Bertelsmann-Chefs: Verzicht auf 50% Gehalt

Ein "solides" Geschäftsjahr, die Reduzierung der Schuldenlast und ein stabiler Umsatz – auf diese Formel lässt sich das erste Amtsjahr von Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski bringen. Bei der Bilanzkonferenz 2008 in Berlin geriet der Ausblick für den Gütersloher Konzern aber düster. Nicht Wachstum steht für Ostrowski derzeit im Vordergrund: "Es geht zuallererst darum, Bertelsmann sicher durch die Krise zu steuern." Novum: Der Vorstand verzichtet 2009 auf seine Tantiemen und damit auf 50 % Gehalt.

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Das Bild hatte Symbolcharakter: Wie eine Phalanx präsentierten sich die Vorstände von Bertelsmann den Fotografen, darüber ein Riesenbildschirm mit dem Leitspruch 2009, „The Spirit to Create“. Direkt neben Vorstandschef Hartmut Ostrowski stand ein Neuer: Gruner + Jahr Vorstandsboss Bernd Buchholz, obwohl der offiziell noch kein Amt bei Bertelsmann innehat – auch das eine bewusste Geste.
Hartmut Ostrowski gab sich bei der Vorstellung der Zahlen kämpferisch. Langfristig sei Wachstum die richtige Strategie, um das Unternehmen abzusichern. Allerdings: „Ich habe in den ersten 15 Monaten meiner Amtszeit erlebt, dass der Verlauf eines Geschäftsjahres immer nur sehr eingeschränkt planbar ist.“ Mit Blick auf die Krise, deren Dauer nicht abzuschätzen sei, sagte Ostrowski: „Ich will weder in Wehklagen noch in überzogenen Zweckoptimismus verfallen. Realismus ist ein guter Berater.“
Der ist auch mit Blick auf das abgelaufene Geschäftsjahr angebracht. So brach der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen (Operating EBIT) um knapp neun Prozent auf 1,59 Milliarden Euro ein. Im Vorjahr waren noch 1,72 Milliarden Euro verdient worden. Das Ergebnis spiegele „die konjunkturelle Eintrübung in der zweiten Jahreshälfte wider“, erklärte Konzernchef Hartmut Ostrowski.

Das gilt auch für den Konzerngewinn, der mit 270 Millionen Euro gar ein Drittel  niedriger ausfiel als im Vorjahr. Grund dafür seien neben Restrukturierungsmaßnahmen vor allem Wertberichtigungen im britischen TV-Geschäft und bei der Direct Group. Damit ist das im vergangenen Jahr herausgegebene Ertragsziel von 800 Millionen Euro deutlich verfehlt worden.
Für das Fernsehgeschäft erläuterte RTL-Chef Gerhard Zeiler die Auswirkungen der „globalen Krise“ auf die Werbebuchungen: „Europaweit sind die Umsätze 2009 um 10 bis 20 Prozent zurückgegangen sind. Wir werden die Kosten in unserer Industrie deutlich nach unten korrigieren müssen.“ Dies betreffe auch die Produktionen.
Die Eckdaten laut Mitteilung von Bertelsmann im Einzelnen: Der Konzernumsatz der fortgeführten Aktivitäten lag 2008 mit 16,1 Milliarden Euro leicht unter den Vorgaben des Vorjahres, die noch bei 16,2 Milliarden gelegen hatten. Bereinigt um Portfolio- und Wechselkurseffekte wuchs der Umsatz um 1,3 Prozent. Die operative Umsatzrendite erreichte mit 9,7 Prozent nach 10,6 Prozent im Vorjahr.

Hartmut Ostrowski erklärte zum Geschäftsverlauf: „Unsere Geschäftsentwicklung und unser solides finanzielles Fundament geben uns den notwendigen Rückhalt für das herausfordernde Jahr 2009. Die globale Wirtschaftskrise mit ihren Auswirkungen auf Konsumverhalten und Werbebuchungen stellt auch für Bertelsmann in einigen Bereichen eine Belastungsprobe dar. Unser Schwerpunkt liegt aktuell auf der Sicherung der Geschäfte, unserer hohen Ertragskraft und unserer Liquidität. Das bedeutet in erster Linie Kostendisziplin und Zurückhaltung bei den Investitionen, aber auch, dass wir einen verstärkten Fokus auf Marktanteilsgewinne und unternehmerische Innovationen legen. Wir fühlen uns mit unserer breiten geschäftlichen und geografischen Aufstellung sowie mit unserer unternehmerischen Ausrichtung gut gerüstet.“

Die TV-, Radio- und Fernsehproduktionsgruppe RTL Group hatte bereits vor knapp zwei Wochen noch einmal Rekordzahlen verkünden können: Der um Steuern, Zinsen und Abschreibungen bereinigte Gewinn (EBITA) stieg 2008 um vier Prozent auf 971 Millionen Euro an, während der Umsatz um knapp drei Prozent auf 5,75 Milliarden Euro zulegte. 

Der Medien- und Kommunikationsdienstleister Arvato verzeichnete Wachstum in nahezu allen Firmenbereichen und steigerte sowohl den Umsatz als auch das Operating EBIT. Die Direct Group, die sich mit ihren Clubs und Buchhandels-ketten nach einer strategischen Neuordnung nunmehr auf europäische Kernmärkte konzentriert, gab beim Umsatz nach, legte hingegen beim Operating EBIT zu.

Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr gab vor dem Hintergrund einbrechender Anzeigenmärkte und einer anhaltenden Konsumschwäche sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ertrag nach, ebenso die Buchverlagsgruppe Random House, deren Umsatz und Ergebnis stark von negativen Wechselkurseffekten beeinflusst war.
Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe brachte die neue Leitlinie des Managements in der Krise auf den Punkt: „Geschäft sichern, Liquidität halten.“

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