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Wie Facebook das globale Dorf erobert

Der Traum von der einen Welt ist so alt wie die Menschheit selbst. Geträumt wird er im Internet auf der sozialen Plattform Facebook, die die Mitglieder aller Nationen im Zeitalter der Billigflüge und Auslandssemester auf einfachste Art und Weise zusammenbringt. Die Theorie einer kleinen Welt (das sogenannte "Small World Phenomenon"), nach der jeder in der heutigen modernen Gesellschaft jeden über maximal sechs Ecken kennt, findet im beliebten Social Network so ihre Bestätigung.

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„Ich selbst halte mich für global. Ich verstehe mich als Teilnehmer an globalen Aktivitäten: In Flugzeugen sitzen, mit Maschinen reden, kleine geometrische Mahlzeiten zu mir nehmen und meine Wählerstimme per Telefon abgeben.“

So brachte vor 15 Jahren niemand anders als Kultautor Douglas Coupland das Lebensgefühl der MTV-Generation in seinem zweiten Roman Shampoo Planet auf den Punkt – der Generation der „Global Teens“. CBS wurde noch ein bisschen konkreter: „Sie arbeiten hart, sie geben viel aus, sie leben schnell, charakterisierte der US-Fernsehsender „die Kinder des Baby Booms“ – der Generation nach dem X, das Coupland selbst berühmt gemacht hatte.

Megatrends Globalisierung und Internet

Geändert hat sich an der Einstellung nicht viel – am Lebensstil jedoch fast alles. Es war der Beginn der prosperierenden Clinton-Jahre, in die nicht nur eine Welle enormen Wirtschaftswachstums fiel, sondern auch gleich zwei Megatrends, die unsere Welt bis heute prägen sollten: Die Geburt des Internets und ein neue Phase der Globalisierung nach dem Ende des Kalten Krieges. Die Welt wuchs zusammen – und zwar im Internet.
 
Das eine war so umwerfend wie das andere. Eine neue Generation wuchs plötzlich mit völlig anderen Voraussetzungen als noch ihre älteren Geschwister auf: Binnen gerade einmal eines Jahrzehnts hat der Siegeszug des Internets in Verbindung mit dem Aufkommen der Billigflüge das Leben der heutigen Schüler und Studenten komplett umgekrempelt – und den Drang nach einer Weltreise zur Sehnsucht einer ganzen Generation gemacht. Auslandssemester sind inzwischen ein so selbstverständlicher Bestandteil des Studiums wie der Einsatz eines MacBooks, das nicht nur zum Schreiben von Seminararbeiten, sondern immer öfter auch zum Surfen in den sozialen Netzwerken verwendet wird.

„Six Degrees of Separation“: Gelebtes Kleine-Welt-Phänomen in Facebook

So geht es etwa der 26-jährigen Jelena aus Sarajevo. „Ich bin gerade bei der Arbeit, aber das erste, was ich jeden Morgen mache, ist eMail zu checken und eine neue Droge – Facebook ;)“ Das zweite, woran die Bosnierin denkt, die selbst Fotoalben bebildert und ausführlich kommentiert, sind dann auch schon die Reisen selbst: „Es gibt nichts Vergleichbares als um die Welt zu reisen, verschiedene Kulturen, Traditionen und Menschen zu treffen, die diese erst mit Leben füllen.“

Facebook ist dabei ein idealer Vermittler und Wegweiser – „das Koordinatensystem“ (Social Graph) einer vernetzten Welt, wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg es nennt. „Ich kann mir keinen besseren Weg vorstellen, mit meinen Freunden in Kontakt zu bleiben als über Facebook“, pflichtet die engagierte Studentin Nisha bei. „Facebook ermöglicht es zudem, Menschen auf vielschichtige und persönliche Weise kennenzulernen“, erklärt die Südafrikanerin, die am New Yorker Bard College studiert hat. Dort war sie 2004 eine der ersten, die Facebook nutzte. „Ziemlich schnell war jeder in Facebook“, erinnert sich die heute 24-Jährige, die über fast 1000 Kontakte verfügt und davon tatsächlich real „etwa 80 Prozent“ kennt.

Das ist eine enorme Größenordnung, auf die die wenigsten Nutzer kommen dürften. Doch wer sich durch die Profile klickt, wird fast automatisch auf Gemeinsamkeiten und bekannte Gesichter stoßen. Die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Netzwerken verbindet – sei es durch das Heimatland, das Studium, den Job in einem internationalen Konzern, vielleicht aber auch durch Facebook-Bekanntschaften, von denen man noch gar nichts weiß.

Tatsächlich ist einem das eigentlich Fremde nämlich oft näher als man gemeinhin glauben mag. Der US-Soziologe Stanley Milgram hat bereits 1967 seine Theorie einer kleinen Welt (Small World Phenomenon) begründet, nach der jeder in einer heutigen modernen Gesellschaft jeden über maximal sechs Ecken kennt. Da überrascht es dann auch nicht, dass die dafür geschaffene Gruppe „Six Degrees of Separation“ zu den mitgliederstärksten in Facebook gehört.

Facebook verbindet: Kontakte knüpfen – zu Hause, nach dem Umzug oder auf Reisen

Überhaupt bietet das soziale Netzwerk durch unzählige Applikationen die größtmögliche Anlauffläche zur interaktiven Völkerverständigung. Da gibt es die ungezählten Foren, in denen sich Einheimische, Reisende, Zugezogene oder überhaupt Gleichgesinnte finden, vernetzen und verabreden können. „Irgendwelche Tipps für eine Reise alleine nach Osteuropa, vor allem Russland im Dezember?“ fragt etwa Silvia im Forum der Lonley-Planet-Gruppe. Und dürfte darauf bestimmt in den nächsten Tagen den einen oder anderen gut gemeinten Ratschlag geben.

Den gibt Annalisa immer gerne. Die attraktive Italienerin („Ich mache keinen Urlaub, ich unternehme Trips!“) reist so viel und oft es geht – bevorzugt in Asien. Über Facebook hat sie schon viele Reisebekanntschaften gemacht und gibt bereitwillig Auskünfte und Empfehlungen über ihre Entdeckungen und Erlebnisse, denen wiederum begeistert auf ihrer Pinnwand gedankt wird. „Vielen Dank für die Bali-Tipps, ich bin in zwei Tagen da und werde die definitiv befolgen, freut sich eine Freundin aus Dallas. Eine neu zugezogene Schweizerin will unterdessen im Norden Deutschlands neue Freunde finden – und schreibt deswegen in ein Hamburg-Forum auf Facebook: „Ich komme in zwei Wochen nach Hamburg – und bleibe für ein Jahr. Kenne niemanden und freu mich daher über neue Kontakte. Feel free to add me“.

So einfach kommt man zu einer neuen Freundschaft. Doch tatsächlich geht es noch einfacher – nämlich über die universellste Völkerverständigung überhaupt. Sie findet in den brodelnden Flirtforen statt, wo wie im alten Rom ein Daumen nach oben oder unten genügt…

Wie Flirten in Facebook funktioniert, lesen Sie im nächsten Teil.

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