Web-TV: Joost jetzt mit deutschen Inhalten

Der internationale Web-TV-Anbieter Joost hat nun endlich auch Content-Verträge mit deutschen Produzenten geschlossen. Das Start-up überzeugte 13 Inhaltelieferanten wie Welt der Wunder und Süddeutsche Zeitung TV. Die Fernsehplattform bietet erst einmal deutschsprachigen Content für rund 100 Stunden. Vor zwei Jahren galt Joost als heißestes Start-up im Web. Doch die Gründer Niklas Zennström und Janus Friis begingen einen bösen strategischen Fehler. Jetzt wagen sie einen konzeptionellen Neuanfang.

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Die Kazaa- und Skype-Gründer Zennström und Friis sahen die Web-TV-Zukunft in einer softwaregestützten Lösung. Dabei mussten die Nutzer zum Joost-Konsum erst einmal ein Programm downloaden und installieren. Die Folge: Browserbasierte Konkurrenten wie Hulu.com überrollten im vergangen Jahr geradezu Joost.

Zennström, Friis und ihr Vorstandsvorsitzende Mike Volpi wagten Ende 2008 einen Neuanfang und bauten Joost nun auch zu einer browserbasierten TV-Plattform um. Jetzt folgt der Deutschland-Start mit einem überschaubaren Angebot: „Wir sprechen mit allen großen Medienunternehmen in der Welt. Deutschland ist da keine Ausnahme. Wir starten mit den kleinen Anbietern und müssen dabei den großen beweisen, dass wir ein wertvoller Partner sind. Ich hoffe, dass wir dann auch deren Inhalte bekommen“, sagte Volpi der „FAZ“. Start-Highlights sind Filme wie „Blade“, „Rush Hour“ oder „American History X“.

Zur Steigerung der Reichweite kooperiert Joost zusätzlich mit der eher unbekannten, aber nach eigenen Angaben fast zwei Millionen Mitglieder starken Community Netlog. Dessen Nutzer können Filme, Shows und Musikvideos nun in ihre Profile einbauen. Darüber hinaus lässt sich der Joost-Player auch in externe Internetseiten und Blogs einbauen.

Es könnte sein, dass der Joost-Strategiewechsel zu spät kam. Mit Hulu.com, YouTube in den USA oder Maxdome, YouTube oder auch Zattoo in Deutschland haben sich in den wichtigsten lokalen Märkten bereits starke Marken platziert. Volpi glaubt laut „FAZ“ trotzdem daran, dass noch viel Platz für seine Plattform vorhanden ist: „Der Markt steht noch ganz am Anfang. In den kommenden zehn Jahren wird viel passieren. Zum Beispiel werden sich die Geräte ändern, auf denen die Menschen ihre Filme anschauen, und die Art und Weise, wie die Menschen über die Filme diskutieren.“

Interessant: Zu den Joost-Investoren gehören auch die Finanzinvestoren und ProSiebenSat.1-Besitzer KKR und Permira. Bei dieser Konstellation wäre eine großangelegte Kooperation ein logischer Schritt: „ProSieben hat ein tolles Programm. Wir hätten sie natürlich gerne mit an Bord. Gegenwärtig ist das nicht der Fall. Aber bei Pro Sieben gibt es derzeit viele Veränderungen. Vielleicht werden sie sich bald für die Idee öffnen, dass Joost ihnen Potenzial als ergänzende Erlösquelle bietet“, sagte Volpi der Branchenwebsite Horizont.net.

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