Web.de buhlt um Social Network-User

Neuer Chef, frische Ideen und eine Umorientierung des Unternehmens: Seit Oktober ist Jan Oetjen CEO des größten deutschen Internet-Portals. Der „FAZ“ verriet er nun, wie er die United Internet-Tochter für die Zukunft fit machen will. Bislang wurde Web.de nur als E-Mail-Anbieter wahrgenommen. Doch alleine die Nachrichtenseiten der Plattform aus Karlsruhe sehen mehr Surfer als die Homepage von Spiegel Online. Oetjens Zukunft-Vision: Web.de soll zur Web2.0-Zentrale werden.

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Mit der neuen Strategie will Oetjen offenbar die Abwanderung junger Nutzer in Social Networks wie Lokalisten oder StudiVZ verhindern. „Web.de soll der zentrale Kommunikationspunkt im Internet werden, an dem die Nutzer die Nachrichten aus allen sozialen Netzwerke in einem Postfach verwalten können“, schreibt „Netzökonom“ Holger Schmidt in seinem Faz.net-Blog. Die Nutzer müssten dann nicht mehr extra zu Xing oder Flickr surfen, um ihre Kontakte zu pflegen Fotos einzustellen und zu verwalten. Dieser Taktik-Wechsel ist jedoch keine Innovation. Personalisierte-Startseiten wie Pageflakes und Netvibes oder das Hamburger Start-up Allyve verstehen sich bereits heute als neuartige Web2.0-Cockpits. Wann die Umbaumaßnahmen beginnen sollen ist unklar. Auf Anfrage von MEEDIA, konnte Web.de am Montagmorgen noch keine Angaben zur „FAZ“-Story machen.

Die Tochter des Web-Multis United Internet will sich mit seinem Strategie-Wechsel frühzeitig auf die neuen Web-Begebenheiten einstellen. Ein guter Zeitpunkt: Noch ist das aus einer Position der Stärke möglich. Zusammen mit seinem Schwester-Unternehmen Gmx.de hat Web.de über zwölf Millionen E-Mail-Kunden. Doch neueste Studien zeigen, dass die E-Mail-Nutzung rückläufig ist und Messenger-Systeme – vor allem innerhalb der Social Networks – immer beliebter werden. „Oetjen sieht in seinen internen Zahlen allerdings keinen Reichweitenverlust. Auch glaubt er die Zielgruppe für die E-Mail-Anbieter nicht verloren“, scheibt Holger Schmidt.

Die aktuelle Reichweitenentwicklung zeigt jedoch ein anderes Bild. In der aktuellen AGOF-Analyse (internet facts 2008-II) liegen die Karlsruher mit einer Reichweite von 30,4 Prozent und 12,43 Millionen Unique Usern hinter T-Online auf Platz zwei. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet Web.de dabei ein Minus von 1,7 Prozent. Der Abstand zum AGOF-Dritten Msn.de ist aber noch immer gewaltig. Die Microsoft-Seite kommt lediglich auf eine Reichweite von 26,4 Prozent und 10,74 Millionen einzelnen Besuchern.

Der erste Versuch von Web.de mit einem eigenen Social Network im Web2.0-Markt Fuß zu fassen, scheitere bislang kläglich. Mit viel PR-Donner und Vorschusslorbeeren startete Mitte 2007 das eigene Netzwerk Unddu.de. Bereits nach wenigen Wochen war jedoch klar: Die Nutzer ignorieren die Community.

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