Mediapart: kostenpflichtig & unabhängig

Und es geht doch: Seit einem Jahr behauptet sich die kostenpflichtige Online-Zeitung Mediapart.fr gegen die Masse der Gratis-Angebote im Netz. Für neun Euro im Monat garantiert das Portal seinen Lesern unabhängigen und werbungsfreien Qualitätsjournalismus. Mediapart-Gründer und Ex-"Le Monde"-Chef, Edwy Plenel, glaubt, dass Quote nur zu Mainstream und damit Informationsbrei führt. Die Online-Zeitung hat heute rund 17.000 zahlende Abonnenten.

Anzeige

„Wir lehnen die Kostenfreiheit ab, die glaubt, 100 Prozent Werbung und Quote und die größtmögliche Anzahl von Klicks genügen, um Qualität zu liefern,“ sagte Plenel 2008 im Interview mit dem Magazin „Breitband“ des Deutschlandradio.

Statt für einen Massenmarkt erstellt Mediapart deshalb seit März 2008 ein journalistisches Angebot für „aktive Bürger“, das gelegentlich auch bei der eigenen Leserschaft anecken kann. Das Projekt startete mit einem Kapital von 3,7 Millionen Euro. Davon hat die Redaktion 60 Prozent selbst finanziert, der Rest kam aus Spenden von Bürgern, denen die Freiheit der Medien wichtig ist. Heute hat Mediapart 17.200 Abonnenten, wie die Zeitung „Libération“ berichtet. 2011 will das Portal schwarze Zahlen schreiben – ein äußerst ehrgeiziges Ziel: „Wir brauchen 60.000 Abonnenten um rentabel zu sein“, sagt Plenel.

Rund 30 Mitarbeiter produzieren drei Ausgaben täglich, die um 9.00, 13.00 und 19.00 Uhr online sind. „Digital, partizipativ und kostenpflichtig“, kennzeichnet sich die Online-Zeitung selbst. So können auch die Abonnenten Beiträge erstellen, mit Redakteuren diskutieren und eigene Blogs auf dem Portal einrichten. Mediapart hat sich mit gründlicher Recherche und mehreren Enthüllungen bereits einen Namen gemacht und wird zunehmend von anderen Medien genannt.

Optisch lehnt sich die Seite in ihrem schlichten Layout und der Serifenschrift an eine gedruckte Zeitung an, Bilder werden nur sparsam eingesetzt. Auf der Navigationsleiste gibt es lediglich vier Rubriken: International, France, Èconomie, Culture et Idèes. Aktuelle Web-Funktionen verbergen sich hauptsächlich in der Sektion „Le Club“, die im Gegensatz zu „Le Journal“ vor allem der Beteiligung der Abonnenten gewidmet ist.

Der Anspruch des Chefredakteurs geht weit darüber hinaus, ein journalistisches Produkt abzuliefern. „Wir wollen keine Quote, keine Masse, keine anonyme Menge erreichen“, erklärt Edwy Plenel. „Quote ist Brutalität, Gewalt, sie kann zu Totalitarismus führen. Eine hochwertige Presse muss sich ein Publikum aufbauen, das sich mit ihr identifiziert, ihr treu und verbunden ist. Der Kaufakt befördert genau dies.“

Plenel sieht seine Online-Zeitung als Labor, als „Widerstandsnest, das hoffentlich Schule macht. Wir sagen Journalisten in allen Ländern: Wir müssen für ein anderes wirtschaftliches Modell kämpfen, das uns Qualtitätsjournalismus garantiert.“ Der Branche prophezeit er: „Die Gratis-Blase wird demnächst unter unseren Augen platzen.“

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige