‚Redakteuren Kameras zu geben, reicht nicht‘

N-TV ist ein schlafender Riese – zumindest im Web. In der IVW-Jahreswertung liegt die Seite vor stern.de oder Faz.net auf Platz vier der News-Angebote. Im MEEDIA-Interview verrät n-tv-COO Julian Weiss, warum er im Web eine elektronische Zeitung macht und nicht mur auf Video setzt: „Als Verlag würde ich mich am Thema Bewegtbild vielleicht auch versuchen, aber es reicht sicherlich nicht, einen Redakteur mit der Videokamera loszuschicken.“

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Warum hört man dann sowenig von Ihnen? Warum wird n-tv.de von so vielen Surfern nicht als vollwertiges News-Angebot wahrgenommen?
Wie kommen Sie denn darauf? Wir haben eines der umfangreichsten Nachrichtenangebote im Netz – immer aktuell und schnell. Erst im Oktober erreichte unsere Seite einen Rekordwert von 21 Millionen Visits. Im Jahresschnitt liegen wir damit auf Platz 4 unter allen deutschen Newsseiten. In der Fachpresse werden wir allerdings manchmal vergessen, wenn der Wettbewerb auf die Online-Angebote der Printtitel reduziert wird. Da tauchen wir als Nachrichtenseite eines TV-Senders in den Rankings manchmal nicht auf, obwohl wir höhere Online-Reichweiten haben als fast alle großen Tageszeitungen.
 
Was machen Sie, um ihre Wahrnehmung bei den Usern weiter zu verbessern?
Dieses Jahr haben wir unsere Redaktion und unser Themenspektrum ausgebaut. Und auch für das nächste Jahr haben wir uns eine Menge vorgenommen: n-tv.de feiert 2009 sein zehnjähriges Jubiläum. Zum Geburtstag wird es einen Facelift der Seite geben, den wir mit einer Werbekampagne begleiten. Mit all diesen Maßnahmen wollen wir für noch mehr Wachstum sorgen.
 
Wie groß ist denn aktuell die Online-Redaktion?
Ihr gehören über 25 Kollegen und Kolleginnen an. Die Redaktion sitzt in Berlin – also möglichst nah am politischen Geschehen.
 
Mit der Nachrichtenmanufaktur produziert ein externer Dienstleister die Web-Inhalte für n-tv.
Das ist gesellschaftsrechtlich gesehen richtig. Wir sehen die Berliner Kollegen aber nicht als „externen Dienstleister“, sondern als festen Teil unseres Teams. Die Trennung zwischen Berlin und Köln ist durch den Senderumzug von Berlin nach Köln bedingt, im Tagesgeschäft spielt sie aber keine Rolle.
 
Das heißt wahrscheinlich auch: Bei n-tv gibt es eine strikte Trennung zwischen Online und TV-Redaktion?
Ja und nein. Ja, denn n-tv.de ist elektronische Presse und die Kollegen in den TV-Redaktionen machen Fernseh-Nachrichten. Das sind schon zwei unterschiedliche Disziplinen. Und nein, denn natürlich besteht allein, was die Themen angeht, eine starke Vernetzung zwischen TV- und Online-Redaktion.
 
Damit vertreten Sie die gegenteilige Meinung vieler großer Verlagshäuser, die jeden schreibenden Redakteur am liebsten zusätzlich noch mit einer Video-Kamera rausschicken wollen?
Ja, da bin ich was die Qualität angeht, eher skeptisch. Bei uns gilt das Prinzip: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Unsere TV-Redaktion ist auf TV-Nachrichten spezialisiert und unsere Online-Redakteure auf prägnante Nachrichten in Wort und Bild. Das soll so bleiben, schließt aber nicht aus, an großen Themen wie zum Beispiel der US-Wahl gemeinsam zu arbeiten oder sich gegenseitig zu promoten.
 
Ist der Versuch der Verlage aus seinen Online/Print/Video-Redakteuren eine eierlegende Wollmilchsau zu machen, zum Scheitern verurteilt?
Als Verlag würde ich mich am Thema Bewegtbild vielleicht auch versuchen, aber es reicht sicherlich nicht, einen Redakteur mit der Videokamera loszuschicken. Text- und Bewegtbild-Nachrichten haben zwar beide etwas mit einem tiefen Verständnis des aktuellen Geschehens zu tun, es sind aber trotzdem zwei unterschiedliche Handwerke. Für uns zählt die Qualität in jeder Disziplin, denn das honorieren unsere User.
 
Was sind dann die Kernkompetenzen von n-tv.de?

Zunächst mal unsere Schnelligkeit. Wenn etwas Wichtiges passiert, gehören wir immer zu den Ersten, die darüber berichten. Wie unser Sender hat auch unsere Webseite einen Breaking-News-Charakter. Desweiteren sind die Meldungen auf n-tv.de extrem prägnant geschrieben. Bei n-tv.de bekommt man schnell einen guten und umfassenden Überblick. Besonderen Wert legen wir auf unsere Headlines, die mit viel Liebe und oft auch mit einem Augenzwinkern formuliert werden.
 
Im nächsten Frühjahr kommt das Facelift. Werden dann auch die Web- und TV-Inhalte stärker verschmelzen?
Wir haben heute schon eine große Auswahl an Bewegtbildinhalten auf n-tv.de. Diesen Bereich werden wir weiter ausbauen, schließlich haben wir als TV-Sender das umfangreichste Angebot an hochwertigen Bewegtbild-Nachrichten im eigenen Hause. Wir werden aber nicht von einer schnellen und prägnanten Text-Bild-Seite auf eine Videoseite umsatteln, sondern beide Pferde im Stall haben. Und unser User entscheidet dann, in welcher Form er seine Nachrichten haben möchte.

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