Axel Springer stoppt Zukauf in Polen

Vor wenigen Tagen strotzte Springer-Chef Mathias Döpfner anlässlich des Rekord-Ergebnisses für 2008 vor Selbstbewusstsein. Axel Springer werde antizyklisch agieren und "attraktive Assets zu sehr günstigen Bewertungen erwerben", sagte er. Die Gelegenheiten mögen günstig sein, doch attraktiv sind sie darum noch lange nicht. Jetzt hat Springer den Kauf der polnischen Wirtschafts-Zeitung "Rzeczpospolita" in letzter Sekunde abgeblasen. Offenbar sind die Bilanzen zu schlecht.

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„Rzeczpospolita“ gehört zu 51 Prozent der finanziell stark unter Druck stehenden Mecom-Holding des angelsächsischen Investors David Montgomery, der vor kurzem erst seine deutschen Zeitungen („Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“, „Hamburger Morgenpost“) an den Kölner Verlag M. DuMont Schauberg verkauft hat. Laut „Handelsblatt“ hatte es Springer auf diesen Mehrheitsanteil abgesehen. Die restlichen 49 Prozent an „Rzeczpospolita“ gehören dem staatlichen Unternehmen PWR, an dem der Staat Polen 85 Prozent hält, die er ebenfalls gerne verkaufen würde.

Für Springer wäre der Kauf von „Rzeczpospolita“ ein weiterer Meilenstein im Auslandsgeschäft gewesen. Bereits jetzt ist der Verlag mit der Boulevardzeitung „Fakt“ und der Tageszeitung „Dziennik“ der wichtigste ausländische Verlag in Polen. Die Verluste, die „Rzeczpospolita“ schreibt, waren den Springer-Managern dann aber letztlich offenbar doch zu riskant. Gerade Wirtschaftsmedien sind von der aktuellen Weltwirtschaftskrise besonders betroffen, und die Perspektive ist schwierig bis düster. Selbst der erfolgsverwöhnte Springer-Konzern musste der Belegschaft seiner deutschen Wirtschaftstitel in München jüngst Kurzarbeit in Aussicht stellen.

Es wird spannend sein zu beobachten, ob und wie Döpfner seine sehr offensiv kommunizierte antizyklische Expansionsstrategie nun umsetzen will. Allein der Verkauf seiner Regionalzeitungs-Beteiligungen hat dem Springer-Konzern rund 315 Mio. Euro in die Kassen gespült. Das Geld ist ist, da die Gelegenheiten auch. Das Problem ist nur: So richtig attraktiv sind die potenziellen Kauf-Objekte derzeit alle nicht.

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