Mumbai: Twitter & Flickr schlagen CNN

Mindestens 110 Tote. Bomben, Selbstmordattentäter und Terroristen, die ganze Hotels besetzen und Gäste als Geiseln nehmen. Die Welt schaut geschockt auf Mumbai. Doch bevor die ersten Horror-Meldungen als Breakingnews die großen Nachrichten-Networks erreichten, ging die Nachricht bereits wie ein Lauffeuer durch den Mircroblogging-Dienst Twitter. Augenzeugen posteten live ihre Erlebnisse und luden die entsprechenden Bilder sofort bei Flickr hoch.

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In knappen Sätzen transportierte Twitter Schreckensbilder via Internet in die Welt hinaus. So postete „anilenand“: „Mumbai city, where I live is under seige! Terrorist have gunned down the Anti terrorist Squad chief and encounter specialists. Taken hostages.“
Genauso Flickr. Mit den einfachen Suchbegriffen „Mumbai Terror“ kann sich jeder Nutzer schnell ein eigenes Bild von den Anschlägen machen. Zu sehen sind TV-Screenshots und unzählige Amateur-Fotos von Passanten, die den Schrecken auf den Straßen der indischen Banken-Metropole mit ihrer Digicam oder Handy festgehalten haben. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Informationen über das Web verbreiteten, riss Techcrunch-Blogger Michael Arrington zu der Aussage hin: „ Forget CNN!“.
 
So schlimm die Anschläge auch sind, beweisen sie doch, dass in der globalen Medienwelt tatsächlich ein zweifacher Paradigmenwechsel stattfindet. Erstens: Das Web ist schneller als TV. Tageszeitungen haben bei diesem Rennen schon lange keine Chance mehr. Und Zweitens: Augenzeugen bzw. Leserreporter nutzen die neuen technischen Möglichkeiten immer besser und sicherer, um ihre direkten Eindrücke selbst zu veröffentlichen.

Andererseits zeigt vor allem ein Blick auf Twitter, dass es bei der aktuellen Geschwindigkeit, in der Kurz-Postings zum Thema veröffentlicht werden, schlicht unmöglich ist, die Echtheit und Relevanz einer Information zu prüfen. Die Nachrichten sind roh.

Das Phänomen, dass sich Breaking-News und vor allem Schreckensbilder im Web schneller verbreiten als über die klassischen Nachrichtensender, ist nicht neu. Bereits bei der Tsunami-Katastrophe Weihnachten 2004, scheuten die großen News-Networks keine Kosten, um an exklusives Videomaterial zu kommen. Während die Journalisten noch nach Clips und Fotos fahndeten, hatten Urlauber, die sich gerade noch vor der Flutwelle retten konnten, bereits  ihre Videos bei YouTube hochgeladen.

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