„Werbung allein ist nicht die Lösung“

Lars Hinrichs kann stolz auf das Erreichte sein. Während die meisten Social Networks wie StudiVZ oder Facebook noch immer fieberhaft nach Geschäftsmodellen für ihre Plattformen suchen, hat der Hamburger seine Plattform Xing erfolgreich an die Börse gebracht und soeben das lukrativste Quartal der Firmen-Geschichte verzeichnet. Im MEEDIA-Interview spricht Hinrichs darüber, wie er StudiVZ angreifen will, und warum man mit Online-Werbung nicht genug verdienen kann.

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Erklären sie XING in 30 Sekunden?
XING ist das führende Business-Netzwerk in Europa. Über 5,7 Millionen Geschäftsleute und Berufstätige nutzen XING in 16 Sprachen für Geschäft, Beruf und Karriere. XING fördert die Vernetzung und professionelle Kontaktpflege zwischen den Mitgliedern und macht die Verbindungen zwischen den Menschen sichtbar – eine unschlagbare Ressource, um Geschäftskontakte zu generieren. Mittlerweile hat sich XING von einer Plattform zu einem Web-Interface für Geschäftsleute auf der ganzen Welt entwickelt, mit dem XING Marketplace, mit über 15.000 Expertengruppen und Offline-Events von London bis Beijing. 

 
Wie läuft das neue Studenten-Angebot an?
Wir sehen, dass das Feature von den Leuten sehr gut angenommen wird. Mit den optimierten Profileinstellungen für Absolventen kommen wir ja nicht nur Neu-Mitgliedern entgegen: Bereits jetzt nutzen zahlreiche Studenten an internationalen Universitäten XING zum professionellen Netzwerken: In mehr als 1.300 Gruppen rund um das Thema Universität ist diese Zielgruppe derzeit auf XING organisiert, darunter etwa in der Harvard Community, der Almumi-Gruppe TU Wien oder der Community des Instituto Empresa Madrid. 

 
Greifen Sie damit StudiVZ an?


XING hat einen ganz klaren Business-Fokus. Professionelles Networking beginnt jedoch bereits im Studium: Sobald das Berufs- und Geschäftsleben für Studenten interessant wird, registrieren sie sich auf XING, da sie wissen, dass sie hier Anschluss an potenzielle Arbeitgeber sowie Alumni weltweit erhalten. Das ist nur über eine Business-Community möglich, deren Mitglieder bereits erfolgreich im Berufsleben stehen – und die findet man auf XING. Wir haben damit den Vorteil, dass wir die Leute in der längsten Phase ihres Lebens begleiten.



Für Lifestream.fm geben Sie zum ersten Mal den Feed für die Statusmeldungen der Mitglieder frei. Wird sich XING noch weiter öffnen?
Ja, wir arbeiten bereits daran, uns auch in ähnlichen Kontexten zu öffnen. Wichtig ist, dass dieser Kontext für unsere Mitglieder relevant ist.

Als eines der wenigen Social Networks schreiben Sie schwarzen Zahlen. Was machen die anderen falsch?
XING ist tatsächlich eines der wenigen Netzwerke weltweit, dem es gelungen ist, von Anfang an ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu etablieren. Werbung allein ist nicht die Lösung, man kann sich nicht auf Werbung als einzige Einnahmequelle verlassen. Deshalb finanzieren wir die Weiterentwicklung der XING-Plattform über drei Erlösquellen: Subscription, eCommerce und Werbung.
 
Bei StudiVZ sinken die Klickzahlen. Schwächt sich der Social Network-Boom bereits wieder ab?

Im Gegenteil: Die Bedeutung von Social Networking wird in der Zukunft noch weiter zunehmen. Social Networks – und insbesondere auch die Business-Netzwerke – haben das Potenzial, mittelfristig die bestehenden Portale abzulösen und können somit für Millionen Menschen das Einstiegsfenster ins Internet werden. Es ist für den Menschen offenbar wichtiger, zu wissen, was seine Kontakte machen, als die neuesten redaktionellen Nachrichten zu verfolgen. 


Werden Facebook & Co. wieder verschwinden? Oder wem gelingt – Ihrer Meinung nach – die Konsolidierung und der Aufbau eines funktionierendes Geschäftsmodells?


Die Frage, welche Unternehmen es im nächsten Jahr noch geben wird, ist sicher berechtigt. Man kann allerdings nicht alle sozialen Netzwerke, denen es nicht auf Anhieb gelingt, ihre Mitglieder zu monetarisieren, über einen Kamm scheren. Um langfristig erfolgreich eine Community zu betreiben, braucht man eine technische Infrastruktur und ein Geschäftsmodell, die beide skalieren. 


Können Social Communities ohne Premium-Angebot langfristig überhaupt überleben? Verschenken die kostenlosen Angebote wie StudiVZ ihre Netzwerke?


Es gibt sicher mehrere Wege, seine Mitglieder erfolgreich zu monetarisieren. Mit XING haben wir von Beginn an auf ein beitragsfinanziertes und skalierbares Geschäftsmodell gesetzt und konnten gerade ein Rekordquartal verbuchen: Im ersten Quartal 2008 ist die Zahl der zahlenden Premiumkunden um 58.000 gestiegen, mittlerweile haben wir insgesamt 420.000 zahlende Kunden – kein Social Network weltweit hat mehr Mitglieder, die für Premium-Funktionen zahlen. Im letzten Jahr haben wir unsere Geschäftsmodell dann um die Erlösquellen eCommerce und Advertising ergänzt, mit denen wir mittlerweile 20 % unseres Gesamtumsatzes generieren.

Setzte Sie bereits auf personalisierte Werbung und wie schützen Sie die Daten ihrer Mitglieder?


Wir möchten die Werbung auf XING für unsere Basismitglieder so relevant wie möglich machen und setzten dabei auf Targeting mittels anonymisierter geografischer und demografischer Merkmale. Derzeit gibt es auf XING zielgruppenspezifisches Targeting z.B. nach „Alter“, „Geschlecht“ und „Land/Region“. Dabei ist entscheidend: Personenbezogene Daten von Mitgliedern werden zu keinem Zeitpunkt an Dritte weitergegeben. Dazu zählen selbstverständlich alle persönlichen Angaben wie z.B. Adressen oder Handy- bzw. Telefonnummern von Mitgliedern. Werbung auf XING steht im Einklang mit den deutschen und europäischen Datenschutzgesetzen und –richtlinien, die sehr strikt sind. XING-Mitglieder haben zudem den Vorteil, dass sie selbst über ihre persönlichen Sicherheitseinstellungen entscheiden.
 
XING tastet sich so langsam ins Ausland. Was kommt als nächstes? Wann ist die USA dran?
 XING ist eine internationale Plattform mit Mitgliedern aus allen Ländern der Erde. Wir waren von Anfang an auch im Ausland aktiv, sind bereits seit 2005 erfolgreich in China mit einem Joint-Venture vor Ort vertreten. Mittlerweile haben wir weitere Büros in Barcelona und Istanbul. In den letzten Monaten haben wir unsere Internationalisierung beschleunigt und in 10 Monaten drei Netzwerke im Ausland akquiriert, zwei in Spanien und eines in der Türkei. Als europäischer Marktführer sind wir weiterhin kontinuierlich auf der Suche nach potenziellen Objekten oder Partnerschaften, auch in Amerika.

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