myAWOL: Musikportal der neuen Generation

Erst machten den etablierten Musik-Labels Filesharer bei Napster zu schaffen. Dann kündigten Zugpferde – Bands wie Radiohead – ihnen die Freundschaft und vermarkten sich selbst im Internet. Jetzt wollen Ex-Label-Experten das verlorene Zepter wieder zurückerobern: Mit dem Portal MyAWOL betreiben sie ein Geschäftsmodell, das sich ganz auf Online konzentriert. Es klotzt mit teurem Content und weckt hohe Erwartungen. Denn Gründer und Ex-EMI-CEO Andy Bentley will die digitale Zukunft der Branche einläuten.

Anzeige

AWOL ist die Abkürzung für „Artists without Labels“. Ein ganz treffender Name, wäre da nicht schon AWAL aus England,  ausgeschrieben „Artists without a Label“ – ein Label, das unter anderem die über das Web bekannt gewordene Independent-Gruppe „Arctic Monkeys“ unter Vertrag hat. Aber geht man großzügig über die dreiste Kopie hinweg, kommt man bei der Fülle der geplanten Angebote zu der Schlussfolgerung: Ja, es könnte wahr werden. Der neue Player aus Los Angeles läutet vielleicht wirklich die digitale Zukunft der Branche ein.

Denn im Vergleich zu anderen Firmen und Musikportalen, die sich auf einzelne Aspekte konzentrieren, möchte AWOL überall mitmischen und bietet ein vergleichbar fettes Carepaket an. Anschubfinanzierung gab es bisher schon in Höhe von über zwei Millionen Dollar, acht bis zehn Millionen Dollar sollen noch folgen.

Die Angebote des Möchtegern-Allrounders launchen nicht alle auf einmal, sondern im Laufe diesen Jahres (2008). Erster Go: Im August soll die „Music Industry Database“ (MIDB) online gehen. Das klingt zwar zunächst wie eine musikalische Variante der „Internet Movie Database“ (IMDB), soll aber im Gegensatz dazu nicht ein trockenes Lexikon für jedermann sein, sondern ein wichtiges Kontaktnetzwerk für die gesamte Branche. Vom Bühnenarbeiter bis zum Soundmanager kann sich hier jeder eine digitale Visitenkarte mit multimedialen Inhalten erstellen. Das ist also Streich Nummer eins: Positionierung als seriöser Player.
Das Angebot für  Endkunden hingegen startet frühestens im September. Täglich soll ein eigens für die Seite produzierter Content mit dem Output der Künstler online gehen – Konzerte, Interviews oder auch Podcasts. Neben diesem TV-Kanal wird es auch eine Community geben. Ähnlich wie bei MySpace kann sich jeder Musiker ein eigenes Profil erstellen, darauf seine Songs kostenlos anbieten oder selbst vertreiben, das Portal sichert sich allerdings eine Beteiligung von bis zu 30 Prozent am Gewinn.   

Darüber hinaus jedoch treiben sich AWOL-Scouts in den Profilen herum und suchen nach potenziellen Talenten. Besonders talentierte Musiker nimmt man im eigenen Label unter die Fittiche. Allerdings nicht in den Handschellen eines Exklusiv-Vertrages: Zwar sichert sich die Firma die Rechte an allen firmeneigen produzierten Contents wie etwa  90-Sekunden-lange Musikclips oder Videos, die Musik kann jeder Künstler jedoch nach wie vor selber verkaufen, an wen immer er will. 

Die Macher der Site sind keine unbekannten Gesichter in der Musikszene und haben jede Menge wertvoller Kontakte und Erfahrungen im Ärmel: Gründer Andy Bentley war in den 90er Jahren CEO beim britischen Major-Labels EMI für den Asiatisch-Pazifischen Raum; verantwortlich für den Content ist Medienpionier Vlad Lodzinski, der unter anderem acht Jahre als Senior Producer/Director bei MTV Networks Europe gearbeitet hat.

Sie hinterlassen Eindruck – auch auf den Venturebeat-Autor Dan Kaplan, der beide persönlich getroffen hat: „I walked away with the sense, that I had seen something big. It struck me, that myAWOL is what MySpace might have been, if it stayed focused on music: A fully-realised platform fort the next generations of musicians“.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige