Web-Erfolg soll Print-Misere stoppen

Die Aufholjagd beginnt. Businessweek.com liegt zwar an Reichweite und Renommee hinter Forbes.com, doch während dort immer weniger User reinklicken, legt Businessweek Monat um Monat zu. Zuletzt verzeichnete Compete für die Site einen Reichweitenanstieg von 9,5 Prozent. Gut 2,6 Millionen User lesen die Wirtschaftsseite monatlich. Wo also im Print Leser verloren gehen, scheint "BW" einen Weg gefunden zu haben, dies online wett zu machen. Wie? Lesen Sie dazu den Best of Web-Eintrag von Meedia.

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Dass es Zeitschriften im Internet-Zeitalter schwer haben, ist keine Frage. Besonders bedroht erscheinen uns vor allem zwei Kategorien: die Nachrichtenmagazine und die Wirtschaftspresse.

Die 78-jährige „BusinessWeek“, mit 4,8 Millionen Lesern in 140 Ländern „the world’s leading business magazine“, trifft es doppelt hart. Dem McGraw-Hill-Flaggschiff machen nicht nur die Leser-Wanderungen vom Print ins Internet zu schaffen, darüber hinaus tobt in der US-Wirtschaftspresse auch noch ein harter Verdrängungswettbewerb.

Zunächst brachte Condé Nast im April 2007 ein neues Monatsmagazin mit dem Titel „Portfolio“ heraus. Es sieht zwar, wie alle Condé-Nast-Titel, schön und edel aus, ist aber ziemlich langweilig. In der Branche gilt das Magazin mittlerweile als 100-Millionen-Dollar-Flop. Dann kam der Doppelschlag von Rupert Murdoch: Im Sommer 2007 kaufte er zunächst das „Wall Street Journal“, im Oktober launchte er den TV-Channel „Fox Business“.

Die Folge dieses Überangebots: „BW“, wie das Wochenblatt kurz genannt wird, muss um seine 900.000 Exemplare Garantieauflage kämpfen. Und für die Wirtschaftlichkeit noch viel schlimmer: Das Anzeigengeschäft fiel um über 15 Prozent. Gerüchteweise heißt es, „BusinessWeek“ soll tiefrote Zahlen schreiben. Vor diesem Hintergrund machte McGraw-Hill das, was ein Verlag immer macht, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht: einen umfassenden Print-Relaunch.

Erstaunlicherweise hat sich Chefredakteur Stephen Adler, der 2005 vom „Wall Street Journal“ gekommen war, dabei den britischen „Economist“ zum Vorbild genommen: Die neue „BusinessWeek“ kommt jetzt ruhiger, weißer und aufgeräumter daher. Ob dieser Relaunch aber die Probleme beseitigt, erscheint mehr als zweifelhaft. Die Experten sind sich ziemlich einig: „The magazine is in an uphill battle.“

Gut, dass es da noch die Website der Zeitschrift gibt. Businessweek.com baut auf schlichtes Layout und Informationsdichte: In der Artikelfülle kann der Leser schnell einmal versinken. Gegenpunkte setzen da die umfassende Video-Sektion und Blogs sowie Kolumnen. Technologie-Themen spielen eine große Rolle. Außerdem Investing, Companies, Small Biz – das ganze Programm. 
Manch ein Beobachter fragt sich da, ob es nicht besser wäre, die Zeitschrift ganz einzustellen und sich nur noch aufs Web zu konzentrieren. Eine interessante Frage…

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