Rettet die „WAZ“ den Web-Journalismus?

Ernsthafte Absicht oder taktisches Geplänkel? Die WAZ will ab 2009 auf die Dienste der Presseagentur dpa verzichten. Ob die Verlags-Manager das Gerücht aber nur nutzen um die Kosten von vier Millionen Euro pro Jahr zu drücken, ist noch unklar. Für die dpa ein herber Verlust, doch für den Online-Journalismus könnte der Verzicht ein Befreiungsschlag sein. Die Redakteure müssten mehr recherchieren und schreiben. Die Folge: Weniger News, aber auch mehr Abwechslung.

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Die Überlegungen von WAZ-Chef Bodo Hombach gehen dahin, den dpa-Basisdienst nicht über Dezember 2008 hinaus verlängern. „Den Informationen zufolge wird derzeit nur noch geprüft, ob auch auf die dpa-Bilderdienste oder kleinere Nachrichtenmodule verzichtet werden soll“, schreibt Welt Online. In der Essener Konzernzentrale der „Westdeutsche Allgemeinen Zeitung“ hofft man so auf Einsparungen von bis zu vier Millionen Euro.
 
Seit rund einer Woche, diskutieren die Verlags-Manager bereits jede Einsparmöglichkeit. So soll der Zeitungsumfang bald auf 32 Seiten begrenzt werden, dazu wird gemunkelt, dass rund 300 der aktuell 900 Redakteursstellen zur Disposition stehen.

Für den WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz ist eine dpa-Kündigung keine neue Maßnahme. Bereit 2004 beendete er als Chef der „Rheinischen Post“  die Zusammenarbeit mit der Hamburger Presseagentur. Damalige Einsparung: rund eine Millionen Euro. Reitz begründete den Schritt damals, dass er sowieso vorhabe das Blatt zu einer Autoren-Zeitung umzubauen. Genau das könnte nun die große Chance für das WAZ-Online-Portal DerWesten sein. Entfernt man von der Homepage alle dpa-Geschichten, wären am Mittwochabend – nach einer Analyse des Pottblog – nur noch 15 der 26 Artikel auf der Startseite übrig – möglicherweise ein Glücksfall für den deutschen Online-Journalismus.  Denn die elf Storys, auf die DerWesten verzichten müsste, gibt es sowieso bei den meisten anderen Web-Nachricthen-Portalen mit denselben oder nur leicht geänderten Text.

Die meisten der deutschen News-Angebote im Internet greifen auf Agentur-Meldungen zurück. „Ticker-Journalismus“ nennt die Tagesspiegel.de-Chefredakteurin Mercedes Bunz, diese besondere Form der Online-Berichterstattung. Die Folge ist ein Einheitsbrei, wie ihn Medienkritiker Stefan Niggemeier immer wieder anklagt.

Fällt nun dieses Drittel der Geschichten aus dem Blatt oder von der Webseite, weil sie bislang von dpa geliefert wurde, würde die  Arbeitsgeschwindigkeit der Redaktion stark zurückgehen, denn sie wäre zu mehr Schreib-Arbeit, mehr Recherche und mehr Kreativität gezwungen. Das Ende des Journalistischen-Einheitsbreis könnte die Folge sein, aber auch ein langsamerer Nachrichtenfluss.

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