Spielemesse zum letzten Mal in Leipzig?

Am Mittwoch beginnt mit der Games Convention (GC) die europäische Leitmesse der Computerspielebranche in Leipzig. Vielleicht zum letzten Mal: Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) plant einen Umzug nach Köln, um dort 2009 mit der Gamescom eine neue Messe aufzubauen. Begründung: Leipzig sei zu klein, biete zu wenig gute Hotels und habe nur schlechte Verkehrsanbindung. Branchenkenner befürchten laut „Berliner Zeitung“ eine Zerreißprobe für die weltweit mitführende Spielemesse.

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Der BIU sieht in Köln die für eine europäische Leitmesse erforderliche Wachstumsperspektive – doch wenn sich Leipzig nicht fügt, könnte es im kommenden Jahr zu zwei konkurrierenden Veranstaltungen kommen: Der Leipziger Games Convention und der Kölner Gamescon. Laut „Berliner Zeitung“ habe das Management früher durchblicken lassen, die GC möglicherweise weiterzuveranstalten. Internationale Anbieter stünden dann vor der Frage, wo sie Fachbesucher und Publikum am effektivsten erreichen können.

Bei der Messe Leipzig konzentriert man sich derzeit auf die bevorstehenden Tage. Dagegen gibt sich der für die Gamescon verantwortliche BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters schon jetzt siegessicher: „Wir erwarten, dass wir bei der Gamescon Zuwächse in allen Bereichen erzielen können“, zitiert ihn die „Berliner Zeitung“. Aus seiner Sicht könne es in Deutschland nur eine Branchenmesse geben: „Diese wird dort sein, wo der Verband sich mit seinen Mitgliedern engagiert“, so Wolters. Bei einem möglichen Showdown im kommenden Jahr rechne er damit, den heutigen Rivalen Leipzig ausschalten zu können.

Die Games Convention hat große Bedeutung für die Branche, die immer noch rasant wächst: Der BIU erwartet bei Computerspielen für 2008 ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der Umsatz des Gesamtjahrs soll bei 2,6 Milliarden Euro liegen. In den kommenden fünf Jahren wird der Videospielemarkt in Deutschland pro Jahr mit durchschnittlich 10,5 Prozent wachsen. PricewaterhouseCoopers prognostiziert für das Jahr 2012 einen Umsatz von 4,1 Mrd. US-Dollar durch Spiele für Konsolen, PCs, Mobiltelefone und andere portable Geräte. Der weltweite Markt wird mit einer Wachstumsrate von 10,3 Prozent auf 68,3 Mrd. US-Dollar zulegen.

Voriges Jahr besuchten 185.000 Spiele-Interessierte die Leipziger Messe, für die kommenden Tage werden rund 200.000 erwartet. Rund 550 Firmen präsentieren ihre Produkte vor Ort, ebenfalls Höchststand. Angekündigt sind 250 Computerspielepremieren, daruner der Ego-Shooter Far Cry 2, das Prügelspiel Street Fighter IV, das Rollenspiel Diablo II, FIFA `09 und der Horror-Gassenhauer Resident Evil V. Allein der Disney-Konzern stellt zehn neue Spiele für Kinder und Familien vor, Branchenprimus Electronic Arts hat vier neue Spiele der Sims-Reihe im Gepäck.

Auch für die Werbeindustrie wird der Spiele-Markt durch sogenanntes „In-Game-Advertising“ immer interessanter. Microsoft ist hier mit seiner Tochter Massive tätig, Sony Computer Entertainment hat einen eigenen Geschäftsbereich namens Network Advertising gegründet. Seit der Übernahme von Adscape 2007 experimentiert auch Google mit In-Game-Werbung. Die Kunden scheint’s nicht zu stören:  Laut einer Nielsen-Studie reagieren 82 Prozent der Spieler positiv auf „In-Game-Ads“. Zudem stieg die positive Wahrnehmung aller im Spiel beworbener Produkte im Schnitt um 61 Prozent an.

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