Bertelsmann: Was die Bilanz bedeutet

Es ist ein Kraftakt gegen die Krise: Während Europas größtes Medienhaus von einer "soliden Geschäftsentwicklung" und "einem gestärkten Portfolio" spricht, lesen sich die Kernzahlen von Bertelsmanns 2008er-Konzernbilanz anders. Der Umsatz stagniert, während der Konzerngewinn um ein Drittel einbricht und damit "die konjunkturelle Eintrübung in der zweiten Jahreshälfte widerspiegelt". Daran dürfte sich auch 2009 nicht viel ändern: Der Schwerpunkt liege auf "der Sicherung der Geschäfte", hieß es.

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Es ist ein Kraftakt gegen die Krise: Während Europas größtes Medienhaus von einer „soliden Geschäftsentwicklung“ und „einem gestärkten Portfolio“ spricht, lesen sich die Kernzahlen von Bertelsmanns 2008er-Konzernbilanz anders. Der Umsatz stagniert, während der Konzerngewinn um ein Drittel einbricht und damit „die konjunkturelle Eintrübung in der zweiten Jahreshälfte widerspiegelt“. Daran dürfte sich auch 2009 nicht so viel ändern: Der Schwerpunkt liege auf „der Sicherung der Geschäfte“, hieß es.
Die Bremsspuren sind unverkennbar. Im abgelaufenen Geschäftsjahr musste Europas größter Medienkonzern Bertelsmann stagnierende Umsätze und sinkende Gewinne verkraften. Während der Axel Springer Verlag und auch die Konzerntochter RTL Group bei Vorlage ihrer Geschäftsbilanz für 2008 noch einmal ein Rekordjahr verbuchen konnte, musste Bertelsmann heute beim operativen Gewinn ein Minus von 9 Prozent ausweisen – ein Rückgang von 1,72 auf 1,59 Milliarden Euro.

Der um Zinsen, Abschreibungen und Sondereinflüsse bereinigte Konzerngewinn brach gar um ein Drittel auf 270 Millionen Euro ein – und steht damit im krassen Gegensatz zur noch im Vorjahr ausgegebenen Zielmarke von 800 Millionen Euro. Das Ergebnis spiegele damit „die konjunkturelle Eintrübung in der zweiten Jahreshälfte wider“, musste Konzernchef Ostrowski eingestehen.

Konzernbereiche: Nur Arvato mit höherem Gewinn

Und das in praktisch allen Konzernbereichen:

• Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr gab vor dem Hintergrund einbrechender Anzeigenmärkte und einer anhaltenden Konsumschwäche sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ertrag nach – und zwar deutlich.  Das Operating Ebit ging um 15 Prozent auf 225 Millionen Euro zurück, während die Erlöse leicht um 2 Prozent nachgaben. 

• Die Buchverlagsgruppe Random House musste ebenfalls Umsatz- und Ergebnisrückgänge beklagen: Die Erlöse gingen um 6 Prozent auf 1,7 Milliarden  Euro zurück, während die Gewinne durch negative Wechselkurseinflüsse gar um 21 Prozent auf Millionen Euro einbrachen.

• Uneinheitlich verlief die Geschäftsentwicklung der Club- und Buchhandelsgeschäfte der Direct Group, die 2008 mit 1,3 Milliarden Euro einen um 4 Prozent geringeren Umsatz, aber ein leicht gestiegenes EBIT von 22 Millionen Euro (Vorjahr: 18 Millionen) auswies.

• Praktisch auf Vorjahresniveau liegen die Ergebnisse des Medien- und Kommunikationsdienstleisters Arvato, der den Umsatz um knapp 2 Prozent auf 5 Milliarden Euro und das Operating EBIT um 1 Prozent auf 369 Millionen Euro steigerte.

• Selbst die Fernsehtochter RTL Group, die sich mit gesteigerten Werbeerlösen in Deutschland und einem weiterhin kräftigen Umsatzwachstum beim TV-Produktionsarm Fremantle Media gegen den Trend stemmte, musste Einbußen auf hohem Niveau verkraften – ein Rückgang von 5 Prozent auf 927 Millionen Euro, während die Umsätze um 1 Prozent  auf 5,8 Milliarden Euro zulegen.  

Defensiver Ostrowski: „Sicherung der Geschäfte“ im Vordergrund

Dabei dürfte es 2009 jedoch kaum bleiben: Um satte 16 Prozent liegt Zugpferd RTL Deutschland im laufenden Jahr im Bruttowerbemarkt unter den Vorjahresvorgaben zurück – das entspricht allein in den ersten beiden Monaten des Jahres bereits 70 Millionen Euro weniger Werbeeinnahmen. Entsprechend stimmte RTL-Chef  Gerhard Zeiler bereits vorige Woche auf schwere Zeiten ein:  „Es ist zu erwarten, dass das Profitabilitätsniveau unter dem von 2008 liegen wird“

Genau diese Tonlage schlug dann auch Hartmut Ostrowski heute bei Verkündung der Konzernbilanz an: „Unser Schwerpunkt liegt aktuell auf der Sicherung der Geschäfte, unserer hohen Ertragskraft und unserer Liquidität. Das bedeutet in erster Linie Kostendisziplin und Zurückhaltung bei den Investitionen, aber auch, dass wir einen verstärkten Fokus auf Marktanteilsgewinne und unternehmerische Innovationen legen.“ Optimismus klingt anders.

Dass Bertelsmann angesichts der ausufernden Finanzkrise,  die längst zur Medienkrise geworden ist, gar in die roten Zahlen abrutschen könnte, glaubt Finanzvorstand Thomas Rabe derzeit jedoch nicht: „Ich halte es aus heutiger Sicht nicht für denkbar“, erklärt Rabe. Größere Akquisitionen seien jedoch nicht geplant.

Schuldenstand von 6,6 Milliarden Euro belastet in der Krise

Das liegt nicht zuletzt an der enormen Schuldenlast von noch immer mehr als 6,6 Milliarden Euro, unter der Bertelsmann bis heute zu leiden hat – Geld, das in Zeiten der Kreditklemme zu einer sprichwörtlichen Hypothek geworden ist.  Keine drei Jahre ist es her, da kauften die Gütersloher die restlichen 25 Prozent ihrer Aktien, die nach dem Kauf der RTL Group vom belgischen FinanzinvestorAlbert Frère gehalten wurden, für happige 4,5 Milliarden Euro zurück, um einen Börsengang zu vermeiden.

Tafelsilber wie das Musikverlagsgeschäft, das Nordamerikageschäft der Klubsparte Direct Group und zuletzt die Musik-Tochter BMG wurden radikal veräußert, eine Anleihe  ausgegeben – um 1,1 Milliarden  Euro konnte die Verschuldung so reduziert werden.

Trotzdem wird es für Zukäufe wie in anderen Krisenzeiten, als der Konzern mit mutigen Engagements wachsen konnte, dennoch nicht reichen.  Die Angst vor den Aktienmärkten wurde bereits zu Hausse-Zeiten teuer bezahlt und lähmt das Unternehmen nun.  Die einzige Marschroute für Bertelsmann in diesen stürmischen Tagen kann nur lauten: Kurs halten. Das wird schwer genug, wie Ostrowski unlängst im Gespräch mit dem „manager-magazin“ zugab: 2009 dürfe man von ihm vor allem eins erwarten – „harte Arbeit“.  

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