New York Times: About.com vor Verkauf?

Die altehrwürdige "New York Times" kommt nicht zur Ruhe. Auf mehr als eine Milliarde Dollar ist der Schuldenstand des renommierten Verlagshauses inzwischen angewachsen. Entsprechend fieberhaft läuft die Suche nach möglichem Tafelsilber, das gewinnbringend verkauft werden könnte. Ein logisches Asset, das in den letzten Monaten immer wieder gehandelt wurde, wäre das Online-Portal About.com, das 2005 für 410 Millionen Dollar übernommen wurde.

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Plötzlich saß das Geld wieder locker. Nach einer langen Zeit des Darbens, der Massenentlassungen und gescheiterten Finanzierungsrunden im Zuge des Dot.com-Crashs wurden 2005 wieder dreistellige Millionen-Beträge für Internet-Unternehmen gezahlt. 580 Millionen Dollar überwies Medienmogul Rupert Murdoch für das Social Network MySpace. 410 Millionen Dollar waren zuvor für ein anderes beliebtes Online-Portal gezahlt worden, das in Europa bis heute kaum jemand wahrnimmt, sich in den USA jedoch konstant unter den 15 meistbesuchten Websites hält – About.com.

Käufer: Niemand anderes als die renommierte „New York Times“, mit 98 Pulitzer-Preisen bis heute die Ikone der amerikanischen Zeitungslandschaft. Das war im März 2005. Lange Zeit wurde die New York Times für den Schritt belächelt. Was wollte die 157 Jahre alte Medieninstitution mit dem Human Guided Portal, auf dem sich 700 Hobby-Autoren eher mit bestenfalls begrenzten journalistischen Mitteln verbreiteten? Eine bessere Steilvorlage hätten Spötter kaum finden können.
 
Knapp 11 Millionen Dollar Gewinn: About.com rettet der New York Times die Bilanz

2008 indes lacht kaum noch jemand. Tatsächlich hat sich das Web-Engagement ausgezahlt: In den zuletzt alles andere als erfreulichen Bilanzen der NYT fällt das Internet-Portal positiv auf. Im abgelaufenen dritten Quartal musste der US-Verlag einen zweistelligen Umsatzrückgang von 754,4 Millionen Dollar auf nunmehr 687 Millionen Dollar verkraften.
Das erst 11 Jahre alte About.com kann mit 28,7 Millionen Dollar zwar nur 4 Prozent zu den Gesamterlösen beisteuern, doch der Umsatz kann dank weiter steigender Einnahmen aus dem Geschäft mit Online-Werbung um respektable 16 Prozent zulegen.
Wichtiger jedoch: About.com arbeitet hoch profitabel. Unterm Strich fuhr das Online-Portal 10,8 Millionen Dollar ein. Die New York-Gruppe konnte in der Gesamtheit indes nur noch ein Plus von 6,5 Millionen Dollar ausweisen – ein Minus von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Umkehrschluss bedeutet das nichts anderes als: Ohne About.com wäre die NYT längst in die roten Zahlen gerutscht.

Massiver Schuldenberg: New York Times steht mit 1,1 Milliarden Dollar in der Kreide
So weit, so hilfreich. Doch aktuell plagen den Traditionsverlag ganz andere Sorgen. 1,1 Milliarden Dollar beträgt der Schuldenberg der New York Times inzwischen. Allein 398 Millionen der Verbindlichkeiten müssen bis Ende des Quartals abgezahlt werden. Entsprechend schnelles Handeln scheint nun geboten.
Die Dividendenzahlung von jährlich 132 Millionen Dollar zu kürzen, wird für die Eigentümer-Familie Ochs-Sulzenberger nicht in Frage kommen. Ebenso wenig sollen Arbeitsplätze zur Disposition stehen, um die redaktionelle Qualität nicht zu gefährden. Also muss Tafelsilber veräußert werden. Der „Boston Globe“, der ebenfalls zum Verlagshaus gehört, schwächelt ebenfalls gehörig und dürfte in der derzeitigen Verfassung nicht die nötigen Erlöse erzielen.

About.com-Verkauf: Welcher Preis wäre zu erlösen?
Blieben noch der (Teil-)Verkauf des repräsentativen „Times Towers“ an der Eight Avenue, um ihn dann zurückzumieten. Das wäre eine überschaubare Option. Die andere: Online-Tochter About.com. Zwar hat der Verlag Spekulationen, die bereits im Januar aufgekeimt waren, bislang immer wieder zurückgewiesen. Angesichts der prekären Lage rechnen Brancheninsider längst mit dem Schritt.

Viel spannender dürfte daher die Frage sein, wie ein solcher Verkauf im gegenwärtigen Umfeld der anhaltenden Finanzmarktkrise über die Bühne geht. Kann die New York Times für About.com heute einen besseren Preis als vor drei Jahren erzielen, da die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells bewiesen ist? Oder macht die Angst vor der Rezession den Preis des Online-Portal komplett kaputt?

Für die Internet-Branche wäre ein Bieterverfahren um About.com ein höchst interessanter Testfall. Würde sich für das hoch profitable Online-Portal kein geeigneter Käufer finden, dürften nämlich auch die Bewertungen von anderen Internet-Unternehmen schnell in Frage gestellt werden.

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