Depenbrock verlässt Berliner Verlag

Der Verkauf des Berliner Verlags an DuMont ist perfekt. Die Aktionäre der britischen Mecom-Gruppe stimmten dem Deal in London auf einer außerordentlichen Hauptversammlung einstimmig zu. Zeitgleich gab Josef Depenbrock, Geschäftsführer des Berliner Verlages und Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, seinen Rückzug bekannt. In einer internen Mail teilte der 47-Jährge mit: „Ich allerdings werde das Unternehmen in dieser Woche verlassen und habe zum Freitag hin alle meine Ämter niedergelegt.“

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Damit geht eine Ära zuende, die immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hatte. Als der damalige Chefredakteur der „Hamburger Morgenpost“ 2006 zum Berliner Verlag wechselte, schuf Finanzinvestor  David Montgomery für den Westfalen eine Doppelrolle: Depenbrock bekleidete gleichzeitig den Posten des Chefredakteurs sowie des Geschäftsführers. Gegen diese Konstellation ging die Belegschaft der „Berliner Zeitung“ sogar gerichtlich vor – allerdings ohne Erfolg.

Montgomery hatte seinen Statthalter in Berlin mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet. So setzte Depenbrock einen ganze Reihe von schmerzhaften Sparmaßnahmen auf, von denen etliche allerdings nie umgesetzt wurden. Der Imageverlust für die traditionsreiche ehemalige Ost-Zeitung war allerdings immens. Aufgrund des Sparkurses sank vor allem die Abo-Auflage auf dem umkämpften Berliner Markt überproportional. Immerhin konnte die Tageszeitung im vierten Quartal 2008 mit einer Gesamtauflage von 172.874 Exemplaren wieder etwas Boden gutmachen

In einer knappen Mail fordert Depenbrock die Belegschaft zur Loyalität des neuen Managements auf: „ Unterstützen Sie bitte den neuen Eigentümer bei der Entwicklung unserer herausragend positionierten Titel nach besten Kräften.“ Depenbrocks Abgang erfolgt offenbar ohne offiziellen Akt: „Bei über 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es schwerlich möglich, aber ich versuche mich bei sehr vielen noch persönlich zu verabschieden.“
Noch am Abend wird damit gerechnet, dass die neuen Eigentümer, Altverleger Alfred Neven DuMont und sein Sohn Konstantin, in Berlin die Redaktionsräume aufsuchen werden und eine Erklärung zur Zukunft des Verlages sowie der weiteren ehemaligen Mecom-Titel „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“ abgeben. Im Vorfeld hatte Neven DuMont bereits signalisiert, dass weitere drastische Sparmaßnahmen nicht zu erwarten seien und dass es keine Zusammenlegung der „Berliner Zeitung“ mit der „Frankfurter Rundschau“ geben werde. Auch die Chefredakteure würden ihre Posten behalten – Ausnahme: Josef Depenbrock.
Die Nachfolger für Depenbrock stehen bereits fest. Das Verlagsmanagement  soll Oliver Rohloff übernehmen. Der 41-Jährige ist derzeit jedoch noch Vorsitzender der Geschäftsführung des Zeitungsverlags Aachen. Der Berliner Verlag ist für Rohloff kein Neuland. Bis 2005 war er dort unter anderem als Finanzchef tätig. Die Leitung der Redaktion soll die bisherige Leiterin des Haupstadt-Büros „der Zeit“, Brigitte Fehrle, übernehmen. Sie arbeitete vor der Ära Depenbrock als Stellvertretende Chefredakteurin bei der „Berliner Zeitung“. 

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