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Springer will Aufeminin-Debakel abwenden

Erst die Pin-Pleite und jetzt Aufeminin? Kritiker sehen Springer-Chef Mathias Döpfner schon vor dem nächsten Fehlengagement. 280 Millionen Euro investierte er im Oktober 2007 in das französische Frauenportal "Aufeminin.com". Seitdem fällt die Aktie der paneuropäischen Plattform. Döpfners Erste-Hilfe-Maßnahme: Mit Doris Wiedemann gibt es endlich eine Deutschland-Chefin. Bislang konnten die Franzosen und ihr Chef Bertrand Stephann weitgehend unkontrolliert machen, was sie wollen.

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Aktuell bewertet die Pariser Börse die Aktie des paneuropäischen Portals mit 16,36 Euro. Als die Axel Springer AG im Oktober 2007 68,25 Prozent der Plattform übernahm, lag das Papier noch bei 32 Euro je Anteil. Damit hat Springer innerhalb von sieben Monaten die Hälfte seiner Investition verloren.

Verantwortlich für den Niedergang der Aktie ist ein deftiger Gewinneinbruch im ersten Quartal 2008. Verdiente das Portal 2007 noch 22,5 Millionen Euro, fiel der Überschuss im ersten Quartal diesen Jahres um 30 Prozent. Vor allem die Werbeeinnahmen sinken, was allerdings weniger an der Akquise liegt, als vielmehr technische Hintergründe hat. Seine überdurchschnittlich hohen Werbeeinnahmen verdankte das französischen Portal bislang vor allem einem speziellen Smartserver zur Auslieferung der Online-Reklame. In diesem Bereich hat die Vermarkter-Konkurrenz aufgeholt und massiv in eigene Serverlösungen investiert.

Als zweiten Grund für die Krise macht Bertrand Stephann, der Chef des Frauenportals, kurioserweise die hohen Springer-Investitionen verantwortlich. Denn sobald die deutschen Millionen ankamen verdoppelte Stephann die Mitarbeiterzahl von 80 auf über 160 Angestellte. Eine Kostensteigerung, die mit dem tatsächlichen Umsatzwachstum nicht mithalten konnte.

Sowohl bei den Neueinstellungen wie auch beim Verlust des technischen Vorsprungs ließen Döpfner und sein Multimedia-Vorstand Andreas Wiele Stephann unkontrolliert gewähren. Jedenfalls die Springer-Manager gingen das Thema Aufeminin offenbar viel zu lax an. Erst am gestrigen Donnerstag reagierte Wiele, und berief mit Doris Wiedemann endlich eine Deutschland-Chefin. Davor arbeitet sie als Verlagsleiterin New Media bei Springers Mediahouse. Offiziell ist Wiedemann Stephann unterstellt, soll aber endlich für eine engere Kommunikation zwischen Paris und dem Mutterhaus sorgen. Dazu beginnen in München jetzt die ersten drei einheimischen Vermarkter mit der Arbeit. Bisher ließ Aufeminin seine Werbeplätze von T-Online mitverkaufen.

Eigene Inhalte und Texte produziert der Deutschland-Ableger des europäischen Frauenportals aber immer noch nicht. Bislang übersetzt eine (!) Mitarbeiterin in Paris lediglich die französischen Texte.

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