthaft gegen sich aufzubringen.

Anzeige

Auch eine Woche nach Facebooks Relaunch haben sich die Wogen nicht geglättet. Im Gegenteil: Die Verärgerung der Nutzer wächst und wächst. Erstaunliche 94 Prozent der User sprechen sich in einer Umfrage auf Facebook gegen das neue Design aus: Zu unübersichtlich, zu sehr an den Nutzer-Bedürfnissen vorbei, zu sehr an Twitter angelehnt, lauten die scharfen Vorwürfe. Mark Zuckerberg will davon nichts wissen und läuft nun Gefahr, die Mitglieder ernsthaft gegen sich aufzubringen…

Nichts ist für die Ewigkeit – erst recht nicht im Internet. Wer an Netscape denkt, weiß das. Auch Geocities, Tripod und Lycos selbst sind solche Fälle verglühter Sterne, während AOL und Yahoo ihre besten Tage offenkundig hinter sich haben. In der neuen heißen Internet-Welt dieser Tage erscheinen diese Dot.com-Unternehmen wie seltsame Relikte einer Zeit, die lange, lange überkommen ist.

Zehn Jahre nach dem Dot.com-Boom der späten 90er-Jahre heißen die Stars dieser Tage Google, Twitter und natürlich Facebook. Doch wie lange eigentlich noch? Betrachtet man die haarsträubenden Fehler, die sich das boomende Social Network Facebook in den letzten Wochen erlaubt hat, kommt in der Blogosphäre unweigerlich die Frage auf, ob das beliebte Social Network nicht gerade dabei ist, seinen Kredit zu verspielen – bzw., schlimmer noch, seinen Zenit vielleicht gar schon überschritten hat?        

Erst AGB-Gau, dann Relaunch-Desaster: Wochen der schlechten Nachrichten

Das mutmaßt etwa das Schweizer Internet-Blog „Netzwertig„: „Twitter wächst wie verrückt und ist definitiv im Mainsteam angekommen. Facebook nimmt anderen Social Networks dramatisch Marktanteile ab. Schön für diese Dienste, aber vermutlich erleben wir bei beiden gerade den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Bald könnte es bergab gehen.“

Daran arbeitet Facebook in erster Linie mit aller Macht selbst. Kaum fünf Jahre alt geworden, verschreckt das boomende Social Network, das in diesen Tagen die 200 Millionen-Nutzer knacken dürfte, seine Mitglieder immer mehr. Zunächst waren da die massiven Irritationen über die Überarbeitung der Allgemeinen Nutzungsbedingungen, die dann wieder einkassiert wurde. Das war Mitte Februar.

Nutzer laufen Sturm: „Den Spaß verloren“

Einen Monat später der nächste Schocker in Form des Relaunchs der Start- und Profilseite. Während über das grobkörnige Design noch diskutiert werden kann, verwirrt Nutzer sowohl die offenkundige Nähe zu Twitter als auch der vollkommen unerklärliche Informationsverlust im Live-Feed.  

Die Nutzerkommentare sprechen eine deutliche Sprache: „Ich habe den Spaß verloren“, erklärt etwa der User Salvatore Vanasco. „Es ist sehr unübersichtlich, alles erscheint durcheinander! Außerdem sind einige Sachen nicht mehr so leicht zugänglich“, präzisiert etwa die Userin Annina Müller. Während Bernd Krispin seine Verärgerung in Schlagworten auf den Punkt bringt: „Kompliziert, absolut unübersichtlich und benutzerunfreundlich.“

Vernichtendes Urteil: 94 Prozent gegen Facebook

Dass es sich hierbei nicht um unbelehrbare Nörgler handelt, unterstreicht eine Umfrage, die seit Ende letzter Woche läuft – auf Facebook selbst. „Was haltet Ihr vom neuen Facebook-Layout“, lautet die einfache Frage der Applikation „The New Layout Vote“, von einem Drittanbieter auf dem Social Network gelauncht – und binnen weniger  Tage von mehr als einer Million Mitgliedern genutzt wurde.

Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, um ein Ventil für den ausufernden Unmut zu finden. Beachtliche 94 Prozent aller befragten Nutzer haben sich gegen das neue Facebook ausgesprochen – was natürlich umgehend von der Technologiepresse ausgeschlachtet wurde.

Die Beschwerden sind bekannt: Der Live-Feed ist verdächtig an Twitter angelehnt, dabei  aber um so beliebte Pinnwand-Einträge wie Foto-Kommentare  bzw. –Taggings, neue Freundschaften und Beziehungsstatus-Veränderungen bereinigt. Gerade aber dieser News-Fluss unter Freunden war es, der Facebook zu immens steigender Popularität verholfen hat. In dieser Form ist er nur noch auf der Facebook-Applikation des iPhones verfügbar.
 
Beratungsresistenter Zuckerberg: „Einfach weiter ausprobieren“

Davon ist beim neuen Facebook nicht mehr so viel zu sehen. Es scheint, als wolle der selbsternannte Twitter-Fan Mark Zuckerberg ganz offenkundig Twitters Erfolgskonzept der Status-Meldungen kopieren.  Die aufkommende Kritik lässt den 24-Jährigen dabei ziemlich kalt.  

„Das Feedback auf Facebooks neuen Look, der einen Twitter-ähnlichen Stream der Status Updates in den Vordergrund stellt, ist universell aufheulend negativ. Warum hört CEO Mark Zuckerberg nicht auf seine User“, fragt sich Gawker-Tech Reporter Owen Thomson in „Valleywag„, um dann gleich die Antwort zu liefern: „Weil er es nicht nötig hat, hat er Mitarbeitern erklärt“.

Gegenüber Usern formuliert Zuckerberg das noch etwas verhaltener, in der Sache jedoch ähnlich klar: „Danke für die Ermutigungen. Falls Euch die Seite noch nicht so gefällt, probiert sie in ein paar Tagen noch mal, und sagt uns, wie Ihr’s findet“. Keine Frage: Es klingt nicht danach, als würde Zuckerberg das wirklich interessieren.  

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige