StudiVZ wehrt sich gegen Facebook

Das us-amerikanische Social Network Facebook hat das deutsche Pendant StudiVZ vor einem kalifornischen Gericht verklagt. Grund: Das deutsche studiVZ habe Design und Features von Facebook kopiert und sich sogar illegalen Zugriff auf Facebook-Rechner verschafft. Die Klageschrift von Facebook umfasst 116 Seiten. StudiVZ hat in einer Stellungnahme die Vorwürfe von sich gewiesen. Die Vorwürfe seien haltlos, teilte CEO Riecke mit. Facebook versuche den Erfolg von StudiVZ juristisch zu behindern.

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StudiVZ wurde Anfang 2007 für über 50 Mio. Euro von Stefan von Holtzbrinck übernommen. StudiVZ wurde als Startup in Berlin im Oktober 2005 gegründet – rund 18 Monate nachdem Facebook in den USA gestartet war. War Facebook in Amerika zunächst ein Online-Verzeichnis für Harvard-Studenten, startete StudiVZ als allgemeines Studenten-Verzeichnis für Deutschland. Die Gründer Dennis Bemmann, Michael Brehm und Ehssan Dariani orientierten sich dabei in Design und Funktionalitäten sehr stark an dem US-Vorbild. Größtes Unterscheidungsmerkmal war, dass Facebook in der Farbe Blau gestaltet war und StudiVZ in der Farbe Rot.

StudiVZ wird vorgeworfen, in den Anfangstagen sogar Skripte und Code-Teile eins zu eins von Facebook übernommen zu haben. Dies habe bei StudiVZ zu Beginn dazu geführt, dass in Fehlermeldungen u.a. auch der Name „Facebook“, bzw. „Fakebook“ als Gag eines Programmierers, auftauchte. Hierauf bezieht sich wahrscheinlich die Klage, wenn davon die Rede ist, StudiVZ habe sich illegal Zugriff auf Facebook-Rechner verschafft. Facebook ist mittlerweile mit nach eigenen Angaben rund 80 Mio. registrierten Nutzern eines der größten Sozialen Netzwerke weltweit. In Deutschland hinkt Facebook freilich hinter der Kopie StudiVZ hinterher. StudiVZ und der Ableger SchuelerVZ sind laut IVW Online mit jeweils vier bis sechs Milliarden Page Impressions pro Monat die reichweitenstärksten Online-Angebote überhaupt. Hinzu kommt das noch nicht IVW-geprüfte MeinVZ für alle, die dem Schüler- und Studi-Leben entwachsen sind.

Von Seiten StudiVZs hieß es am Wochenende, die Klage von Facebook sei noch nicht zugestellt worden. Die über Medien bekannt gewordenen Vorwürfe seien aber haltlos. StudiVZ-CEO Markus Riecke sagte: „Nachdem es Facebook trotz aufwändiger Bemühungen bisher nicht gelungen ist, in Deutschland Fuß zu fassen, versucht man jetzt offenkundig, den Erfolg von studiVZ gerichtlich zu behindern.“

Fragt sich, warum Facebook erst jetzt juristisch gegen die Nachmacherei von StudiVZ vorgeht. Möglicherweise haben die Amerikaner den deutschen Klon lange nicht ernst genommen. Erst seit März 2008 ist Facebook mit einem eigenen deutschen Angebot präsent, das bei Klick- und Nutzerzahlen in der Tat weit hinter StudiVZ und SchuelerVZ hinterherhinkt. Für Holtzbrinck bedeutet ein Verfahren vor einem US-Gericht jedenfalls ein beträchtliches finanzielles Risiko.

Pikante Randnotiz: Die Investorenbrüder Samwer (European Founders Fund) haben zunächst StudiVZ als Startup finanziert. Nach dem Verkauf von StudiVZ an Holtzbrinck sind sie dort ausgestiegen und haben sich an Facebook beteiligt.

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