Tina Brown zähmt „The Daily Beast“

Lady Evans bereitet eine Online-People-Plattform vor, die sie „The Daily Beast“ nennen wird. Interesse geweckt? Null. Diese Lady Evans wird dabei in New York City von Barry Diller, dem Chef des Internet-Konzerns IAC, unterstützt. Interesse? Na ja. Hinter Lady Evans verbirgt sich niemand anderes als Tina Brown, die Tina Brown. Intere...? Riesig. Alle fragen sich: Was wird die legendäre Magazin-Journalistin – kürzlich noch gefeiert als Autorin der definitiven "Diana"-Biographie – diesmal wieder anzetteln?

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Viel ist über die neue Ambition von Tina Brown noch nicht durchgesickert. Da scheint die Engländerin, die seit langer Zeit, verheiratet mit Sir Harald Evans, in New York lebt, aus einem Misserfolg gelernt zu haben. Denn ihr letztes Projekt, die Herausgabe des Magazins „Talk“, ging gnadenlos schief. Auch, weil im Vorfeld ein enormer Hype rings um die Aktivitäten von Manhattans „Queen of buzz“ entwickelt worden war.

Das Wichtigste, was bislang bekannt wurde: Der robuste IAC-Boss Barry Diller unterstützt – vielleicht sogar: finanziert? – die Neuerfindung von Tina Brown als Online-Publizistin. Auch soll ein halbes Dutzend Redakteure bereits im IAC-Glaspalast (von Star-Architekt Frank Gehry entworfen) an der Arbeit sein. Und, natürlich: Der Name „The Daily Beast“  stammt aus der Novelle „Scoop“, die der Schriftsteller Evelyn Waugh 1938 veröffentlichte und bezeichnet auch dort schon eine hart, gelegentlich schamlos gefahrene Publikation.

Tina Brown weiß, wie dünn das Eis ist, auf dem speziell die New Yorker Gesellschaft sich noch amüsiert selbst betrachtet; und welche Einbrüche man erwarten muss, wenn man der High Society wirklich an den Kragen geht. Auch die bösen Schriftsteller-Genies Truman Capote und Norman Mailer bekamen diese Zwiespältigkeit zu spüren, bevor ihnen die Luft abgedreht wurde.

Lady Evans wird das nicht passieren. Die 55-Jährige hat Erfahrung im Umgang mit heiklem Content. Sie hat ihre Karriere bereits 1979 als Herausgeberin des Magazins „Tatler“ begonnen, wo es ihr in kurzer Zeit gelang, dessen Auflage zu vervierfachen.

Berühmt wurde sie danach als Chefin der Zeitschrift „Vanity Fair“, deren Auflage sie von 200.000 auf über eine Million Exemplare steigerte. „Vanity Fair“ gilt noch heute weltweit als (allemal durch ihre deutsche Version) unerreichtes Vorbild für ambitionierten Gesellschafts-Journalismus.

Danach konnte eigentlich nicht mehr viel kommen. Es sei denn, aus einer Nische. In einer solchen hatte sich bislang das Intellektuellen-Blatt „The New Yorker“ aufgehalten: wertvoll, witzig, abseitig. Von Geheim-Codes geprägt. Tina Brown verordnete der Greenwich-Village-Postille jede Menge Änderungen, was einer Revolution gleichkam. Man stelle sich vor: Erstmals wurde ein Inhaltsverzeichnis, wurden Fotografien statt nur Zeichnungen im „New Yorker“ veröffentlicht. Belohnung: ein Plus von 250.000 Lesern – und zwar, ohne die alten Fans des Blatt zu vergraulen.

Ja, ja, die Frau Brown hat schon den richtigen Biss, auch wenn sie sich an ihrem letzten „Talk“-Happen wie gesagt fast verschluckt hätte. Wünschen wir uns,  dass die Schöne und das Biest eine perfekte Liaison eingehen – vielleicht ließe diese ja nicht nur den immer noch ein bisschen schmuddeligen Drudge Report erzittern und würde der „Huffington Post“ Beine machen. Sondern vielleicht wären die biestigen Auswirkungen ja auch in der schläfrigen deutschen Online-Landschaft zu spüren.

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