Neues Frauenportal will auf Platz drei

Erst entdeckten Verlage wie Springer oder Burda Frauenportale als potenzielle Goldesel. Dann weckte die weibliche Zielgruppe auch bei TV-Sendern Begehrlichkeiten. Im Juni kaufte sich ProSiebenSat.1 Fem.com, jetzt folgen RTL Interactive und VOX. Mit Frauenzimmer wollen sie sich mittelfristig unter den Top drei der Frauenportale etablieren und eine Netto-Reichweite von bis zu 500.000 Unique Usern erreichen. Die Ziele sind hochgesteckt, das Portal enthält allerdings nicht allzuviel Neues.

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Frauenzimmer –  das ist ein antiquierter, aber gerade deshalb (inmitten all der Googles, Fems, und Partnrs) ein ganz sympathischer Name für ein Frauenportal. Die Macher sparen nicht mit vollmundigen Versprechen: Ein „Qualitätsportal“ soll es sein, in dem „alles, was Frauen, brauchen“ – Promi-News, Unterhaltung, aktuelle Nachrichten und Service – zu finden ist.

Die Erwartungshaltung ist hoch, doch nach einer Verweildauer von einer halben Stunde verlässt man das Portal relativ ernüchtert: Frauenzimmer hat nicht wirklich mehr auf dem Kasten als seine Vorgänger. Die üblichen oberflächlichen Nachrichten, Shopping- und Styling-Tipps, Psycho-Tests, Promi-Bildergalerien, eine Community, vier Blogs und eine ganze Armada an Tools, die dabei helfen sollen, überflüssigen Pfunden zu Leibe zu rücken („Kalorienrechner“, „BMI-Rechner“, „Fett-Weg-Rechner“, „Diätrezepte“). Warum auch nicht – Fettverbrennung steht ja schließlich bei allen Frauen an der Spitze der Agenda. Außerdem finden sich auf der Homepage an prominenter Stelle vier Artikel zu Mode- und Gesellschaftsthemen. (Beispiel: „Wie deutsch sind Sie? – Machen Sie den Einbürgerungstest“).

Am interessantesten jedoch ist die Auswahl der tagesaktuellen Kurz-Nachrichten im Ressort „Stars & News“. „Mann tötet Partnerin – dann sticht er auf sich selbst ein“, so lautet die erste News am 10. Juni 2008. Weiterhin wird das jetzt schon hochgradig verblüffte Frauenzimmer darüber informiert, dass Howard Carpendale seine alkoholkranke Frau verlässt, eine Mutter Kinderpornos auf dem Computer ihres Mannes entdeckt hat und die achtjährige Maria nach einer Rottweiler-Attacke wieder wohlbehalten zuhause angekommen ist. Welchen Kriterien dieser Nachrichtenauswahl zugrunde liegen, erschließt sich nicht. Vielleicht werden solche Nachrichten automatisch hochgeladen, die die Tags Frau, Mutter oder Kind enthalten.

Aber Achtung! Ein echtes Frauenzimmer ist man nicht gleich von Anfang an, das will erarbeitet sein. Jede Nutzerin muss ganz unten im Frauenhofstaat anfangen und als „Pixel-Elfe“ Punkte sammeln. Punkte bekommt man für eine rege Beteiligung, für ein Login zum Beispiel einen Punkt pro Tag. Ab 500 Punkten ist man „Web-Ikone“, ab 1500 Punkten „Surf-Göttin“ und ab 5000 steht man dann endlich auf der Spitze der Pyramide. Ein interessantes Modell, um den Mitmach-Ehrgeiz zu wecken – zumindest bei denjenigen, in denen der Ehrgeiz schlummert, es von der „Pixel-Elfe“ und „Foren-Fee“ zum „Frauenzimmer“ mit fünf Sternchen zu schaffen.

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