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Merkel bei Will: die Pressestimmen

Die Medien berichten über den Auftritt der Kanzlerin bei Anne Will, als hätten sie grundverschiedene Aufführungen des gleichen Stücks erlebt. Spiegel Online litt mit einer schwachen Merkel, bis sie spät Souveränitat bewies. Faz.net sah "eine richtig gute Sendung – für Anne Will und für die Bundeskanzlerin", sueddeutsche.de ein "Heimspiel" für Merkel. Fazit der Pressestimmen nach dem einstündigen Dialog im Ersten: Die Kanzlerin hat insgesamt überzeugt.

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Spiegel Online hat ein Duell zwischen Moderatorin und Kanzlerin gesehen, in dem Anne Will – mit Karteikarten bewaffnet – lange den souveränen Part spielte und Merkel schwach wirkte: „Sie würde gerne führen, weiß jedoch nicht wie.“ Erst als es inhaltlich wird, „dreht sich das Gespräch. Merkel argumentiert gut, und Anne Will macht es ihr leicht. Weil sie nur auf den Überfall setzt.“

Aber „Will macht den Fehler, nur auf Effekte zu setzen, statt sich auf eine Debatte einzulassen. Die wäre interessanter gewesen.“ Endlich: „Merkel findet ihr Gesicht für den Abend, ein Gesicht der Gelassenheit, ohne Abgeklärtheit. Ein Gesicht für die Krise, spät gefunden, aber doch noch rechtzeitig für den letzten, vielleicht entscheidenden Eindruck.“

Eine ganz andere Show erlebte faz.net: „eine richtig gute Sendung – für Anne Will und für die Bundeskanzlerin“. Zu den Zeitpunkten, als SpOn bei Merkel eine „verrutschende“ Mimik oder auf ihrem „Gesicht die Wirkung eines schweren Treffers“ wahrnahm, sah die „FAZ“ die Kanzlerin lediglich kühl erwidern und „ganz unerschrocken“. – „Im Studio von Anne Will jedenfalls war die Stimmung am Sonntag bestens.“

„Ziemlich schnell und abwechslungsreich geht es so dahin. Angela Merkel formuliert eher volkstümlich denn langatmig, ist selten unsicher, zumeist gelingt es ihr, all ihre Kritiker schlecht aussehen zu lassen, obwohl sie keinen der Schläge, die sie im Augenblick bekommt, direkt pariert.“

„So macht man – ganz nebenbei – Wahlkampf, indem man sagt, die Lage sei zu ernst, als dass man Wahlkampf machen könne. (…) In diesem Sinne hat Angela Merkel ihren Auftritt am Sonntag bei Anne Will mit Bedacht gewählt und – genutzt.“ Fazit: „Angela Merkel hat ihren Obama gemacht. Wir haben ihr „Yes, we can“ gehört und es klingt nicht falsch.“

Und die Interviewerin? – „In dem einstündigen Dialog mit Angel Merkel findet Anne Will zu der Form, für die sie als Moderatorin der ‚Tagesthemen‘ gepriesen worden ist.“

Sueddeutsche.de („SZ“) geht noch weiter: „Für Angela Merkel ist das Treffen mit Anne Will ein Berliner Heimspiel. (…) Fragen und Einspielfilme bringen sie nicht aus dem Konzept.“
Wirklich befriedigend ist der Auftritt der Kanzlerin für die „SZ“ trotzdem nicht: „Typisch für Merkels Manöver an diesem Abend ist ihr Lavieren in der Frage, wie viel Prozent für die Union sie am Wahlabend anstrebe.“ Ihr Gesamteindruck: „Bei ‚Anne Will‘ geriert sich Angela Merkel als schnellsprechende, manchmal fast schnippische Botin der echten sozialen Markwirtschaft und der Freiheit, die vieles nicht verstehen könne bei aktuellen Krisenfällen (…).“

Die „SZ“ sieht Anne Will gänzlich in der Defensive: „Die Moderatorin bleibt brav. Es gibt sicher nur wenig schwerere Gesprächspartner als diese kontrollierte Kanzlerin, die nicht zum Fernsehen kommt, um schmutzige Wäsche zu waschen oder sich provozieren zu lassen. Das mag der Bürger vor der Mattscheibe nicht.“

Weitere Pressestimmen:

„Die Kanzlerin zeigte sich schlagfertig, kompetent und zuweilen witzig. Anders als erwartet, verzichtete Merkel auf Machtworte und klare Positionen. … Aus journalistischer Sicht blieb Merkels Auftritt inhaltlich erkenntnisarm, aber Wähler sahen eine kämpferische und nervenstarke Kanzlerin.“ („WAZ“)

„Um die Menschen für sich einzunehmen, müsste sich Merkel aus dem Schutzanzug ihres Amtes herausbegeben und selber Mensch werden. Mit Biografie, Emotionen und Anekdoten. Das aber will oder kann sie nicht.“ (stern.de)

„‚Krise‘, das Wort des Abends, wie eingekerbt in die Fragen-Batterie der Talkmasterin. Will möchte Merkel nach unten ziehen, in den Krisensumpf. … Weil es dieser Politikerin nicht unbedingt gegeben ist, mit kraftvoller freier Rede zu punkten, sollen ihre Hände die Wucht der Argumente visualisieren. Wirkt freilich so künstlerisch und politisch kraftvoll wie ‚Malen nach Zahlen‘. … Es sind 60 ruhige Minuten… Mit fortschreitender Zeit wird Merkel souveräner. … Der Auftritt vermittelt das Prädikat ‚echt bemüht‘ … Wer immer das erwartete Kanzlerduell für die ARD moderieren soll – Anne Will ist in Führung gegangen.“ (tagesspiegel.de)

Welt Online spricht von einem „konturlosen Auftritt“, obwohl sich die Kanzlerin auch mehrfach „schlagfertig und offensiv“ zeigte. Will ging „durchaus gut präpariert in die Diskussion. Sie schonte Merkel nicht.“ Das Fazit von Welt Online: „Merkel ist so zuverlässig, unaufgeregt und unaufregend in ihren bisherigen Talkshows gewesen, dass sich die wenigsten Zuschauer daran erinnern werden, was sie einst bei Reinhold Beckmann, Sabine Christiansen, Gabi Bauer, Johannes B. Kerner oder Maybrit Illner sagte.“

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