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P7S1: Heuschrecken brauchen Berater-Hilfe

Die Finanzinvestoren Permira und KKR, die die Mehrheit am TV-Konzern ProSiebenSat.1 besitzen, brauchen Hilfe. Wegen der drückenden Schuldenlast bei ProSiebenSat.1 haben die beiden Heuschrecken die Investmentbank Houlihan Lokey als Berater engagiert. Die Profis für schwierige Fälle sollen Wege finden, die extreme Schuldenlast von 1,8 Milliarden Euro bei dem TV-Konzern zu reduzieren. Sonst könnte 2010 das Geld ausgehen.

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Bis Anfang 2010 können die Kredite von ProSiebenSat.1 noch bedient werden, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ und beruft sich auf Investment-Banker. Danach wird es eng. Das Eigenkapital der Sendergruppe ist nach einem Verfall des Aktienkurses und herben Verlusten im vergangenen Jahr auf schmale 150 Millionen Euro abgesunken.

Als Permira und KKR die Mehrheit an ProSiebenSat.1 übernahmen, haben sie den Deal mit teuren Krediten finanziert. Anschließend haben die Finanzinvestoren ProSiebenSat.1 genötigt, die skandinavische Sendergruppe SBS zu übernehmen. Ziel war es, eine pan-europäische Senderkette mit Mehrwert zu schaffen, stattdessen wurden vor allem neue Schulden aufgetürmt. Hinzu kam, dass ein vom Kartellamt gefordertes neues Rabatt-Modell beim Werbezeitenverkauf in Deutschland floppte und die Bilanzen der deutschen Sender stark belastete. Die Gruppe hat zwar mit Anpassungen reagiert und ein massives Sparprogramm aufgelegt, unter den Folgen des misslungenen Rabatt-Modells leidet sie aber bis heute.

Sollten die Profis von Houlihan Lokey keinen Weg finden, die Schuldenlast zu minimieren, könnte ProSiebenSat.1 theoretisch 2010 an die Banken fallen. Damit rechnet aber niemand. Die Banken wollen sich in der derzeitigen Medienkrise nicht auch noch eine problematische Senderkette ans Bein binden, heißt es.

Die massive Schieflage von ProSiebenSat.1 öffnet stattdessen Spekulationen Tür und Tor. Immerhin hat Mathias Döpfner, Vorstandschef von Axel Springer, anlässlich seiner jüngsten Rekordbilanz festgehalten, dass er langfristig immer noch am TV-Geschäft interessiert ist und auch davon ausgehe, dass sich am deutschen Kartellrecht etwas ändern müsse. Die Wettbewerbshüter hatten die Fusion von Axel Springer und ProSiebenSat.1 verhindert, so dass die Senderkette an die beiden Finanzinvestoren geriet.

Döpfner kann sich im Moment zurücklehnen und das Debakel bei ProSiebenSat.1 auf die Politik wirken lassen. Die unausgesprochene Botschaft an die Politik lautet: „Mit uns wäre das nicht passiert.“ Gut möglich, dass Springer mit seinen bekannt guten Bank-Kontakten irgendwann bei ProSiebenSat.1 doch noch zum Zuge kommt, und zwar viel billiger als beim ersten Versuch. Die Heuschrecken Permira und KKR hätten wahrscheinlich nichts dagegen.

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