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„TV-Digital“: Springers Erfolgsgeschichte

Als die Axel Springer AG im März 2004 „TV Digital“ im bereits übervollen Markt der TV-Zeitschriften startete, hätte kaum jemand auf den Erfolg des Projekts gewettet. Nun, fünf Jahre und zahlreiche juristische Scharmützel später, ist „TV Digital“ eine der großen Print-Erfolgsstories des Berliner Medienkonzerns. Die Auflage liegt stabil bei über zwei Millionen Exemplaren. „TV Digital“ erscheint mittlerweile in sieben verschiedenen Ausgaben. Bemerkenswert: In der Reichweite legt das Programmie stetig zu.

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Die Idee für die Kunden von Bezahl-TV-Angeboten oder Kabelbetreibern zugeschnittene Ausgaben von „TV Digital“ anzubieten, ist eines der Erfolgsgeheimnisse des Magazins, das von Beginn an von Chefredakteur Christian Hellmann verantwortet wird. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Kooperation mit dem Bezahlsender Premiere, die den Start von „TV Digital“ überhaupt erst möglich gemacht hat.

Premiere für „TV Digital“

Anfang 2004 befand sich der damalige Premiere-Chef Georg Kofler nach der Pleite des Medien-Imperiums von Leo Kirch mitten in der Sanierung des Bezahlsenders. Eine seiner Maßnahmen: die in der Produktion teure Premiere-eigene TV-Zeitschrift auslagern. Das für Premiere-Kunden kostenlose TV-Magazin hörte nach juristischen Hakeleien auf den nicht ganz ernst gemeinten Namen „tv kofler“. Der Name „tv komplett“ wurde Kofler rechtlich untersagt.

„tv kofler“ war von Kofler nur als Übergangslösung gedacht. Sein Kalkül: Premiere bietet einem Verlag Zugang zu den bisherigen Abonnenten und damit einen unschätzbaren Startvorteil beim Markteintritt in den schwierigen Markt der Programmzeitschriften. Außerdem würden sich durch die Kooperation mit Premiere vielfältige Möglichkeiten der Cross-Promotion ergeben.

Den Zuschlag für die Nachfolge-Zeitschrift von „tv kofler“ erhielt dann ausgerechnet die Axel Springer AG, die knapp zwei Jahre zuvor maßgeblich am Einsturz von Kirchs Medien-Kartenhaus beteiligt war. Im April 2002 hatte Springer eine Verkaufsoption für seine Anteile an Kirchs ProSiebenSat.1 Media im Wert von 767 Millionen Euro ausgeübt und damit die Finanzkrise des Kirch-Konzerns dramatisch verschärft.

Der Aufstieg

„TV Digital“ war von Beginn an ein großer Erfolg. Das Kalkül Koflers und Springers ging auf. Aus dem Stand schaffte es die Zeitschrift auf sensationelle 1,3 Millionen verkaufte Exemplare, 75 Prozent davon Abos, wovon wiederum die allermeisten über Premiere kamen. Kein Wunder. Abonnenten des Premiere-Komplett-Pakets erhielten „TV Digital“ kostenlos. Premiere kassierte für jedes vermittelte Abo eine Vermittlungsprovision. Alle waren zufrieden – bis auf die Konkurrenz. Beim Heinrich Bauer Verlag, dem hiesigen Marktführer bei den Programmzeitschriften, wurde vor Zorn über den Coup geschäumt und beim Anwalt angerufen.
Die Bauer Verlagsgruppe erwirkte vor dem Hamburger Landgericht, dass es Premiere künftig verboten war, im redaktionellen Teil des Programms für „TV Digital“ zu werben. Außerdem war man bei Bauer der Auffassung, bei „TV Digital“ handele es sich um gar keine Publikumszeitschrift, sondern um ein Kundenmagazin.

Bauer klagte zudem vor dem Landgericht München generell gegen die Kooperation Springers mit Premiere. Durch die Kooperationsvereinbarungen sei der Markt für Bauers nachträglich produziertes Konkurrenzprodukt „TV World“ abgeschottet. Das Gericht folgte der Bauer-Argumentation nicht – Springer und Premiere durften weiter gemeinsame Sache machen.

Ein Jahr nach Start brachte es „TV Digital“ auf rund 1,5 Millionen verkaufte Exemplare, das Heft rückte auf Rang drei unter den hochpreisigen 14-täglichen Programmzeitschriften hinter „TV Spielfilm“ (Verlagsgruppe Milchstrasse) und „TV Movie“ (Bauer) vor.

Rückschläge

Ein paar Dämpfer musste in fünf Jahren auch „TV Digital“ hinnehmen. So wurde eine eigens produzierte Schweizer Ausgabe im Juni 2008 eingestellt. Die Schweiz wurde ab dem Zeitpunkt mit der deutschen Ausgabe von „TV Digital“ beliefert. Auch das Sonderheft „World of Showtime“, das inklusive einer Film-DVD im Herbst 2005 auf den Markt kam, war kein Erfolg. Als der Kabelkonzern Unity Media 2006 die Übertragungsrechte der Fußball Bundesliga kaufte und seinen Fußball-Bezahlsender arena aus dem Boden stampfte, war „TV Digital“ auch hier mit einer eigenen Ausgabe mit von der Partie. Die „TV Digital“-Ausgabe musste kurze Zeit später gemeinsam mit arena beerdigt werden.

Hier und heute

Für die Kunden von Unity Media wird aber weiterhin eine eigene „TV Digital“-Ausgabe produziert, ebenso für Kabel Digital Home, T-Home, Premiere, Premiere Austria, Premiere Star und dann ist da noch die extradicke XXL-Ausgabe mit allen Digital-Plattformen. „TV Digital“-Chefredakteur Christian Hellmann hat bei Springer mittlerweile die inhaltliche Ober-Verantwortung für alle TV-Titel übernommen. Damit reichen sich nun der Klassiker „Hörzu“ und der Newcomer „TV Digital“ redaktionell die Hand.

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