US-Künstler boykottieren iTunes

Immer mehr US-Künstler ziehen ihre Alben aus Apples Online-Musikladen iTunes zurück. Grund: Wenn sie einen Hit haben, lässt sich mit traditionellen CD-Verkäufen mehr Geld machen. Prominentes Beispiel ist Kid Rock. Sein Album "Rock'n'Roll Jesus" mit der furiosen Hit-Single "All Summer long" wurde in den USA nicht bei iTunes angeboten. Dafür hat er 1,7 Mio. CDs verkauft. Atlantic Records hat jetzt gar ein Monate altes Album der Sängerin Estelle von iTunes zurückgezogen, weil sie plötzlich einen Hit hatte.

Anzeige

Das Kalkül der Manager: Wenn sich die Fans die komplette CD für 10 bis 15 Dollar im Laden kaufen, machen sie mehr Reibach, als wenn sie sich für 99-Cent lediglich die Single bei iTunes runterladen. Der Top-Hit „I kissed a girl“ von Katy Perry wurde 2,2 Millionen Mal bei iTunes heruntergeladen. Das dazugehörige Album nur 282.000 Mal. Ein weiteres Beispiel für die aktuelle iTunes-Allergie bei erfolgreichen US-Acts sind die Altrocker von den Eagles. Ihr jüngstes Album „Long Road out of Eden“ wurde in den USA exklusiv über Wal-Mart-Filialen verkauft. Die Supermarktkette ist der größte CD-Händler in den USA. Eagles-Manager Irving Azoff hat dem „Wall Street Journal“ erklärt, dass die Erlöse aus iTunes-Verkäufen für die Eagles in den vergangenen Jahren sehr enttäuschend gewesen seien. Seit dem Start von iTunes 2003 habe die Band nur rund 500.000 Dollar Umsatz mit iTunes gemacht, rechnete das „Wall Street Journal“ aus. Das wäre in der Tat äußerst mickrig. Im deutschen iTunes-Store sind die Lieder von Kid Rock und den Eagles ürigens auch einzeln zu kaufen.

Apple besteht bei iTunes darauf, dass fast alle Lieder auch einzeln gekauft werden können und dass kein Song über 99 Cent kostet. Das ist natürlich sehr kundenfreundlich, für die Musikindustrie aber die Pest. Die Zeiten, in denen die viel lukrativeren Alben mit reichlich Füllmaterial weggingen wie warme Semmel, sind vorbei. Apple selbst behauptet, mit iTunes nur einen geringen Profit zu machen, da der Betrieb des Online-Ladens so kostenaufwändig sei. Apple behält von allen Verkäufen bei iTunes 30 Prozent ein, egal ob Single oder Album. Für Apple ist das aber auch nicht weiter schlimm. iTunes ist für die Kalifornier in erster Linie ein Service-Instrument und Promotion-Tool für den Musikabspieler iPod.

Die Musiklabels können iTunes trotz wachsenden Unmuts kaum ignorieren. In den USA werden 90 Prozent der legalen Musik-Downloads über iTunes abgewickelt. Die Hardrock-Kombo Metallica hatte sich auch lange Zeit iTunes verweigert. 2006 beendeten die harten Jungs den iTunes-Bann. Ihr neues Album „Death Magnetic“ kann man nun sogar bei iTunes vorbstellen. Die Angst der Musiker, iTunes komplett den Rücken zu kehren ist verständlich. Die illegalen Tauschbörsen sind nur einen Klick entfernt.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige