„Unmöglich, mit Zeitungen Geld zu machen“

Der Tag X ist da: Der "Seattle Post-Intelligencer hat seine letzte Ausgabe gedruckt", verkündete das US-Traditionsblatt seinen Lesern gestern, um nach 146 Jahren in Papierform Abschied zu nehmen. Weiter geht es im Internet, was jedoch nach Meinung des renommierten US-Finanzjournalisten James Cramer ("Mad Money") ebenfalls ein relativ hoffnungsloses Unterfangen sein dürfte – auch für die Online-Ausgabe sieht Cramer keine Chance auf Rentabilität. Trotzdem müsse man Zeitungen unbedingt erhalten.

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Der Tag X ist da: Der „Seattle Post-Intelligencer hat seine letzte Ausgabe gedruckt“, verkündete das US-Traditionsblatt seinen Lesern gestern, um nach 146 Jahren in Papierform Abschied zu nehmen. Weiter geht es im Internet, was jedoch nach Meinung des renommierten US-Finanzjournalisten James Cramer („Mad Money“) ebenfalls ein relativ hoffnungsloses Unterfangen sein dürfte – auch für die Online-Ausgabe sieht Cramer keine Chance auf Rentabilität. Trotzdem müsse man Zeitungen unbedingt erhalten.

James Cramer ist ein Mann der klaren Worte. Nur allzu gerne teilt der Börsenkommentator in dem beliebten TV-Format „Mad Money“ aus, manches Mal aber steckt er auch ein – wie gerade im TV-Duell mit dem US-Comedian Jon Stewart.  

Was dabei gern vergessen wird: Cramer ist nicht nur ein intimer Kenner der Wall Street, sondern auch ein Vollblut-Journalist, der auf seiner Finanzwebsite TheStreet.com täglich mehrere Beiträge abfeuert – die meisten davon mit scharfem Blick und spitzer Feder.

„Es ist schlicht nicht mehr möglich, mit Zeitungen Geld zu verdienen“

Jüngste Beobachtung: Die Verlagsbranche ist nicht nur ein schwieriger, sie ist auch ein hoffnungsloser Fall, schreibt Cramer in seinem Artikel „Die Wege der Schreibmaschine“. Cramer macht diese Einschätzung am Fall des „Seattle Post-Intelligencers“ fest, der mit seiner heutigen Ausgabe nach 146 Jahren den Druckbetrieb einstellt, um künftig mit einer Online-Version weiter den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Doch auch das wird mit der von 180 auf 20 Redakteuren geschrumpften Mannschaft nicht gelingen, glaubt Cramer. „Es ist schlicht nicht mehr möglich, mit Zeitungen Geld zu verdienen“, legt sich Cramer kategorisch fest. „Es gibt einen überlegenen Weg, um Nachrichten zu verbreiten – nämlich das Internet. Doch das Internet ermöglicht es nicht, die Produktionskosten zurückzuverdienen.“

Paradigmenwechsel drängt Zeitungsbranche ins Abseits

Für Cramer liegt das Dilemma in einem Paradigmenwechsel, den er bereits einmal in einer anderen Ära erlebt hat. „Als ich angefangen habe“, schreibt der 53-jährige ehemalige Hedgefondsmanager, „war Smith Corona eine der heißesten Aktien – ein Unternehmen, das jüngere Leser gar nicht mehr kennen“. Zur Erinnerung: Smith Corona stellte elektrische Schreibmaschinen her.

„Damals benutzten wir alle Smith Corona – bis der Siegeszeug der Textverarbeitungsprogramme begann. Plötzlich war die Schreibmaschine verschwunden. Textverarbeitungsprogramme waren schlicht das überlegene System. Smith Corona wurde verkauft, und die  Schreibmaschinensparte verschwand.“

Dieselbe Analogie zieht Cramer nun zwischen den gedruckten und digitalen Medien. „Wenn ich nun die Situation auf dem US-Zeitungsmarkt beobachte, dann muss ich wieder an Smith Coriona denken. Ist Garnett nicht die heutige Smith Corona? Oder McClathchy? Oder die New York Times?“

Google bestimmt die Regeln des Spiels – zum Leidenwesen der Zeitungsverlage

Das Grundproblem liegt für Cramer nun darin, dass den Verlagen der Transfer ins digitale Zeitalter nicht gelingen kann, weil es einen übermächtigen Gegner gibt, der die Regeln des Spiels selbst bestimmt: „Der große Computer, der das Textverarbeitungsprogramm unserer Ära herstellt, ist Google. Wer braucht schon gedruckte oder digitale Inhalte, wenn man sie von Google bekommen kann?“

Dieses Missverhältnis zwischen Soll und Haben zu beheben, liegt nach Cramers Ansicht nicht mal in den Händen der Verlage. „Man kann im Web kein Geld verdienen, weil die Produktionskosten zu hoch und die Werbeerlöse zu klein sind – und zwar auch deshalb, weil der große Computer Google bestimmt, welche Erlöse am Ende des Tages fließen“.

Die Zukunft der Zeitung: Ein meinungsbildendes Wohltätigkeitsprodukt, das man sich leisten können muss

Trotzdem sieht Cramer den Fortbestand der Zeitung als existenziell an. „Zeitungen sind öffentliches Bildungsgut. Sie sind wie Universitäten.  Wir brauchen eine freie Presse“, fordert der ehemalige Fondsmanager von Goldman Sachs.

Deshalb sieht Cramer die einzige Existenzberechtigung für die Zeitung der Zukunft als meinungsbildenden Bestandteil, den sich ein Großverlag leisten können muss. „Ich sehe keinen Weg aus dem Dilemma, außer dass ein Großverlag wie News Corp. weiter Zeitungen betreibt, um die Meinung zu kontrollieren. Es gibt genug Vermögen und Wohlstand in den USA, um Zeitungen als Wohltätigkeitsprodukt in der Nähe der schwarzen Null zu finanzieren – aber börsengelistete Unternehmen können diese Gesellschaften nicht sein.“
 
Cramer schließt seine harte Analyse mit einem traurigen Fazit: „Es ist eine Schande, aber die Tatsache, dass Zeitungen kein Geld verdienen können, macht sie zu Universitäten des geschriebenen Wortes. Ich liebe Universitäten, ich spende ihnen Geld.  Aber ich würde niemals in sie investieren.“
 

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