Vogue: Reality-TV mit Supermodels

Bei Model-Formaten kann man derzeit kaum etwas falsch machen. Eine ungewöhnliche Variante hat sich die US-Modezeitschrift „Vogue“ zusammen mit der Pariser Modelagentur IMG vorgenommen. Ab August starten sie die Web-Reality-Show „Model.Live“. Sie zeigt Ausschnitte aus dem Leben von drei Frauen auf dem Weg zum Top-Model. Condé Nast, Herausgeber von „Vogue“, will mit der Internet-Serie jüngeres Publikum ansprechen und gleichzeitig mehr vom wachsenden Online-Werbekuchen abbekommen.

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Im Gegensatz zu der Show „Germanys Next Topmodel“ treten hier nicht No-Names in einem der Quote zugute kommenden Zickenkrieg gegeneinander an. Vielmehr werden Geschichten aus dem Alltag von drei Top-Models erzählt. Protagonisten sind die „verrückte“ 20-jährige Amerikanerin Madeline Kragh, das „wohlerzogene“ 19-jährige Prada-Model Cato Van Ee aus Holland und die „süße“ 16-jährige Austria Alcantara aus der Dominikanischen Republik.

Die Mädchen werden zwar rund um die Uhr beim Stylisten, auf dem Flughafen oder am Set gefilmt – alles soll dabei aber nicht an die Öffentlichkeit dringen. „Natürlich werden wir einiges zensieren“, sagt IMG Media Executive Producer Russel Quy dem “Wall Street Journal“ auf die Frage nach den Umgang mit Untugenden wie Trinken oder Rauchen: „Wir wollen ja niemanden bloßstellen.“  Dennoch will man die Show so authentisch wie möglich gestalten; wenn ein Model eine Absage bekommt, dürfen auch mal Tränen fließen.

Die erste Staffel der neuen Internet-Serie „Model.Live“ umfasst zwölf Episoden, die jeweils acht Minuten dauern. Ihr Debüt ist am 19. August. Da Web-TV derzeit extrem „en vogue“ ist – es wird erwartet, dass US-Werber dieses Jahr mehr als 1,35 Milliarden Dollar und damit doppelt so viel wie 2007 in Online-Video-Werbung investieren –  lässt sich der Condé Nast-Verlag das Experiment einiges kosten. Drei Millionen Dollar  ist den Machern die Video-Soap wert – das sind pro Minute Produktionszeit rund 31.000 Dollar. Damit ist „Model.Live“ aktuell eines der teuersten Internet-TV-Formate.

Nach einer Studie des US-Marktforschungsunternehmens Forrester wurden 2007 im Durchschnitt 4500 Dollar in ein Online-Video investiert. Vogue.com verspricht sich von der Serie, die drei Monate zu sehen ist, insgesamt 83,4 Millionen Klicks. Die Show wird nicht nur on-demand auf Vogue.tv gezeigt, sondern auch auf Veoh.com und Hulu.com. Gleichzeitig können Vogue.tv-Zuschauer sich mit der Video-Community Bebo.com vernetzen, dort Updates ansehen und mit den Stars der Serie interagieren.

Mit im Boot ist der amerikanische Händler Express LLC, einer der Hauptsponsoren der Sendung. Der Einzelhändler will eigene Kleidung für die Models bereitstellen. Ein Marketing-Clou: Noch während der Sendung kann der Web-Zuschauer auf einen Link klicken und genau die Ensembles der Models oder zumindest ähnliche, die bei Express LLC im Sortiment sind, kaufen.

Das Interesse an der Modeindustrie ist groß, das haben die Einschaltquoten bei Heidi Klums „Germanys Next Top-Model“ bewiesen. Insofern: Gut möglich, dass das Konzept aufgeht. Vogue Publishing Director Tom Florio will die Plattform Vogue.tv  eventuell auch in Zukunft für andere Web-Formate nutzen.

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