Jetzt gibt’s wieder Disco bei Cisco

Aufatmen in der Technologiebranche: Der weltgrößte Netzwerkausrüster Cisco, einst das höchst bewertete Unternehmen der Welt, konnte gestern Nacht bei Vorlage der jüngsten Quartalszahlen die Markterwartungen übertreffen. Statt vor einem konjunkturellen Abschwung zu warnen, sieht CEO John Chambers "Chancen in der Umbruchphase". Er plant sogar, seinen Kundenstamm zu erweitern und "weiter aggressiv zu investieren". Die Cisco-Aktie konnte nachbörslich weiter zulegen.

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Es gab einmal eine Zeit, da wurde jedem Wort, das Cisco-CEO John Chambers von sich gab, an der Börse ähnliche Bedeutung beigemessen wie dem US-Notenbankpräsidenten. „Es ist, als hätte jemand das Licht ausgeschaltet“, kommentierte Chambers einst auf dem World Economic Forum in Davos den plötzlichen Abschwung des Kerngeschäfts – und löste damit prompt einen Kurssturz bei Technologieaktien aus.

Sieben Jahre ist das her, und es mag nicht wenige Anleger geben, denen jene Zeit wie eine längst mythisch verklärte Ära erscheint, in der der Dot im .com die Lizenz zum Gelddrucken bedeutete. Cisco verdiente gut daran, denn das im kalifornischen San José ansässige Unternehmen war das Internet. Oder zumindest: Mit seinen Routern und Switches das Rückgrat des Internets.

Das ist Cisco bis zum heutigen Tag geblieben. Doch während das Internet in der Zwischenzeit – nicht zuletzt durch den Siegeszug der Videoportale – eine Kapazitätsvervielfachung erlebte, hat die Cisco-Aktie eine Vierteilung hinter sich. Gerade einmal knapp 23 Dollar je Anteilsschein bewilligen Aktionäre noch für das einst höchst bewertete Unternehmen der Welt, das im Februar 2000 noch zu Kursen von über 80 Dollar den Besitzer wechselte.

Dabei laufen die Geschäfte des weltweit führenden Netzwerkausrüsters so gut wie nie: Erlöse und Erträge sprudeln so stark wie selbst zur Jahrtausendwende nicht. Das dokumentieren auch die gestern nach Handelsschluss an der Wall Street veröffentlichten neusten Unternehmensdaten für das abgelaufene vierte Quartal des Geschäftsjahres 2007/08.

Bei Umsätzen von 10,4 Milliarden Dollar konnte der an der Nasdaq gelistete US-Technologiekonzern einen Nettogewinn von 2 Milliarden Dollar oder 33 Cent je Aktie erzielen. Im Vorjahresquartal hatte Cisco noch 1,9 Milliarden Dollar oder 31 Cent je Aktie bei Umsätzen von 9,43 Milliarden Dollar verdient.

Um Einmaleffekte bereinigt, betrug der operative Gewinn im Dreimonatszeitraum April-Juni gar 2,4 Milliarden Dollar bzw. 40 Cent je Aktie. Damit konnte Cisco die Markterwartungen der Wall Street schlagen. Die vom Finanzinformationsanbieter Thomson Reuters befragten Analysten hatten nämlich noch mit einem Gewinn in Höhe von 39 Cent je Aktie bei Umsätzen von 10,31 Milliarden Dollar gerechnet.

Entsprechend zufrieden kommentierte der Cisco-Vorstand den Geschäftsverlauf. „Wir freuen uns sehr, erstmals in einem Quartal Umsätze über der 10 Milliardengrenze vermelden zu können“, sagte Finanzchef Frank Calderoni. Gleichzeitig bestätigte Cisco die selbst gesteckte langfristige Wachstumsprognose von 12 bis 17 Prozent.

Im laufenden ersten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 rechnet CEO John Chambers aufgrund des herausfordernden konjunkturellen Umfelds unterdessen mit einem Umsatzwachstum von acht Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das entspricht erwarteten Erlösen von 10,32 Milliarden Dollar. Den Gewinn im Dreimonatszeitraum Juli bis September bezifferte Chambers auf 40 Cent je Aktie und traf damit genau die Erwartungen der Wall Street.

Gleichzeitig machte Chambers auf dem anschließenden Conference Call mit ausgewählten Analysten deutlich, dass er die angespannte Lage der Weltkonjunktur nicht fürchte. „Selbst wenn sich der Markt weiter verlangsamt, glauben wir nicht, dass sich unsere Chancen dadurch dramatisch verschlechtern“, erklärt der Cisco-CEO. Im Gegenteil: „Der Markt ist im Umbruch, und wir werden diese Zeit als Gelegenheit nutzen, um unseren Kundenstamm zu erweitern.“ Zudem kündigte der 59-jährige Vorstandsvorsitzende an, während des Abschwungs „weiter aggressiv investieren zu wollen“. Für 2009 rechnen viele von Ciscos Kunden bereits wieder mit einer wirtschaftlichen Erholung, teilte Chambers mit.

Anleger reagierten zufrieden auf das Zahlenwerk und den Ausblick des Technologieschwergewichts. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel um fast 7 Prozent auf 24,22 Dollar zu.

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